
Nach Razzia in Wedding - Haftbefehle nach Rekord-Drogenfund erlassen
Es war einer der größten Drogenfunde in Berlin: Heroin im Wert von einer halben Million Euro, verpackt in 1.100 kleinen Kügelchen. Nach der Razzia wurden nun Haftbefehle gegen drei Festgenommene erlassen. Der mutmaßliche Kopf der Bande ist jedoch noch auf der Flucht.
Nach der Heroin-Razzia in Berlin-Wedding sind gegen drei Festgenommene Haftbefehle erlassen worden. Nach dem mutmaßlichen Kopf der kriminellen Gruppe werde hingegen weiter gefahndet, sagte ein Polizeisprecher am Freitag. Er sei weiter auf der Flucht. 50 Beamte hatten am Mittwoch bei dem Einsatz mehr als drei Kilogramm Heroin im Wert von einer halben Million Euro entdeckt.
Unter den 19 bis 50 Jahre alten Männern, gegen die am Donnerstag Haftbefehle erlassen wurden, ist den Angaben zufolge auch der Fahrer, der das Rauschgift zu einem Versteck im Treptower Park bringen sollte. Auf freien Fuß kam hingegen ein 18-Jähriger, der bei der Razzia ebenfalls festgenommen worden war. Ein vierter Mann sei bereits im Vorfeld des Einsatzes in Wedding verhaftet worden. Der flüchtige mutmaßliche Bandenchef ist Jahrgang 1979.
Größter Fund an Rauschgiftkügelchen in Berlin
Ein Teil der entdeckten Drogen war in 1.100 Heroin-Kügelchen verpackt, die nach Angaben des Landeskriminalamtes innerhalb eines Tages im Treptower Park verkauft werden sollten. Eine so große Menge an Rauschgift-Kügelchen sei bislang in Berlin noch nie gefunden worden.
Zwar hätten die Ermittler schon Heroin in insgesamt größeren Mengen entdeckt - zum Beispiel vier Kilogramm, die in diesem Frühjahr aus den Niederlanden nach Berlin transportiert worden seien. Der jetzige Fund der vielen grün-gelben Drogen-Kügelchen sei aber etwas Besonderes, betonte Thorsten Kleinert, Dezernatsleiter im Landeskriminalamt (LKA). Kleinert steht an der Spitze einer 30-köpfigen Abteilung des Landeskriminalamts (LKA), die sich mit bandenmäßigem Handel von Heroin und Kokain in öffentlichen Verkehrsmitteln und in Parks beschäftigt.
Das LKA präsentierte Kugeln in einzelnen Tüten, aber auch größere Pakete Heroin, die den Angaben zufolge nicht aktuell verkauft werden sollten. Auf dem Rauschgift sollen nun DNA-Spuren und Fingerabdrücke gesichert werden.
Die Polizei ermittelt wegen des gewerbsmäßigen Handels von Rauschgift. Außerdem wird geprüft, ob es sich bei der Gruppe um eine Bande handelt.
"Der Heroinhandel in Berlin ist gut organisiert"
Die Polizisten waren am frühen Mittwochmorgen gegen 4 Uhr in die Wohnung in Wedding eingedrungen. Dabei stellten sie die Drogen sicher und nahmen fünf Personen fest. Den Name des Mannes, der mutmaßliche der Kopf der Gruppe ist und nach dem noch gefahndet wird, kenne man. Ihn zu fassen sei eine "Frage von Tagen", hieß es.
Die rund 50 Ermittler schlugen in der Weddinger Wohnung zu, als ein Verdächtiger das Rauschgift abtransportieren wollte, um es in Verstecken - sogenannten Bunkern - zu lagern. "Wir wussten, wer der Belieferer ist", sagte Dezernatsleiter Thorsten Kleinert.

Die aktuelle Razzia sei das Ergebnis monatelanger Ermittlungen, erklärte Kleinert. Die Beamten hätten es auf eine Gruppe mit mehr als zehn Mitgliedern abgesehen. Die Festgenommenen seien zwischen 19 und 50 Jahre alt, der flüchtige Mann Jahrgang 1979.
"Der Heroinhandel in Berlin ist gut organisiert", sagte Kleinert. "Die Täter sind fast ausschließlich Libanesen." Meistens seien es Banden. Bis zu 15 Gruppen handelten vor allem mit Heroin. 90 Prozent der Täter nutzten den öffentlichen Nahverkehr, um in Parks oder im Umfeld von Haltestellen die Heroin-Kugeln in Sekundenschnelle zu verkaufen - und um ihre Standorte wechseln zu können, wenn Polizisten auftauchen. Die Kugeln würden im Mund aufbewahrt und geschluckt, sollten Beamte erscheinen. "Wir sind an vielen Gruppierungen dran", sagte Kleinert. 2012 seien fast zwölf Kilo Heroin in Berlin sichergestellt worden.
Heroin ist in Berlin sehr billig
Nach Angaben des Landeskriminalamtes gibt es in Berlin 8.000 bis 10.000 Heroinabhängige. Die Konsumenten kaufen demnach das Rauschgift von den Händlern abgepackt in Kugeln. Die illegale Transaktion findet oft in Parks statt. Kleine Kugeln enthalten bis zu 0,3 Gramm Heroin und werden für zehn Euro verkauft. Bei größeren Kugeln gilt jeweils das Doppelte. In Berlin sind die Preise laut LKA niedrig.
Das Heroin kommt häufig aus Afghanistan und Nordindien über die Türkei und die Niederlande nach Deutschland. Das Rauschmittel wird oft mit Backpulver, aber auch mit dem Schmerzmittel Paracetamol gestreckt. Es sei auch schon Salzsäure benutzt worden, hieß es. Das Revier der Gruppe, auf die es die Ermittler bei der aktuellen Razzia abgesehen hatten, sei im östlichen Teil Berlins, zum Beispiel an einer Grünanlage am S-Bahnhof Grünau und rund um den Betriebsbahnhof Rummelsburg.
Für die Drogenbanden in Berlin wird es immer ungemütlicher. Erst am Donnerstagabend ging die Berliner Polizei mit einer Razzia gegen Drogendealer im Görlitzer Park in Kreuzberg vor. Dabei wurden 80 Beamte mit Hunden eingesetzt. Es gab 19 Platzverweise und sechs Festnahmen. Dabei wurden auch Betäubungsmittel sichergestellt.


