
Nach zweieinhalb Jahren mit "Berlin Heart" - Fünfjähriger erhält Spenderherz in Berlin
Mit nur einer Herzkammer kam Pascal auf die Welt, zweieinhalb Jahre überlebte er im Deutschen Herzzentrum in Berlin mit Hilfe eines "Kunstherzens". Jetzt ist es Berliner Ärzten gelungen, dem 5-Jährigen ein Spenderherz zu transplantieren. Sie nutzten den Fall, um für die Organspende zu werben.
Zweieinhalb Jahre lang hat der herzkranke Pascal auf ein Spenderherz warten müssen - solange pumpte eine Maschine das Blut durch seinen Körper. Der Junge aus dem thüringischen Tabarz ist ein besonderer Fall: Mit nur einer Herzkammer geboren, hat er die vergangenen zweieinhalb Jahre im Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZ) mit Hilfe eines Kreislauf-Unterstützungssystems überlebt - einem sogenannten "Kunstherz". Im Frühsommer fand sich für Pascal das ersehnte Spenderherz, vor zwei Monaten nahmen die Ärzte die Transplantation vor - mit Erfolg.
"Eigentlich ist das 'Berlin Heart' für kurze Überbrückungszeiten gedacht. Aber weil immer weniger Organe gespendet werden, werden die Wartezeiten für die Patienten immer länger", berichtete Prof. Felix Berger, Direktor der Kinderkardiologie am DHZ. Auch zwei weiteren Kindern, dem zweieinhalbjährigen Naser N. und Hadi S.-H. (15), hat das Kunstherz ermöglicht, die lange Wartezeit bis zur Transplantation zu überleben. Hadi hofft, in einem Monat wieder zur Schule gehen zu können.

"Berlin Heart" - weltweit einziges Behandlungsverfahren für Kinder
Soweit ist Pascals Familie noch nicht. "Wir gehen jetzt in die Reha. Und dann endlich nach Hause", erzählt seine Mutter Kathrin. "Pascal kennt sein Zuhause ja kaum noch." In den 841 Tagen mit Kunstherz beschränkte sich sein Radius auf das Krankenhaus und den umliegenden Park. Die Eltern kümmerten sich im Schichtdienst um ihren Sohn. "Sonn- und Feiertag gab es nicht", sagt Vater Danny. Von ihren Jobs mussten sie sich beide beurlauben lassen.
Für Kunstherz-Patienten sind Infektionen und Blutgerinnsel die zwei größten Gefahren. Kurz nachdem Pascal an die Herz-Pumpe angeschlossen worden war, erlitt er einen Schlaganfall durch ein Blutgerinnsel. Während es für erwachsene Patienten mittlerweile neuartige, implantierbare Unterstützungspumpen gibt, ist das "Berlin Heart" für Kinder bislang das weltweit einzige Verfahren.

Bereitschaft zur Organspende geht zurück
Eltern und Ärzte warben am Mittwoch in Berlin eindringlich um mehr Bereitschaft zur Organspende. Die Zahl gespendeter Organe sinkt in Deutschland seit Jahren. 2012 waren es rund 13 Prozent weniger als im Vorjahr, 2013 verstärkt sich der Trend weiter, wie die Stiftung Organtransplantation berichtet.
Hier machen sich die Missbrauchsfälle in der Vergabepraxis bemerkbar, die 2012 für Schlagzeilen sorgten. "Die hatten sehr negativen Einfluss auf die Bereitschaft, Organe zu spenden", sagte Prof. Roland Hetzer, Ärztlicher Direktor des DHZ.
