Schwarzmund-Grundel (Quelle: imago)

Aggressive Einwanderer aus dem Schwarzen Meer - Erste Schwarzmund-Grundeln in der Oder aufgetaucht

Sie sind nur zehn Zentimeter lang und könnten doch das gesamte Ökosystem der Oder durcheinanderbringen: Bei Schwedt wurden im Flusswasser die ersten Schwarzmund-Grundeln entdeckt. Die aus dem Schwarzen Meer stammenden Fische sind berüchtigt für ihr Vermehrungsfreudigkeit und gelten als Laichräuber und Nahrungskonkurrenten für heimische Fische. Einmal angekommen, könnten sie sich rasant vermehren.

Im brandenburgischen Nationalpark Unteres Odertal wurde eine in der Region bisher unbekannte Fischart entdeckt. Ein Exemplar der ursprünglich aus dem Schwarzen Meer stammenden Schwarzmund-Grundel sei in der vergangenen Woche einem Fischer als Beifang ins Netz gegangen und werde derzeit in einem Aquarium im Nationalparkhaus in Criewen bei Schwedt gezeigt, teilte das Umweltministerium am Freitag in Potsdam mit.

Schwarzmund-Grundeln (Quelle: dpa)
Sie sehen eigentlich ganz harmlos aus: Die Schwarzmund-Grundeln.

Sie heften ihre Eier an den Rumpf von Schiffen

Fischern und Artenschützern bereitet das Auftauchen der Fische aus Osteuropa Sorge. Die eingeschleppten Tiere haben in der Oder noch keine natürlichen Fressfeinde und sind selbst sehr gefräßig. Außerdem vermehrt sich der Fisch schnell und steht im Verdacht heimische Fischarten zu verdrängen. Laut Ministerium gehört die Art in die Liste der 100 "schlimmsten" gebietsfremden Arten Europas, deren Ausbreitung mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt wird.

In die märkischen Gefilde sind die Fische vermutlich über Ballastwassertanks von Schiffen gelangt. Die Grundeln heften ihre Eier an den Rumpf von Schiffen und überwinden so weite Entfernungen. Sie könnten aber auch über den Main-Donau-Kanal eingewandert sein. "In Rhein und Donau sind Grundeln schon massiv vertreten. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie hier auftauchen", erklärte Uwe Brämick, Leiter des Institutes für Binnenfischerei bei Potsdam. Mittlerweile seien die Grundeln im Nord-Ostsee-Kanal und auch in der Elbe gesichtet worden.

Nun ist die Sorge groß, dass sie zur Gefahr für heimische Fischarten werden. Die etwa zehn Zentimeter kleine Fischart kommt mit menschlich geprägten Lebensräumen wie begradigten Ufern gut zurecht und hat dadurch einen Wettbewerbsvorteil. Die Nationalparkverwaltung und das Binnenfischerei-Institut fahndet nun nach der Art, die sich aggressiv vermehren und damit das ökologische Gleichgewicht der Gewässer durcheinanderbringen könnte. Wer Schwarzmund-Grundeln fängt, wird gebeten, diese zu melden.

Mehr zum Thema

Kormoran im Wasser mit erbeutetem Fisch im Schnabel (Quelle: imago)

Brandenburger Fischereitag - Fischer zufrieden mit Kormoran-Regelung

Brandenburgs Fischer freuen sich über die neue Fischereiverordnung. Denn danach dürfen sie weiterhin Kormorane abschießen, die sie als Konkurrenten um die Fischbestände betrachten. Eigentlich ist der Kormoran geschützt, die Landesregierung verlängerte aber kürzlich die Abschussgenehmigung. Kritikern geht die Regelung noch nicht weit genug.