Foto: Jörg Moser-Metius (www.berlinwallexpo.de)

Besichtigung wieder möglich - DDR-Grenzwachturm am Potsdamer Platz restauriert

"Rundblickbeobachtungstürme" - so hießen im bürokratischen DDR-Deutsch die Wachtürme an der Berliner Mauer, der einst bestbewachten Grenze der Welt. Auf der DDR-Seite standen früher 200 dieser Türme. Kugelsicher und mit Schießscharten. Nur einer von ihnen ist bis heute erhalten - und dieser kann nun wieder besichtigt werden.

Dicht am Potsdamer Platz steht der letzte erhaltene Wachturm der Berliner Mauer. Seit einigen Tagen ist dessen Sanierung abgeschlossen. Er ist einer von ehemals 200, die errichtet wurden, um Menschen an der Flucht aus der DDR zu hindern. Sie waren rund um die Uhr von zwei Soldaten besetzt. Die pilzförmigen Türme bestanden aus einem schlanken runden Schaft, in dessen Inneren zwei eiserne Leitern in die achteckige Beobachtungskanzel führten: Der perfekte Ort, um den Grenzstreifen zu überwachen.

Heute ist nur noch ein sogenannter Rundblickbeobachtungsturm erhalten. Dieser wurde bereits 2001 unter Denkmalschutz gestellt, doch erst im vergangenen Jahr erwarb ihn Jörg Moser-Metius, Geschäftsführer der Berlin Wall Exhibition UG, vom Bezirksamt Berlin-Mitte und ließ ihn denkmalgerecht wiederherstellen: "Wir erfüllen das Bedürfnis nach Vermittlung authentischer Geschichte. Neben dem Turm plane ich eine Ausstellung zur Visualisierung der Mauer zwischen Potsdamer Platz und Brandenburger Tor."

Foto: Jörg Moser-Metius (www.berlinwallexpo.de)
Die alte Leiter im Wachturm.

Azubis lernten Geschichte während der Sanierung

An der Restaurierung des Turms waren Auszubildende des Berufsförderungswerks der Fachgemeinschaft Bau beteiligt: Sie übernahmen die aufwändige Sanierung der Betonteile. Für Andreas Koch-Martin, Geschäftsführer des Berufsförderungswerks, sind Projekte dieser Art in doppelter Hinsicht wertvoll für die Ausbildung seiner Azubis: "Die denkmalgerechte Sanierung eines solchen Bauwerks ist fachlich anspruchsvoll. Die jungen Leute müssen ihre Kompetenz sozusagen am lebenden Patienten beweisen. Gleichzeitig haben sie sich während des Projekts intensiv mit der jüngeren Geschichte Berlins und der deutsch-deutschen Teilung auseinandergesetzt."

Der Grenzwachturm am Potsdamer Platz kann täglich zwischen 14.00 und 18.00 Uhr besichtigt werden. Am Tag des offenen Denkmals am 7. und 8. September 2013 ist der Turm ganztägig geöffnet.