Sanierung neigt sich dem Ende zu - Glocken der Gedächtniskirche läuten wieder
Lange Zeit war der Alte Turm der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche hinter Aluminium- und Acrylplatten verborgen. Seit Juli fiel schrittweise das Gerüst. Jetzt läutete erstmals wieder das Glockenspiel im frisch sanierten Turm.
Die Zeit des Schweigens ist vorbei: Am Sonntag erklang zum ersten Mal nach rund drei Jahren das generalüberholte Glockenspiel der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Anlass war die Fertigstellung der Turm-Sanierung.
Spendeneinnahmen gingen zurück
Im Herbst 2010 wurde das markante Wahrzeichen West-Berlins eingerüstet und verschwand hinter einer Fassade aus Aluminium- und Acrylplatten. Statt einem Anti-Kriegs-Mahnmal sahen Touristen seitdem ein Bauwerk, dass an einen der vielen lieblosen Bürotürme in der Bundeshauptstadt erinnert. Seit Juli fiel das Gerüst in mehreren Abschnitten. Die oberen 35 Meter des Alten Turms sind bereits wieder zu sehen.
"Das ist auch symbolisch wichtig", sagt Gedächtniskirchen-Pfarrer Martin Germer. Durch die komplette Verhüllung der Turmruine seien die Spenden von Besuchern und Touristen, die die Kirche besuchen, um ein Viertel zurückgegangen. Niemand gebe gerne Geld für etwas, was er nicht sieht.
Zunächst wurden deshalb die obersten 20 Meter bis zum Säulenfries des alten Turmes abgebaut. "Damit wird der markant abgebrochene Turmhelm und die filigrane Architektur der Glockenstube wieder sichtbar", sagte Germer.
Zehn Mal mehr Steine ausgetauscht als anvisiert
Restarbeiten und Kontrollen werden sich dann noch weiter in den Herbst hinein erstrecken, sagt Bauleiter Raphael Abrell. Der Abbau der statisch besonders aufwendig konstruierten Sockelpartie des Gerüsts wird mit Rücksicht auf den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz erst Anfang 2014 erfolgen.
Die 4,2 Millionen Euro teure Sanierung des Alten Turms ist nach Aussage von Bauleiter Abrell ein "Potpourri aus Erhaltung und Erneuerung". Häufig haben die bis zu 20 Steinmetze auf der Baustelle mit einem Dominoeffekt zu kämpfen. Wurde ein Mauerquader herausgenommen, zeigten sich daneben und dahinter weitere Nässeschäden. "So mussten bisher bereits zehn Mal mehr Tuffsteine ausgetauscht werden als angenommen" sagt er.
Anders als bei der letzten Sanierung Mitte der 80er Jahre werden nur Tuffsteine aus dem rheinland-pfälzischen Weibern verwendet, woher auch schon die Originalsteine kamen.
Neben der Ausbesserung und Erneuerung des Mauerwerks wurden Mauervorsprünge und Abdeckungen neu mit Blei- und Kupferblech verkleidet, Dächer neu gebaut, die Elektroinstallation komplett erneuert und zum Teil die Regenentwässerung anders gestaltet. Die Beleuchtung der frisch vergoldeten Turmuhr erhielt statt störanfälliger Leuchtstofflampen sparsame LED-Lichter.
Podium wird neu gepflastert
Doch auch nach dem Ende der Sanierung bleibt die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche weiter Baustelle. Als nächstes großes Projekt ist das Umfeld der Kirche dran. Rund 2.500 Quadratmetern des sogenannten Podiums um die Kirche herum muss nach alten Vorlagen neu gepflastert werden. Dafür veranschlagt werden laut Gemeindepfarrer Germer rund 1,4 Millionen Euro.
Auch die Betonwaben des 1961 eingeweihten neuen Glockenturms sind wieder fällig. An vielen Stellen bröckelt der Beton und der Armierungsstahl schimmert durch.





