Polizeibeamte untersuchen am 28.06.2013 einen Tatort am Neptunbrunnen vor dem Roten Rathaus in Berlin (Quelle: dpa)

Polizist tötete psychisch kranken Mann - Ermittlungen nach Todesschuss am Neptunbrunnen eingestellt

Der tödliche Schuss eines Polizisten auf einen psychisch kranken Mann war laut Staatsanwaltschaft gerechtfertigte Notwehr. Mit diesem Ergebnis hat sie die Ermittlungen gegen den Polizisten eingestellt.

Die Berliner Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen den Polizisten eingestelllt, der den tödlichen Schuss auf einen psychisch kranken Mann im Neptunbrunnen abgegeben hat. Es habe sich um gerechtfertigte Notwehr gehandelt, sagte ein Sprecher am Freitag.

Der Polizist war Ende Juni zu dem Mann in den Brunnen vor dem Roten Rathaus gestiegen, nachdem sich dieser mit einem Messer selbst verletzt hatte. Daraufhin ging der 31-Jährige mit dem Messer auf den Polizisten los.

Der Beamte feuerte einen Schuss ab. Der 31-Jährige erlitt einen Lungendurchschuss und starb.

Opfer nahm Drogen

Der Mann sei hochaggressiv gewesen, hieß es während der Ermittlungen von Seiten der Staatsanwaltschaft. Zudem habe er unter schizophrenen Störungen gelitten. Ein toxikologisches Gutachten ergab , dass der 31-Jährige exzessiv Cannbis konsumierte. Auch wurden Spuren von synthetischen Aufputschmitteln im Blut des Toten festgestellt.

Das Vorgehen des Polizisten - insbesondere der Bauchschuss - hatte eine Debatte um die Rechtmäßigkeit des Einsatzes ausgelöst. Polizeipräsident Kandt sagte, ein Schuss ins Bein bedeute nicht, dass derjenige angriffsunfähig sei. "Geht es um Ihr Leben oder sind Sie in einer Notwehrsituation, muss man auch in den Oberkörper schießen können."

Die Mordkommission des Berliner Landeskriminalamts ermittelte gegen den Polizisten wegen Totschlags.

Handyvideo vom Todesschuss am Neptunbrunnen (Bild Abendschau/Internet)
Im Internet kursiert ein Videomitschnitt des tödlichen Polizeieinsatzes.

Amateur-Video löste Debatte um Schützen aus

Der Vorfall hatte in Berlin für Aufsehen gesorgt, nachdem ein Amateur-Video von dem Polizei-Einsatz am Neptunbrunnen auf der Internet-Plattform Youtube und im sozialen Netzwerk Facebook veröffentlicht wurde.

In dem Video ist unscharf zu sehen, wie der nackte Mann im Neptunbrunnen rasch auf den ebenfalls im Brunnen stehenden Polizisten zugeht. Der Uniformierte hat eine Waffe auf den Mann gerichtet und weicht vor ihm zurück auf den Rand des Brunnens zu. Jemand ruft zweimal "Messer weg!", dann fällt ein Schuss. Der Polizist stolpert aus dem Brunnen, der Nackte strauchelt und sackt schließlich zusammen.

Verschiedene Medienpolitiker zeigten sich nachher empört, ein solches Video dürfe nicht gepostet werden. Auch Polizeigewerkschafts-Chef Pfalzgraf äußerte sich damals kritisch zu der Video-Verbreitung: "Es ist zwar zum einen ein Beweismittel. Zum anderen kann es aber auch ganz schnell, egal in welche Richtung das geht, zu einer Vorverurteilung führen."

Nach der Veröffentlichung des Videos diskutierten viele Internetnutzer über den Einsatz. Viele kritisierten den Schützen - vor allem, dass er auf den Brustkorb und nicht die Beine gezielt habe.