
"Ausdruck von Hilflosigkeit" - Herrmann kritisiert Razzien im Görlitzer Park
Wieder hat die Polizei den als Drogenverkaufsplatz bekannten Görlitzer Park in Kreuzberg durchkämmt, und wieder kam es zu Festnahmen und Anzeigen. Bezirksbürgermeisterin Herrmann jedoch bezweifelt, dass diese Aktionen der Polizei tatsächlich das Drogenproblem im "Görli" lösen können.
Die Großrazzien gegen Drogendealer im Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg bringen nach Einschätzung von Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) nicht den gewünschten Erfolg. "Bisher wurden die Drogenverkäufer und -käufer nicht durch die Razzien aus dem Park vertrieben. Das wird auch nach den jüngsten beiden Polizeieinsätzen nicht der Fall sein", sagte die Bürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg am Freitag der Nachrichtenagentur dpa.
Sie sehe darin "auch einen Ausdruck von Hilflosigkeit" von Polizei und Innensenator Frank Henkel (CDU), sagte Herrmann. Jetzt sei Bundestagswahlkampf, und Henkel habe sich den Bezirk Kreuzberg ausgesucht, "um echte Stärke zu demonstrieren", sagte die Grüne.

"Der Innensenator erhöht den Druck auf das Flüchtlingscamp am Oranienplatz, das er am liebsten aufgelöst sähe, und er veranlasst mehrere Drogenrazzien am Görlitzer Park." Vermutlich sei es kein Zufall zu einem Zeitpunkt, an dem im Bezirk alternative Lösungen zum Drogenproblem im Görlitzer Park wie die Einrichtung eines Coffeeshops diskutiert werden, sagte Herrmann. "Unsere Erfahrungen in der Vergangenheit zeigen, dass die Drogenrazzien nicht zum gewünschten Ziel führen. Die Festgenommenen sind längst wieder auf freiem Fuß, und die Verkäufer- wie Käuferstruktur bleiben im Park erhalten."
Henkel will im Gegensatz zu Herrmann das Drogenproblem mit einen "hohen polizeilichen Aufwand" in den Griff bekommen. Im Juli gab es mehrere Razzien in dem Park. Zuletzt hatte die Polizei am Donnerstag zwei mutmaßliche Drogendealer festgenommen. Insgesamt habe es sieben Anzeigen gegeben, sagte ein Polizeisprecher am Freitag. 75 Polizisten sicherten die Kontrollen.

Demo gegen "rassistische Polizeigewalt"
Rund 50 Beamte waren fast zeitgleich in der Nachbarschaft im Einsatz. Sie begleiteten eine Demonstration gegen die Razzien der vergangenen Tage. Etwa 100 Aktivisten protestierten gegen die aus ihrer Sicht rassistischen Polizeikontrollen im Görlitzer Park.
Teilnehmer hielten Plakate, auf denen etwa "Polizei - weder Freund noch Helfer" oder "Angst vor der Polizei" stand. Nach Angaben eines Polizeisprechers verlief die Kundgebung weitgehend friedlich. Vorab hatte die Vereinigung "Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt" in einer Mitteilung beklagt, dass Razzien und Kontrollen in dem Park vermehrt Menschen schwarzer oder anderer nicht-weißer Hautfarbe träfen.
Anwohner beklagen zunehmende Verrohung
Der Görlitzer Park gilt als eine Hochburg des Drogenhandels in Berlin. Wie Anwohner meinen, haben sich die Zustände in den vergangenen Wochen jedoch weiter verschlimmert. "Da möchte man mit einem Kind einfach nicht mehr sein", sagte eine junge Mutter dem rbb.
Eine andere Anwohnerin erklärte, vor einigen Jahren seien es noch vereinzelte Dealer an den Ausgängen des Parks gewesen. Inzwischen seien es bis zu hundert am Tag. Für viele Menschen sei das nicht mehr zu ertragen.
Betroffen ist auch der Kinderbauernhof am Görlitzer Park. Dort wurde kürzlich ein Mädchen von einem Dealer umgerannt, der vor der Polizei auf der Flucht war. Später fand das Kind auch noch Drogen, die der Mann hatte fallenlassen.
Bezirksbürgermeisterin spricht sich für Coffeeshop am "Görli" aus
Am Mittwoch hatte Herrmann sich dafür ausgesprochen, am "Görli" einen so genannten Coffeeshop einzurichten. Angesprochen auf die dortige Dealer-Problematik, sagte Herrmann dem rbb, sie unterstütze in dieser Frage die Linie ihres Vorgängers Franz Schulz (Grüne).
Wörtlich sagte Herrmann: "Ich glaube, es ist inzwischen in der Stadt klar, dass wir nicht einfach mit einer Hundertschaft da reingehen, einmal kurz aufräumen und nochmal kurz aufräumen und das Thema hat sich erledigt - so wird es nicht sein." Andere Lösungen - wie etwa einen Coffeeshop zu eröffnen - finde sie richtig, so Herrmann. Diesem Vorschlag von Schulz schließe sie sich an.
In Coffeeshops nach niederländischem Vorbild werden weiche Drogen wie Cannabis und Marihuana legal zum Kauf angeboten. Schulz hatte eine solche kontrollierte Verkaufsstelle vorgeschlagen, um das Dealer- und Razzienproblem in den Griff zu bekommen. Bisher ist der Handel und Kauf von weichen Drogen in Deutschland strafbar. Nach Ansicht Herrmanns gibt es aber rechtliche Möglichkeiten, Coffeeshops auch in Deutschland einzurichten. Diese lasse sie jetzt prüfen. Der Görlitzer Park ist neben der Hasenheide einer der größten illegalen Drogen-Umschlagplätze in Berlin.




