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Dank sozialer und medizinischer Fortschritte wächst die Lebenserwartung in reichen Industrienationen ungebrochen. Die bisherige Sterblichkeitsentwicklung überrascht auch in Deutschland Demografieforscher. Nichts scheint dagegen zu sprechen, dass viele der heute Geborenen 100 Jahre alt werden. Aber auch die Lebenserwartung der Älteren steigt ständig. Was sagen dazu Mediziner und Biologen?

Jahrhundert der Hundertjährigen
Die alte Vorstellung, dem Menschen sei eine unveränderliche natürliche Lebensspanne beschieden, gerät ins Wanken. Sollte sich der überraschende Trend, den die Demografieforscher vom Max-Planck-Institut Rostock beobachten, fortsetzen, dann werden viele heute geborene Kinder ihren 100. Geburtstag feiern. Bereits jetzt hat die Zahl der Hundertjährigen deutlich zugenommen, wird die Gruppe der über Siebzigjährigen immer später alt und krank. „OZON unterwegs“ besuchte die 102-jährige Schriftstellerin Elfriede Brüning und die 103-jährige Gertrud Pütsch.

Die Rätsel des Alterns
Was bestimmt Langlebigkeit, Gesundheit, Krankheit? Lebewesen wie die Hydra könnten im Labor theoretisch 1500 Jahre alt werden. Evolutionsbiologen gingen jahrzehntelang davon aus, dass es beim Menschen frühe Lebensgrenzen gibt. Dem widerspricht die umfangreiche Berliner Altersstudie unter der Leitung von Frau Prof. Steinhagen-Thiessen von der Charité. Der Einfluss der Gene ist begrenzt und sehr vernetzt mit vielen weiteren Faktoren, die die Älteren immer älter werden lassen.

Die Würde der Alten
Alt, krank und arm sein war bis nach dem Dreißigjährigen Krieg oft ein Grund, ausgestoßen zu werden. Vor allem in Notzeiten, wenn sich die Jüngeren kaum selbst versorgen konnten. Viele Zeugnisse der Grafik und Malerei berichten über die nur allmählich wachsende Alterswürdigung. Erst mit der Aufklärung und den frühen Gesetzen zur Sozialversorgung unter Bismarck wurde die Sicherung und Achtung der Alten ein öffentliches Thema. Es verfiel wieder mit der Industrialisierung, der neuen Armut und dem Ende der Großfamilien in den Proletarierwohnungen der Städte.

Das Wissen der Alten
Die geistige Leistungsfähigkeit von Senioren ist teilweise besser als die von 25- bis 35-Jährigen. Wenn nach dem Ende des Arbeitslebens noch 20 bis 30 gesunde Jahre warten, sind neue Alterszeit-modelle notwendig. Schon seit Jahren gibt es in der Wirtschaft Netzwerke wie den Senioren Experten Service (SES) für Menschen, die jenseits der Rente noch ihre berufliche Erfahrung einbringen wollen. Das Unternehmen Bosch gründete 1999 sogar eine Beratungsfirma mit ehemaligen Mitarbeitern zwischen 60 und 75 Jahren. „OZON unterwegs“ begleitet einen Experten in Berlin.

Sexualität im Alter
Der Film „Wolke 9“ von Andreas Dresen hat es an die Öffentlichkeit gebracht. Auch ältere Menschen sehnen sich nach sexueller Erfüllung: angesichts der steigenden Lebenserwartung selbst noch mit achtzig Jahren, wenn es ihre Gesundheit zulässt. Ihre erotischen Gefühle und Träume unterscheiden sich kaum von denen der Jungen. Sexualforscher wie Prof. Klaus-Michael Beier von der Charite bestätigen aus der Berliner Altersstudie, dass Zärtlichkeit, Nähe, Sex als Wohlgefühl einen großen Einfluss auf die Gesundheit und Sterblichkeit der Älteren haben. „OZON unterwegs“ sprach mit der 82-jährigen Evelyn Gundlach.


