
Architektur-Ikone aus den 20er Jahren - Die Kant-Garagen werden nicht abgerissen
Die Kant-Garagen in Berlin-Charlottenburg waren eine Ikone der Architektur der 1920er Jahre, allerdings sind sie in einem bemitleidenswerten Zustand. Jetzt scheint zumindest der Abriss der Hochgaragen abgewendet. Doch wie es mit dem denkmalgeschützten Gebäude weitergeht, ist noch unklar.
Die Kantgaragen werden nicht abgerissen. Das hat die Untere Denkmalschutzbehörde des Bezirkes Charlottenburg-Wilmersdorf nach Angaben des zuständigen Stadtrates Marc Schulte (SPD) beschlossen. Damit ist ein Antrag des Investors "Pepper-Immobilien" vom Tisch, den sogenannten "Kant-Garagen-Palast" abzureißen. Aufgrund der Einmaligkeit des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes sprach sich am Mittwoch der Ausschuss für Stadtentwicklung der BVV Charlottenburg-Wilmersdorf für den Erhalt und die Sanierung der Ende der 20er Jahre gebauten Hochgarage aus.

Singuläres Verkehrsdenkmal
Die Hochgarage in der Kantstraße (1929/30) ist das letzte unverändert erhaltene Gebäude des Architekten Hermann Zweigenthal, alias Herman Herrey, in Deutschlandund zugleich ein Frühwerk seines später berühmt gewordenen Partners Richard Paulick. Der Landesdenkmalrat beschäftigte sich schon vor drei Jahren mit der Situation des Gebäudes und bezeichnete es als ein "singuläres Verkehrsdenkmal von nationaler Bedeutung, nämlich die wohl bedeutendste Großgarage der Zwischenkriegsmoderne in Deutschland".
Der Landesdenkmalrat schätzte das Gebäude aufgrund seiner baukünstlerischen Fassadengestaltung in Europa als bespiellos ein. Der damalige Ratschlag der Denkmalschützer: "alles daran zu setzen, dass dieses ungewöhnliche Zeugnis erhalten werden kann".

Konzept noch offen: Fahrrad-Parkhaus oder Museum
Doch dem Äußeren Anschein nach ist das nicht passiert, das Gebäude wirkt marode. Die Eigentümer "Pepper Immobilien" haben offenbar in den vergangenen Jahren wenig dafür getan, dieses Denkmal zu sanieren und damit zu erhalten.
In den vergangenen Wochen hatte der geplante Abriss für erhebliche Unruhe gesorgt. Doch der Logik des Investors, wonach ein als marode attestiertes Gebäude abgerissen werden könnte, hat sich der bezirkliche Ausschuss für Denkmalschutz in einem Beschluss widersetzt und schlägt vor, ein Konzept zu entwickeln, das von musealer Nutzung über E-Mobility bis zu einem Fahrrad-Parkhaus reicht.
Der Beschluss des Ausschusses kommt nächsten Donnerstag in die BVV Charlottenburg-Wilmersdorf. Da aber alle Parteien dem Antrag beigetreten sind, ist auch mit einem diesbezüglichen BVV - Beschluss zu rechnen.
Investor und Bezirksamt sollen jetzt nach einer einvernehmlichen Lösung suchen. Der Abriss ist jedenfalls vom Tisch.
Mit Informationen von Jürgen Gressel-Hichert, Kulturradio

