Computermodell des Containerdorfes für Studenten (Bild dpa)

Neues Wohnkonzept für Studenten - Containerweise junge Akademiker

Das Symbol für globalen Handel sind sie schon, nun sollen Frachtcontainer auch die Wohnungsnot von Berliner Studenten lindern. Im Plänterwald entsteht zurzeit ein Studentendorf der besonderen Art.

In Berlin fehlen tausende Wohnheim-Plätze für Studierende, die Preise für WG-Zimmer in den besonders beliebten Stadtteilen erreichen fast Münchner Verhältnisse. Ab diesem Wintersemester haben wohnungssuchende Studenten allerdings eine neue Option: umgebaute Frachtcontainer.

Das Studentendorf "Frankie und Johnny" im Plänterwald mit rund 320 geplanten Wohncontainern wird seit diesem Monat gebaut. Die ersten 20 Wohnungen im Südosten der Stadt sollen bereits im Oktober in Betrieb genommen werden, sagte der Bauherr und Investor Jörg Duske. Am Samstag stellt Duske im Plänterwald eine erste Musterwohnung vor.

Computermodell des Containerdorfes (Bild dpa)
Ein Single-Container ist 26 Quadratmeter groß.

All-inclusive-Bude für 349 Euro warm

"Wir bauen keine Baucontainer, sondern wollen schöne Wohnungen günstig anbieten", sagte Duske. Für 349 Euro Miete im Monat werde ein "All-Inclusive-Paket" mit Heizung, Strom, Müllabfuhr und Highspeed-Internet geboten, verspricht der Bauherr. Neben knapp 243 Einzelbleiben sollen auch 65 Doppel- und elf Drei-Personen-Einheiten entstehen.

In die Mehrraum-Wohnungen könnte damit schon bald Deutschlands erste Frachtcontainer-WG einziehen. Laut Duske ist es einmalig in Deutschland, dass modifizierte Frachtcontainer zu Studenten-Wohnungen werden.

9.500 Wohnheimplätze, 160.000 Studenten

Neue Formen des Wohnens finden Studenten aber etwa auch in München. Dort gibt es seit 2005 moderne Wohnwürfel des Studentenwerks, in denen Hochschüler auf unter sieben Quadratmetern wohnen können. Mit klassischen Baucontainern hätten die von einem Architekturprofessor entwickelten Wohnungen allerdings nichts zu tun, sagte eine Sprecherin des Studentenwerks in München.

Erst im April hatte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) gemeinsam mit der Geschäftsführerin des Studentenwerks, Petra Mai-Hartung, beschlossen, 5.000 neue Wohnheimplätze zu schaffen. Bislang gibt es für die 160.000 Studenten an den Berliner Hochschulen rund 9.500 Wohnheimplätze - prozentual ist das nach Bremen die zweitschlechteste Versorgungsquote in Deutschland. In Berlin standen im Juni nach Angaben des Tourismusverbandes VisitBerlin 182 Hotels mit mindestens vier Sternen - Studentenwohnheime gibt es laut Studentenwerk aber nur 35.

Interessenten können sich ab Samstag vormerken lassen

Insgesamt kostet das Container-Projekt laut Duske 13,5 Millionen Euro. Die Nachfrage nach den 26 Quadratmeter großen Wohneinheiten sei sehr groß. "Wir bekommen täglich E-Mails mit Anfragen", sagte Duske. Zeitgleich mit dem Besichtigungstermin können sich Interessierte am Samstag auf der Internetseite des Studentendorfes vormerken lassen.