Die gemeinnützige Aktion "Laib und Seele" hat am Donnerstag (10.01.2008) eine weitere Lebensmittel-Ausgabestelle für Bedürftige in Berlin-Steglitz eröffnet. (Bild dpa)

Zum Erntedankfest - Tafeln erinnern an von Armut betroffene Menschen

Die deutsche Tafel-Bewegung versorgt mittlerweile rund 1,5 Millionen Menschen mit Lebensmitteln. Einen Tag vor dem Erntedankfest haben die Tafeln am Samstag an das Schicksal der von Armut betroffenen Menschen erinnert. Zugleich klärten sie über die Verschwendung von Lebensmitteln und über den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen auf.

Wie in jedem Jahr findet Anfang Oktober, einen Tag vor dem Erntedankfest, der Deutsche Tafeltag statt. Die Tafelbewegung macht an diesem Tag bundesweit auf die schwierigen Lebensverhältnisse verarmter Menschen aufmerksam.

Auch die Tafeln in Berlin und Brandenburg veranstalteten am Samstag Podiumsdiskussionen und Sammelaktionen, um ein Zeichen gegen soziale Ausgrenzung der von Armut betroffenen Menschen zu setzen. Aber auch Lebensmittelverschwendung und der Umgang mit ökologischen Ressourcen wurden thematisiert.

Laut Bundesverband Deutsche Tafel gibt es bundesweit 914 Tafeln, über die rund 50.000 ehrenamtliche Helfer an rund 1,5 Millionen Menschen Lebensmittel verteilen oder zu sehr geringen Preisen verkaufen. Zunehmend kommen neben Arbeits- und Obdachlosen auch Geringverdiener, Rentner sowie Kinder und Jugendliche zu den Verteilstellen, darunter viele Kirchengemeinden.

Mehr Anstrengungen gegen Armut gefordert

Anlässlich seines 20-jährigen Bestehens hatte der Bundesverband Deutsche Tafel Ende September stärkere Anstrengungen im Kampf gegen die Armut gefordert. Angesichts von mehr
als zwölf Millionen armen oder von Armut bedrohten Menschen müsse die Politik handeln, erklärte der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutsche Tafel, Jochen Brühl, in Berlin.

Die Politik müsse "schnellstmöglich für eine armutsfeste Grundsicherung sorgen und allen Menschen gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen", sagte Brühl bei einer Fachtagung seines Verbandes.

Der Präsident der Diakonie Deutschland, Johannes Stockmeier, sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd) anlässlich des Jubiläums: "Die Tafeln begleiten gesellschaftliche Armut - aber sie überwinden sie nicht." Stockmeier: "Wir dürfen nicht ein Versorgungssystem etablieren, das Menschen aus den übrigen Zusammenhängen ausschließt." Diese Gefahr sei allerdings nicht den Tafeln anzulasten, sagte der Diakonie-Chef und erinnerte an die zahlreichen Ehrenamtlichen, die
sich in den Tafeln engagieren.

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