Andreas Knieriem steht für Fotoaufnahmen neben einem Elefanten (Quelle: dpa)
Video: Agnes Taegener, Abendschau | 19.09.2013

Knieriem folgt auf Blaszkiewitz - Neuer Zoo-Direktor will beide Berliner Standorte erhalten

Die Wahl des Münchner Zoo-Direktors, Andreas Knieriem, zum neuen Chef der Berliner Zoos ist auf ein positives Echo gestoßen. Der 48-Jährige wird den umstrittenen Zoo-Direktor Bernhard Blaszkiewitz ablösen. Im rbb kündigte Knieriem am Freitag an, beide Standorte, den Zoo und den Tierpark Friedrichsfelde, zu erhalten.

Einen Tag nach seiner Bestellung zum künftigen Zoo-Direktor in Berlin hat Andreas Knieriem angekündigt, beide Berliner Zoo-Standorte, den Zoologischen Garten im Westteil der Stadt und den Tierpark in Friedrichsfelde, zu erhalten.

Ihm sei wichtig, dass beide Einrichtungen nebeneinander bestehen bleiben und ihre Wertigkeit und Wichtigkeit für die Zukunft erhalten, sagte Knieriem am Freitag dem rbb. Es werde eine eigenständige Vision für den Tierpark geben und eine eigenständige Weiterentwicklung des Zoos

Von besonderer Bedeutung seien die großen Flächen im Tierpark, hob der künftige Zoochef hervor. Er könne sich durchaus vorstellen, auch in Berlin neue Erlebniswelten wie in Hannover oder Leipzig zu schaffen, so Knieriem. Wichtig sei, die Besucher für das Thema Tier und Natur zu begeistern.

Frühestens im Januar will Knieriem nach Berlin wechseln

Die Freunde des Berliner Hauptstadtzoos freuen sich über Andreas Knieriem als zukünftigen Chef der Berliner Zoos. Mit dieser Entscheidung habe der Aufsichtsrat die Weichen für die Zukunft von Zoo und Tierpark gestellt, so der Vorsitzende des Vereins, Thomas Ziolko, laut einer Mitteilung. Knieriem sei bekannt für die Förderung von Artenschutz und Bildung.

Am Donnerstag hatte der Zoo mitgeteilt, dass Knieriem vom Münchner Tierpark Nachfolger des umstrittenen Bernhard Blaszkiewitz werden wird. Die Entscheidung fiel in einer Sitzung des Aufsichtsrats. Mindestens bis zum Jahresende wird Knieriem aber noch im Tierpark Hellabrunn bleiben: "Das Geschäftsjahr möchte ich erst einmal abschließen", sagte der designierte Zoo-Chef. Er werde mit dem Aufsichtsrat von Hellabrunn aber über einen zügigen Wechsel sprechen.

Positive Reaktionen auch in der Politik

"Das ist das Klügste, was der Aufsichtsrat machen konnte", sagte auch die Grünen-Abgeordnete Claudia Hämmerling. Knieriem sei für seinen guten Umgang mit Menschen bekannt. "Was ich mir wünsche, ist, dass er gut mit den Tierschützern der Stadt zusammenarbeiten wird."

"Insbesondere vor dem Hintergrund der gestiegenen Ansprüche und Notwendigkeiten an die dringend benötigte Modernisierung des Tierparks ist die Entscheidung für Knieriem folgerichtig", hieß es in einer Mitteilung der CDU-Fraktion. "Er hat bereits im Zoo Hannover und im Zoo München nachgewiesen, dass er wichtige Management- und Personalführungsqualitäten mitbringt."

Auch in Berlin hat Knieriem studiert

Knieriem ist Veterinärmediziner und hat seine Karriere 1988 als wissenschaftlicher Assistent im Duisburger Zoo begonnen. Sein Studium hat der heute 48-Jährige unter anderem auch in Berlin absolviert. Seine Doktorarbeit trägt den Titel "Vergleichende histopathologische Untersuchungen an Atlantischen Weißseitendelphinen – ein Beitrag zur Todesursache von Delphinen beim sogenannten Beifang".

Seit 2009 ist Knieriem beim Münchner Tierpark Hellabrunn beschäftigt. Bis Januar 2011 war er dort Zoologischer Direktor und Vorstandsvorsitzender, seit Juli 2011 ist er alleiniger Vorstand.

"Ich freue mich sehr auf die neuen Herausforderungen", sagte Knieriem laut Mitteilung des Zoos. "Zusammen mit der Belegschaft beider Institutionen werden wir die Visionen für Zoo und Tierpark Berlin erarbeiten und umsetzen und die Herausforderungen der Zukunft meistern."

Knieriem hat auch eine persönliche Bindung zur Hauptstadt: Er ist mit einer Berlinerin verheiratet. Das Paar hat eine Tochter. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Frank Bruckmann, betonte, Knieriem genieße einen exzellenten Ruf unter den europäischen Zoodirektoren.

Bisheriger Zoo-Chef hatte keine Lobby mehr

Der bisherige Zoo-Chef Blaszkiewitz war in den vergangenen Jahren immer wieder in die Kritik geraten. Wiederholt waren ihm ein harscher Umgang mit Mitarbeitern und zuletzt Frauenfeindlichkeit vorgeworfen worden.

Anfang des Jahres war bekanntgeworden, dass Blaszkiewitz in internen Schreiben vor die Namen von Mitarbeiterinnen die Formel "0,1" gesetzt hatte. Diese steht in der Zoo-Welt für "Weibchen", bei einigen Arten auch für "Zuchtstuten".

Anfang August hatte der Aufsichtsrat der Zoo AG mitgeteilt, dass Blaszkiewitzs Vertrag, der Ende Juni 2014 ausläuft, nicht verlängert wird. Ob er seine Stellung nun auch bis dahin behalten soll, wollte die Sprecherin des Zoos, Claudia Bienek, zunächst nicht sagen.

Blaszkiewitz leitete den Tierpark seit 1991, seit 2007 war er zudem Chef des Berliner Zoos.

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