Ein Mechaniker des britischen Triebwerksherstellers Rolls-Royce arbeitet an einem Flugzeugtriebwerk (Quelle: dpa)

- Leiser fliegen – Luftfahrtforschung in Berlin Brandenburg

Berlin und Brandenburg waren einst die Wiege der Luftfahrt. Hier wirkte Lilienthal, es gab den ersten Motorflugplatz und auch das erste Zentrum für Konstruktion, Erprobung und Bau von Flugzeugen in Deutschland. Aber auch bedeutende Anfänge der Raketentechnik. 

Seit 1990 konnte die Region nicht nur daran anknüpfen, sondern sich zum drittwichtigsten Standort der Luft- und Raumfahrtindustrie in Deutschland entwickeln. Die Berlin-Brandenburg Aerospace Allianz e.V. BBAA vereint heute über 100 Unternehmen und Forschungseinrichtungen, die im Triebwerksbau, Leichtbau, Kleinflugzeugbau und in der Planung von Flugplätzen Weltniveau liefern.

Die Wiege der Luftfahrt

Nachdem Lilienthal mit seinen Gleitflügen die Physik der Tragflächen erforscht hatte, blühte ab 1908 Berlin-Brandenburg als Wiege der Luftfahrt auf. Firmen wie die der Brüder Wright und die von Edmund Rumpler siedelten sich in Berlin Johannisthal an. In den 20er Jahren lösten Kosmosträume aus UFA-Filmen eine Experimentierwelle mit ersten Raketentriebwerken aus. Die Nazis forcierten alle Entwicklungen für Rüstung und Krieg. 1961 ging mit dem Aus für das erste in der DDR gebaute deutsche Passagierflugzeug die Ära der Luftfahrtforschung zunächst zu Ende.

Lärmforschung an Triebwerken (Quelle: rbb)

Lärmforschung an Triebwerken

Lärmminderung an Flugzeugen ist hochkomplex. Der Triebwerkshersteller Rolls-Royce in Dahlewitz arbeitet an der ständigen Verbesserung von Antrieben, so werden beispielsweise die Strömungsvorgänge im Inneren immer besser erforscht. Ein Ergebnis der letzten Jahre sind u. a. Formveränderungen an den Schaufelblättern des großen Rotors, der die Luft ansaugt sowie die Entwicklung wirksamerer Dämpfungsmaterialien im Gehäuse. In der größten Schallmesskammer Europas bei Anecom Aerotest in Wildau werden alle Neuerungen ausführlich geprüft.

Turbinenschaufeln in der Stresstestkabine (Quelle: rbb)

Triebwerksschaufeln im Stress-Test

Turbinenschaufeln gehören zu den am meisten belasteten Bauteilen eines Flugzeuges. Sie müssen hohe Umdrehungen und Temperaturen aushalten. Neue Materiallegierungen sollen sie leichter, leistungsfähiger und zugleich noch sicherer machen. Untersucht wird das mechanische Verhalten von Gasturbinenkomponenten bei MTOC, dem hochmodernen Mechanical Test Operations Centre in Dahlewitz.

Hightechsegler mit Piloten (Quelle: rbb)

Hightechsegler für eine Höhenexpedition

Flüge über einem Hochgebirge sind für Verkehrsmaschinen riskant. Unverhofft können starke Luftwirbel auftreten. Ein deutsches Wissenschaftlerteam will diese Gebirgswellen nun auch im Himalaya erforschen. Vor wenigen Tagen starteten deshalb zwei Hightech-Maschinen des Strausberger Pioniers für Motorsegler Reiner Stemme zu einer Expedition nach Nepal. Seine Weltrekordmaschine S10 ist mit einem einklappbaren Propeller ausgestattet und hat hervorragende Flugeigenschaften.

Satellit tastet das Magnetfeld der Erde ab (Quelle: rbb)

Satellitenstart zur Magnetfeldmessung

Im Rahmen des ESA-Programms Living Planet sollen in den nächsten Tagen mit einer russischen Rakete drei identische Satelliten starten. Sie werden hoch auflösend das Erdmagnetfeld und seine zeitlichen Veränderungen messen. Dafür müssen sie räumlich versetzt auf parallele Umlaufbahnen gebracht werden. Das Erdmagnetfeld ist nicht nur wichtig für alle Vorgänge auf der Erde, sondern auch ein wichtiger Schutzschild gegen die geladenen Partikel des Sonnenwindes. Maßgeblich beteiligt an dieser Mission ist das Potsdamer Geoforschungszentrum.