Ideale Wetterbedingungen -
Lecker bis tödlich: Hauptsaison für Pilzsammler
Schlaraffenland Brandenburg: Hier wächst das Essen regelrecht aus dem Boden hervor. Pilze haben gerade Hauptsaison, und dank ordentlich Niederschlag in letzter Zeit sagen Experten den Sammlern volle Körbe voraus. Aber Vorsicht: Manche Pilze kommen mit Risiken und Nebenwirkungen.
In Brandenburgs Wäldern hat die Hauptsaison für Pilzsammler begonnen. Der Regen der vergangenen Tage habe nach langer Trockenheit das Pilzwachstum gefördert, sagte Wolfgang Bivour, Vorsitzender des Brandenburgischen Landesverbandes der Pilzsachverständigen. "Jetzt lohnt es sich, mit dem Korb auf Suche zu gehen."
Auf der Webseite vom Brandenburgischen Landesverband der Pilzsachverständigen finden Sie Ansprechpartner rund um die leckeren Wald- und Wiesenbewohner mit Hut.
So sei in Nadelwäldern jetzt häufig die Krause Glucke zu finden,
auch Fette Henne genannt. "Von diesem Pilz, der wie ein Schwamm
aussieht und mehrere Kilogramm auf die Waage bringt, kann eine
vierköpfige Familie satt werden", meinte Bivour. Er habe diese
Exemplare jüngst im Wald bei Potsdam gesammelt. Sie wachsen meist an
alten Kiefernstümpfen und ernähren sich vom Holz.
Die günstige Witterung lasse auch Pfifferlinge und Maronen unter Bäumen sprießen, berichtete Bivour. "Das ist aber noch nicht der große Wurf." An manchen Orten wachse bereits jetzt der Hallimasch, der sonst erst im Oktober zu finden sei. "Auf Wiesen kann man viele Arten von Champignons finden." Ende September sei zudem verstärkt mit Steinpilzen zu rechnen.
"Die Pilze wachsen besonders gut, wenn es genug Feuchtigkeit im Boden gibt und eine herbstliche Wetterlage mit wenig Wind, viel Tau, Nebel und frostfreien Nächten." Die Hauptsaison dauere bis Ende Oktober, dann werde es zu kalt für die meisten Pilzarten. "Doch Maronen findet man auch noch im November."
Die App zum Pilz
Pilzführer für Smartphones
Ein Argument, auch in der Ruhe des Waldes das Handy dabeizuhaben: Die "Pilzführer"-App, mit der man die Hutträger identifizieren kann. Gibt es kostenpflichtig für iPhone und Android. Hinweis: Dort sind nicht alle Pilzarten verzeichnet und bei Unklarheiten sollten Sie den Pilz einfach stehen lassen.
Bivour warnte davor, bei Unsicherheit selbst gesammelte Pilze zu verzehren. "Der essbare Perlpilz kann zum Beispiel leicht mit dem giftigen Pantherpilz verwechselt werden", bemerkte er. "Der grün gefärbte Täubling gehört in die Pfanne, aber der Grüne Knollenblätterpilz kann ohne schnelle ärztliche Hilfe tödlich sein." Vorsicht sei auch beim Pilzkauf auf Märkten und von Händlern an Straßenrändern geboten.
Im Zweifelsfall sollte man sich bei einem der 29 märkischen Pilzsachverständigen Rat holen oder in einem Pilzbuch nachschauen, empfiehlt Bivour. "Niemand kennt alle 4.000 Pilzarten in Mitteleuropa, ich auch nicht." Allerdings gebe es zu wenige Pilzfachleute in den Kreisen Uckermark, Prignitz und Elbe-Elster. "Wir haben große Nachwuchssorgen."
Tipp
12.10.2013 - Drebkauer Pilzwanderung
Sie würden gerne Pilze sammeln aber nur ungern ihr Leben dabei aufs Spiel setzen? Dann empfehlen wir Ihnen die 9. Drebkauer Pilzlehrwanderung.
Wann: 12.10.2013 von 8-16 Uhr.
Wo: Anglerheim in 03116 Drebkau-Raakow, Lindenstraße 2.
Wer: Geleitet wird die Pilzlehrwanderung vom Sachverständigen Lutz Helbig.
Kosten: 3€ pro Person, Kinder bis 10 Jahre zahlen die Hälfte, dafür gibt es
eine selbst zubereitete Pilzpfanne.
Bitte auf geeignete Kleidung und Sammelutensilien achten.
Waldfrisch und golden: Pfifferlinge in einem Wald in Berlin. Die Wälder im Stadtgebiet, ob Grunewald, Spandauer Forst oder Wälder in Treptow-Köpenick, sind Orte, an denen Sammler auf ihre Kosten kommen.
Eine Vielzahl von Pilzarten gibt es in Brandenburg. Einer der rund 3.000 Pilzarten im Land ist die "Krause Glucke", auch Fette Henne genannt. Sie wachsen meist an alten Kiefernstümpfen.
Ohne Erfahrung und Wissen über Pilze sollten Spaziergänger lieber nicht in den Wald. Manche Speisepilze haben gefährliche Doppelgänger, so zum Beispiel der essbare Perlpilz (links im Bild). Leicht kann er mit dem giftigen Pantherpilz (rechts) verwechselt werden. Eins der Merkmale, die sie unterscheiden, sind ihre "Hutflocken". Beim Perlpilz sind sie grau oder rötlich, beim Pantherpilz weiß.
Noch ein gefährliche Doppelgänger: Der Wiesenchampignon (links im Bild) schmeckt zum Mittagessen, der grüne Knollenblättterpilz (rechts, Lamellen unter dem Hut sind immer weiß!) bringt seinem Sammler ohne ärztliche Hilfe den Tod.
Zwar selten in Brandenburg, aber giftig, ist der Satanspilz (links im Pilz). Genießbar hingegen ist der ihm ähnlich sehende Hexenröhrling.
Bitte auch hier aufpassen: Links der genießbare Steinpilz (mit glattem, leicht klebrigen Hut), rechts der ähnlich aussehende aber ungenießbare Gallenröhrling (feinsamtiger Hut).
Der lustig aussehende, gelbliche Pilz links ist lecker: Speisemorchel. Auf der anderen auch ein lustiger Pilz - aber ungenießbar: Der Frühjahrslorchel. Seine braune Farbe ist ein charakteristisches Merkmal.
Auch hier zählt der kleine Unterschied: Links der genießbare Mairitterling, rechts der ungenießbare Ziegelrote Risspilz.
Die beiden sehen sich ebenfalls ähnlich, schmecken aber sehr... unterschiedlich: Links genießbare Stockschwämmchen, rechts ungenießbare Nadelholz-Häublinge. Nur der Stiel unterscheidet sich. Charakteristisch für das Stockschwämmchen sind kleine Schuppen, die vom dunklen Teil des Stiels abstehen.
Der hier hat keinen Doppelgänger - braucht er auch nicht: Der schön rote, aber gefährlich giftige Fliegenpilz.
Der Hallimasch ist in diesem Jahr früher gewachsen als sonst, normalerweise ist er erst im Oktober zu finden. In Brandenburg wurde er aber bereits schon jetzt gesichtet. In rohem Zustand oder ungenügend erhitzt ist er giftig.
Dunkelbraune Kappe, beigefarbenen Stiel: Maronen zählen zu den beliebtesten Speisepilzen in Deutschland und wachsen im September.
Fast so wichtig wie Pilzkenntnisse ist die Sammelausstattung. Ein Korb garantiert eine luftige Lagerung der Pilze, ein kleines scharfes Messer hilft beim Abschneiden.