
Zwölf Jahre Gefängnis für zwei "Hells Angels" - Haftstrafen nach Messerangriff im Rockermilieu
Immer wieder kommt es in Brandenburg zu Angriffen konkurrierender Rockergruppen. Für zwei Hells-Angels-Mitglieder endet eine Messerattacke nun im Gefängnis - sie wurden vom Landgericht Potsdam wegen einer Messerattacke zu langen Haftstrafen verurteilt.
Nach einer Messerattacke im Rocker-Milieu hat das Landgericht Potsdam am Donnerstag zwei Angehörige der Hells Angels wegen versuchten Mordes verurteilt. Die 30 und 23 Jahre alten Männer sollen für zwölf Jahre beziehungsweise zwölf Jahre und drei Monate in Haft. Der Jüngere muss außerdem wegen anderer Taten eine weitere Gesamtstrafe von vier Jahren verbüßen. Zudem sollen die Männer rund 22.000 Euro an das Opfer zahlen. Ein weiterer Mitangeklagter wurde mangels Beweisen freigesprochen. Dem Mann steht eine Entschädigung für die rund einjährige Untersuchungshaft zu.
Die Verurteilten hatten Ende 2011 einen Rocker des konkurrierenden Clubs MC Gremium in Königs Wusterhausen niedergestochen. "Es war ein Racheakt und eine Machtdemonstration", sagte Richter Frank Tiemann am Donnerstag. Das Opfer hatte den Präsident des "Hells Angels Motorradclubs Oder-City" beleidigt.
Attacke hat Attacke in Königs Wusterhausen ausgelöst
Die Messerattacke gilt als Auslöser für einen Angriff von Rockern auf einen unbeteiligten 16-Jährigen am Silvesterabend 2011 vor einer Diskothek in Königs Wusterhausen. Rocker hatten den Jugendlichen fast zu Tode geprügelt, weil sie ihn für ein Mitglied der Hells Angels hielten. Dieser Fall beschäftigt das Landgericht Cottbus. Dort müssen sich vier Männer unter anderem wegen versuchten Mordes verantworten.
Aus Sicht der Behörden war dieser Angriff der bisherige Höhepunkt der Gewalteskalation zwischen den verfeindeten Rockerclubs in Brandenburg. Anfang Juli schaltete sich Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) ein: Er verbot die Rockergruppe "Regionalverband Gremium Motorcycle Club (MC) Sachsen", weil sich diese über Landesgrenzen hinweg auch auf Brandenburg konzentrierte. Gleichzeitig löste das Innenministerium in Potsdam zwei Gruppierungen der Hells Angels auf. Ihnen werden zahlreiche Straftaten vorgeworfen, darunter Körperverletzung, Geiselnahme, Erpressung und Betrug.

Verteidiger sprechen von Exempel
Aus Sicht der Verteidiger ist das Potsdamer Urteil politisch motiviert. "Die Richter wollten ein Exempel statuieren", sagte Anwalt Stefan Tierel am Donnerstag.
Das heute 27 Jahre alte Opfer hatte die Männer anhand ihre auffälligen Tätowierungen im Gesicht beziehungsweise am Hals erkannt. Die Potsdamer Richter stützten ihr Urteil im wesentlichen auf dessen Angaben. Die Aussage des Gremium-Rockers sei glaubwürdig, so Richter Tiemann. Er hatte auch zur Überraschung der Polizei umfassend ausgesagt. "Er war sichtlich bemüht, reinen Tisch zu machen", meinte Tiemann. Das Opfer befindet sich im Zeugenschutzprogramm und hat eine neue Identität erhalten.


