Polizisten und Kriminaltechniker vor dem Haus, in dem der Steuerberater erschossen wurde (Bild: dpa)

Verwirrung um Schmauchspuren - Schüsse auf Steuerberater geben weiter Rätsel auf

Wer hat den Steuerberater in Berlin-Westend erschossen? Diese Frage ist drei Wochen nach der Tat immer noch nicht geklärt, einen dringenden Tatverdacht gibt es weiterhin wohl nicht. Auch eine Untersuchung auf Schmauchspuren brachte kein eindeutiges Ergebnis.

Vor drei Wochen wurde in Berlin-Westend ein Steuerberater in seinem Büro erschossen - und noch immer sucht die Polizei nach dem Täter, der Waffe und einem Motiv.

Im Verdacht standen zunächst die Söhne des 49-Jährigen. Die beiden - 16 und 18 Jahre alt - waren nach der Tat festgenommen, dann aber wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft begründete die damalige Beweislage keinen dringenden Tatverdacht.

Schmauchspuren oder nicht?

Und auch ein neues Gutachten hat bisher kein eindeutiges Ergebnis geliefert. Die bislang durchgeführte Schmauchspurenuntersuchung habe kein eindeutiges Ergebnis erbracht, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag dem rbb. Daher dauerten die Ermittlungen und weitere kriminaltechnische untersuchungen an. Die Frage, ob es die beiden Söhne des Steuerberaters waren, die auf Schmauchspuren überpruft wurden, wollte der Polizeisprecher nicht beantworten.

Zuvor hatte es geheißen, im Zusammenhang mit den Untersuchungen seien die beiden Söhne untersucht worden. Dabei waren keine Schmauchspuren der Schüsse bei ihnen entdeckt worden, sagte ein Polizeisprecher zuvor.

"Schwache Schmauch-Rückstände"

Dem widersprach allerdings ein Ermittler. Er hatte der "Bild"-Zeitung gesagt, dass doch Spuren an den Händen der beiden Jugendlichen gefunden worden seien, allerdings nur schwache. Und zwar so schwach, "dass nicht ohne Weiteres auf eine unmittelbare Schussabgabe geschlossen werden kann".

Schmauchspuren können über längere Zeit an der Kleidung und der Hand eines Schützen nachgewiesen werden. Doch immer wieder gibt es Personen, die mit Schmauch kontaminiert waren und nicht geschossen hatten. Die Spuren wurden dann beispielsweise durch Polizisten übertragen.

Die "Berliner Morgenpost" berichtete, dass den Söhnen bei der Festnahme keine Papiertüten über die Hände gezogen worden seien. Das hätten Augenzeugen berichtet. Das ist normalerweise üblich, um die Beweise, also kleine Partikelrückstände möglicher Schüsse, später nachweisen zu können.

Angestellten wollen jungen Mann erkannt haben

Die Umstände der Tat liegen noch immer im Dunkeln. Vor ein paar Tagen hieß es, es lägen "eine Handvoll" Hinweise zu dem Verbrechen vor. In Gegenwart von drei Angestellten hatte ein Unbekannter auf den Notar geschossen, er starb wenig später im Krankenhaus an seinen Verletzungen. Die Angestellten hätten den mutmaßlichen Täter als jungen Mann beschrieben.

Unklar sind auch mögliche Konflikte in der Familie des Opfers. So wurde immer wieder berichet, dass sich der Mann von seiner Frau getrennt haben soll. Die Behörden äußerten sich allerdings nicht dazu.