- Moore - die lange unterschätzten Klimaretter

In fast jedem Blumentopf steckt ein Stück Moor. Für simple Pflanzenerde werden ganze Moorlandschaften zerstört. Immer lauter wird der Ruf nach Alternativen, denn intakte Moore sind gigantische Kohlenstoffspeicher. Zerstörte Moore aber geben das CO² wieder frei und belasten in Brandenburg das Klima stärker als der gesamte Straßenverkehr des Landes.

Im 20. Jahrhundert wurden riesige Flächen entwässert für eine leistungsfähige Agrarindustrie. Zerstörte Moore aber setzen Klimagase wieder frei. Wie können, vor allem in Moorländern wie Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, Feuchtgebiete zurück gewonnen werden? Und muss Blumenerde unbedingt aus Torf sein?

Moorpflanze; Quelle: rbb

Faszinierende Lebensform Moor

An der Oberfläche sind es Sonnentau, Wollgras und wilde Orchideen, die den Naturfreund begeistern. Darunter aber versteckt sich der größte Wert eines Moores: Abgestorbene Torfmoose, Schilf, Rohrkolben bilden unten im Wasser Torf. Die Schicht am Boden wächst in 1.000 Jahren um etwa einen Meter. In dieser Pflanzenmasse steckt der Kohlenstoff aus der Photosynthese, die Torfschicht hält das CO² fest wie in einem Speicher.

Schippende Arbeiter; Quelle: rbb

Geschichte der Zerstörung

Die Moorleiche mit dem Strick um den Hals erinnert an eine Zeit, da Moore noch als unheimliche Orte galten. Bis der Mensch sie zu nutzen lernte: In Brandenburg wurden sie zu Land für die neuen Siedler. Später kam der Torf als Brennstoff in das rasant wachsende Berlin. Die größte Moorvernichtung aber begann in den 1960er Jahren, als ganze Landstriche für Grünland und Äcker entwässert wurden, wie die großen Luchgebiete im Nordwesten Berlins, das Havelländische und das Kremmener Luch, das Rhinluch.

CO2-Messgerät; Quelle: rbb

Acker als CO2-Schleuder

Als man den Mooren das Wasser entzog, war die katastrophale Wirkung auf das Klima noch nicht bekannt. Ein Hektar zerstörtes Moor in Deutschland setzt bis zu zehn Tonnen Kohlendioxid im Jahr frei. Prof. Michael Succow, Träger des Alternativen Nobelpreises, hat ein weltweites Programm angeschoben, um die letzten intakten Moore wie in Russland zu retten - und um Moorflächen klimafreundlich zu nutzen. Schilf und Röhricht kann in Biogasanlagen zu Strom und Wärme werden.

Mooszucht auf dem Wasser; Quelle: rbb

Kleines Moos ganz groß

Heute werden noch lebende Moore vor allem zu Gartenerde. Seit langem ist man auf der Suche nach einem Ersatzstoff. Jetzt scheint der Durchbruch gelungen: Auf einem Lausitzer Tagebausee sind auf Schwimmmatten kleine Torfmoose herangewachsen, die maschinell geerntet werden. Und bei Gärtnern hat die Torfmooserde den Qualitätstest bestanden. Fehlt nur noch die Massenproduktion.

Bagger schaufelt Erde aus; Quelle: rbb

Rettungsversuche und Kompromisse

Zerstörte Moore sollen wieder zum Leben erweckt werden, 3.400 Hektar hat Brandenburg bisher geschafft. In menschenleeren Gegenden kein allzu großes Problem, doch 75 % der ehemaligen Moorflächen werden als Grünland oder Acker genutzt, da sind Konflikte vorprogrammiert. Die ersten Bauern aber liefern den Beweis, dass Landwirtschaft und Moorschutz vereinbar sind, wenn auch vorerst mit Kompromissen.