Badegäste im Sommerbad Olympiastadion Berlin (Quelle: dpa)

Bäder-Betriebe entwickeln neues Konzept - 14 Berliner Bäder stehen offenbar auf dem Prüfstand

Neu bauen statt überholen: Der neue Chef der Berliner Bäder-Betriebe, Ole Bested Hensing, will in Sachen Schwimmbäder einen Kurswechsel in der Hauptstadt erreichen. Bisher beharrt der Berliner Senat auf den Erhalt aller 37 Bäderstandorte, notfalls durch Sanierung. Hensing will dagegen an fünf Standorten neue Bäder errichten lassen - und andere dafür abschaffen.

Der Chef der Berliner Bäder-Betriebe, Ole Bested Hensing, hält einen Erhalt aller derzeitigen Bäderstandorte in Berlin nicht für sinnvoll. Nach Angaben der "Berliner Morgenpost" will Hensing an fünf Standorten neue Bauten errichten lassen. 14 marode Bäder stünden dafür auf dem Prüfstand.

Dem Bericht zufolge sollen die fünf neuen Kombi-Bäder an zentralen Standorten Hallen- sowie Freibad besitzen, Rutschen, Sprungtürme, Gastronomie und Wellnessbereich. 100 Millionen Euro seien dafür erforderlich. Im Gegenzug sollten 14 dringend sanierungsbedürftige Schwimmbäder geschlossen werden.

Aufsichtsrat soll Pläne am 6. September bekommen

Hensing hatte am Mittwoch auch im rbb angekündigt, dass die Bäder-Landschaft in der Hauptstadt attraktiver werden solle. Neben der Sanierung einiger Bäder seien auch Neubauten geplant. Man müsse schauen, ob man gemeinsam mit der Politik einen Weg finde, an mehreren Standorten neue Anlagen zu errichten.

Dafür könnte man ein paar alte Bäder schließen. Er sei überzeugt, dass sich das Vorhaben finanziell realisieren lasse. Am 6. September werde man dem Aufsichtsrat einen entsprechenden Plan vorlegen.

Die Bäderbetriebe stehen unter großem wirtschaftlichen Druck. Sie verlieren seit Jahren Besucher. Gleichzeitig muss der Senat mehr als 40 Millionen Euro pro Jahr als Zuschuss gewähren, damit der Badebetrieb aufrechterhalten wird.

Der Fraktionschef der Berliner SPD, Raed Saleh (Bild: dpa)
Raed Saleh, Fraktionschef der SPD im Berliner Abgeordnetenhaus

Kritik von SPD und Linken

SPD und Linke in Berlin haben den Vorschlag von Bäderchef Hensing kritisiert. SPD-Fraktionschef Saleh sagte am Donnerstag, die Kiezbäder würden für den Schul- und Vereinssport genauso gebraucht wie für Senioren oder Familien, die gerne das Schwimmbad um die Ecke nutzen wollten. Zudem seien im laufenden Doppelhaus zehn Millionen Euro für die Sanierung bereitgestellt und die Zuschüsse um sechs Millionen erhöht worden.

Die Linken-Abgeordnete Gabriele Hiller warnte die Bäderbetriebe davor, den politischen Konsens zu verlassen, "in Berlin keine Bäder zu schließen".

Kritik gab es zudem auch von Innensenator Frank Henkel (CDU). "Ich habe den neuen Vorstand zwar ermuntert, sich ohne Denkverbote eigene Überlegungen zum künftigen Betrieb der Bäder zu machen. Damit ist jedoch nicht verbunden, Konzeptentwürfe, die weder im Aufsichtsrat diskutiert, noch vom Aufsichtsrat genehmigt wurden, bereits öffentlich zu machen", sagte er am Donnerstag. Er ist auch Vorsitzender des Aufsichtsrats. Dieser werde sich erst am 6. September mit den Ideen des neuen Vorstands befassen.

Mehr zum Thema

Das Freibad Pankow von oben (Bild Imago)

Nach Tumulten in Pankow - Streit über Freibad-Einlass wird politisch

Jetzt erreicht der Vorfall sogar das Abgeordnetenhaus: Das Freibad Pankow hat am Wochenende nur Familien hineingelassen, weil junge Männer zuvor einen Bademeister angegriffen hatten. Nun hat auch der Bezirksbürgermeister diese Entscheidung der Bäderbetriebe kritisiert. Der Sportausschuss soll die Maßnahme beurteilen.