Im Sucher einer Laserpistole sind die Entfernung (131,2 Meter) und die Geschwindigkeit (48 km/h) eines Fahrzeugs zu lesen. (Quelle: dpa)

24 Stunden gegen Raserei - Blitz-Marathon beendet - Polizei zieht Bilanz

24 Stunden lang war die Polizei in ganz Deutschland konzentriert Temposündern auf der Spur- allerdings mit Ankündigung. In der Region war der Blitz-Marathon offenbar ein Erfolg: Sowohl aus Berlin als auch aus Brandenburg meldet die Polizei, dass die Fahrer deutlich langsamer unterwegs waren als sonst.

Am Freitagmorgen ist der erste bundesweite 24-Stunden-Blitz-Marathon zu Ende gegangen. Auch für die Polizei in Berlin und Brandenburg war um sechs Uhr Schluss mit einem wahren Mammut-Einsatz gegen potentielle Raser. Neben vielen hunderten festen Kontrollpunkten gab es auch zusätzliche mobile Streifen. Am Vormittag soll offiziell Bilanz gezogen werden.
Schon jetzt steht fest: Die Aktion hat den Autoverkehr in jedem Fall für einige Zeit entschleunigt. "Da halten sich alle schön an die Regeln und sind vorgewarnt", resümierte ein Sprecher der Berliner Polizei am frühen Freitagmorgen. In der Hauptstadt war das Geschwindigkeitsniveau Polizeipräsident Klaus Kandt zufolge "spürbar niedriger als an einem normalem Tag". Negativer Spitzenreiter sei ein Autofahrer gewesen, der in Schulzendorf statt der erlaubten 60 km/h mit 102 km/h gefahren sei. In zwei Tempo-30-Zonen in Friedrichshain und Charlottenburg seien Fahrzeuge mit jeweils 60 km/h unterwegs gewesen.

Die Brandenburger Polizei hatte sich in einer ersten Einschätzung am Donnerstag zufrieden gezeigt. "Die meisten Verkehrsteilnehmer haben die Aktion positiv aufgenommen", sagte Sprecher Mario Heinemann. "Man merkt, dass viele Autofahrer informiert waren und eher schleichen." Auf der Stadtautobahn und auch auf den Straßen rund um Potsdam gehe es langsamer voran. "Die Autofahrer sind aber auch deutlich entspannter."

In Brandenburg wurden bis zum Nachmittag 1.400 Autofahrer mit zu hohem Tempo geblitzt. Im Landkreis Uckermark wurde auf der B2 ein Autofahrer angehalten, der mit 132 km/h gemessen wurde. Erlaubt waren an der Stelle 70 km/h.

Sicherheit statt Abzocke

"Mit unserer Beteiligung am 24-Stunden-Blitz-Marathon wollen wir alle Verkehrsteilnehmer dafür sensibilisieren, dass Raserei nicht akzeptabel ist - und schon gar kein Kavaliersdelikt", sagt Brandenburgs Polizeipräsident Arne Feuring über die Aktion. Ob Berufspendler oder LKW-Fahrer - im Prinzip sollen mit dem Blitz-Marathon alle Verkehrsteilnehmer erreicht werden. "Jedem muss klar sein, dass die Einhaltung der Tempolimits für alle ein Mehr an Sicherheit bedeutet", sagt Feuring.

Mehr als 400 Messorte waren in Brandenburg installiert, über 570 Polizisten waren in diesen 24 Stunden gegen Verkehrssünder im Einsatz.

Das Besondere an der Aktion: Die Orte, an denen geblitzt wurde, wurden vorab veröffentlicht – Autofahrer konnten sich also theoretisch darauf einstellen. Damit wollte die Polizei dem Vorwurf der Abzocke begegnen. Es gehe an diesem Tag nur darum, auf die Gefahren überhöhter Geschwindigkeit hinzuweisen. "Durch eine breite Transparenz wollen wir allen Verkehrsteilnehmern klar machen, dass es bei Verkehrskontrollen ausschließlich um Sicherheit geht", so der Verantwortliche für die Brandenburger Verkehrspolizei, Polizeioberrat Ingolf Niesler, am Donnerstag im rbb. Sicher werden wir nicht alle überzeugen, aber wenn es nur ein gewisser Prozentsatz ist, haben wir schon eine ganze Menge erreicht."

Mit eben diesem Blick auf die Verkehrssicherheit wählte Polizei vor allem Kontrollstellen aus, an denen es besonders gefährlich ist oder häufig zu Unfällen kommt. Auch Hinweise von Bürgern zu kritischen Orten wurden dabei berücksichtigt.

Hohes Risiko schon bei wenigen km/h mehr

Raserei ist deshalb so gefährlich, weil mit zunehmender Geschwindigkeit nicht nur der Anhalteweg deutlich länger wird, auch die Wucht des Aufpralls im Falle eines Zusammenstoßes verstärkt sich enorm. Schon wer wenige Kilometer in der Stunde zu schnell fährt, erhöht das Risiko vor allem für schwächere Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger und Radfahrer erheblich. Eine Geschwindigkeitsüberschreitung von nur 20 km/h in einer Tempo-30-Zone, vor einer Schule zum Beispiel oder im Wohngebiet, könnte für ein Kind tödlich sein, wenn es 15 Meter vor einem fahrenden Fahrzeug plötzlich auf die Straße läuft. Das Rechenbeispiel ist deutlich: Während der Fahrer bei vorschriftsmäßigen 30 km/h noch knapp vor dem Kind zum Stehen kommen kann, würde er bei 50 km/h das Kind voraussichtlich völlig ungebremst mit voller Wucht erfassen.

Tatsächlich ist überhöhte Geschwindigkeit Unfallursache Nummer 1 im Land Brandenburg - und verantwortlich für die meisten getöteten und schwerverletzten Menschen bei Verkehrsunfällen. Im vergangenen Jahr starben auf Brandenburgs Straßen 54 Personen an den Folgen überhöhter Geschwindigkeit, 1.696 wurden verletzt.

Auch im Berliner Straßenverkehr war im 2012 "nicht angepasste" oder überhöhte Geschwindigkeit bei 3.480 Verkehrsunfällen die Hauptursache. Das sind fast 15 Prozent mehr als noch 2011. Mehr als jeder dritte dieser Unfälle endete damit, dass ein Mensch verletzt wurde. Sechs Verkehrsteilnehmer verunglückten tödlich.

"Raserstrecken" im Visier

Genau diese Zahlen sind es, die auch die Hauptstadtpolizei auf die Straße trieb, um mit dem Blitz-Marathon für mehr Bedacht im Straßenverkehr zu werben. Insgesamt waren an diesem Tag und in der Nacht zum 11. Oktober in Berlin mehr als 250 ständig wechselnde Radar- und Laserkontrollorte eingerichtet.

Auch hier konzentrierte sich die Polizei auf Strecken und Straßenbereiche, an denen sich Unfälle häufen oder die besonders schutzwürdig sind, vor Kindergärten und Schulen zum Beispiel. Auch Bereiche in Wohngebieten, die von Anwohnern subjektiv als "Raserstrecken" empfunden werden und als solche gemeldet wurden, waren Teil der Aktion.

Zusätzlich waren in Berlin 21 Videofahrzeuge im Stadtgebiet und auf allen Autobahnstrecken unterwegs. Für einen Großteil der Einsätze war laut Ankündigung der Polizei das sofortige Anhalten der Schnellfahrer geplant. Dann sollten die Fahrer im "verkehrsaufklärerischen Gespräch" direkt dafür sensibilisiert werden, welche Gefahr sie für sich und andere Verkehrsteilnehmer darstellen.

Der Blitz-Marathon dauerte von Donnerstag, den 10. Oktober, 6 Uhr bis Freitag, den 11. Oktober, 6 Uhr.