
Berlin kocht gegen die Lebensmittelverschwendung - "In den Topf statt in die Tonne"
82 Kilo Essen wirft jeder Deutsche laut Statistik pro Jahr in die Tonne – zumeist Obst, Gemüse und Brot. Oft sind die Lebensmittel gar nicht verdorben. Nur das Haltbarkeitsdatum auf der Verpackung lief ab. Um einer solchen Verschwendung von Lebensmitteln entgegenzuwirken, hat sich Berlins Verbrauchersenator Thomas Heilmann (CDU) zu Beginn einer Veranstaltungsreihe selbst an den Herd gestellt. Von Max Vogelmann.
In weißer Schürze steht Berlins Verbraucherschutzsenator Thomas Heilmann (CDU) in der Küche des Kreuzberger Restaurants "Coledampf's and Companies" und pochiert sorgfältig Eier. Während er eines ins köchelnde Wasser gleiten lässt, erklärt er, was es bringt, bewusst mit Lebensmitteln umzugehen.

"Wenn Sie weniger wegwerfen, sparen Sie schon mal das Geld für die Lebensmittel, die sie nicht einkaufen“, sagt Heilmann. „Damit sie nichts wegwerfen müssen, können Sie weniger, bewusster einkaufen. Sie können aber auch andere Rezepte nutzen. Sie können die Lebensmittel zum Teil auch anders lagen. All dies kostet kein Geld."
Breite Kampagne gestartet
Unter dem Motto "In den Topf statt in die Tonne" will die Berliner Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz darauf aufmerksam machen, dass die Deutschen zu viele Lebensmittel wegwerfen.
Partner der Kampagne sind unter anderem der Hotel- und Gaststättenverband Berlin, die IHK, die Berliner Tafeln sowie die Lebensmittelketten Kaiser's Tengelmann. Letzterer hat auch die Zutaten für das Essen mit Senator Heilmann geliefert - fast alles sind Lebensmittel, die sonst aussortiert, an die Tafeln gegeben oder einfach weggeworfen würden. Zum Beispiel Eierpackungen, in denen ein Ei angebrochen ist, die anderen fünf aber noch in Ordnung sind.
Genug für 400 Leute
Insgesamt zwanzig Kisten voller Lebensmittel sind es, erklärt Sternekoch Markus Semmler. Damit hätte er für 400 Leute kochen können. "Es waren nur zwei oder drei Salate gammelig – alles andere waren eigentlich Topprodukte. Den Rest geben wir jetzt an die Berliner Tafeln weiter."
Ein Dreigänge-Menü für 30 Personen, aus Lebensmitteln, die ein Supermarkt wegwerfen würde – bei der Zubereitung ist außer Sterneköchen und dem Senator auch die Staatssekretärin Sabine Toepfer-Kataw dabei, die auch beim Bedienen hilft. Die CDU-Politikerin serviert den Hauptgang: "Es gibt Kartoffelsalat mit Feldsalat. Es gibt noch Sauerkraut und wir haben Kassler."

Der eigenen Nase trauen
Das Kasseler wurde allerdings frisch eingekauft - denn Fleisch verdirbt leicht und kann dann krank machen. Deshalb gilt hier ein Verbrauchsdatum, bis zu dem es spätestens gegessen werden sollte. Anders funktioniert das Mindesthaltbarkeitsdatum, erklärt Senator Heilmann: "Die allermeisten Lebensmittel sind gut genießbar, auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums. Das Joghurt kann man wahrscheinlich auch 14 Tage nach Ablauf noch essen. Einfach probieren!"
Die Lehre lautet also: Lieber der eigenen Nase trauen als der Zahl auf der Verpackung. Und aus Lebensmitteln, die noch gut sind, aber nicht mehr so lecker aussehen, kann man ganz einfach Salat, Suppe oder einen Eintopf machen.
