Symbolbild: Ein Feuerwehrmann hält ein Messgerät in der Hand und blickt auf eine abgebrannte Halle. (Quelle: dpa)
Video: Tina Rohowski, Brandenburg Aktuell | 04.10.2013

Katastrophenschutzbericht vorgestellt - Brandenburg verliert weiter ehrenamtliche Feuerwehrleute

In Brandenburg ist die Zahl der freiwilligen Feuerwehrleute weiter zurückgegangen - im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl um 2.000 Helfer gesunken. Das geht aus dem Brand- und Katastrophenschutzbericht hervor, den Brandenburgs Innenminister Ralf Holzschuher am Freitag vorgestellt hat. Holzschuher will deshalb verstärkt die Nachwuchsarbeit fördern, doch die Mittel dafür sind begrenzt.

Immer weniger Brandenburger engagieren sich ehrenamtlich in der freiwilligen Feuerwehr. 42.800 Männer und Frauen waren 2012 bei den Freiwilligen Feuerwehren aktiv. Das sind 2.000 weniger als ein Jahr zuvor. Dies geht aus dem aktuellen Brand- und Katastrophenschutzbericht für Brandenburg hervor, den Innenminister Ralf Holzschuher (SPD) am Freitag vorgestellt hat.

Dieser Trend lasse sich leider nicht stoppen, sagte Holzschuher. Viele Freiwillige stünden darüber hinaus tagsüber nicht für Einsätze bereit, weil sie weit entfernt von ihrem Wohnort arbeiteten. Dennoch ist die Einsatzbereitschaft dem Innenminister zufolge flächendeckend gewährleistet.

In Brandenburg gibt es nur fünf Berufsfeuerwehren. Der Brandschutz im Land stützt sich daher überwiegend auf die 200 freiwilligen Feuerwehren.

Rote aufgerollte Feuerwehrschläuche (Quelle: imago)
Einen leichten Aufwärtstrend gibt es bei den Jugendfeuerwehren.

Mindestens ein Fehlalarm pro Tag

Dabei sind die Einsätze der Feuerwehren oft lebensrettend, nicht nur bei Bränden. In Brandenburg haben Feuerwehrleute im vergangenen Jahr mehr als 2.600 Menschen aus gefährlichen Situationen gerettet, rund 750 mehr als im Jahr zuvor. Am häufigsten wurden die Retter zu Notfalleinsätzen gerufen - 38.000 mal. Knapp 25.000 mal rückten sie zu technischen Hilfeleistungen und rund 7.000 mal bei Bränden aus.
 
Vor allem die Zahl der Fehlalarme nahm zu. Während 2011 noch rund 5.800 registriert wurden, waren es ein Jahr später 300 mehr. Der größte Teil dieser Meldungen gehen zwar auf das Konto von Fehlfunktionen automatischer Brandmelder. Jedoch vergehe kein Tag, an dem nicht mindestens ein vorsätzlicher Falschalarm gegeben werde, hieß es.

"Das ist für uns ein Riesenproblem und kein Spaß", sagte der zuständige Referatsleiter im Innenministerium, Carsten Pranz. Dies liege auch an der relativ dünnen Personaldecke. Brandenburg verfügt noch über 44.000 Feuerwehrleute, von denen mit 42.800 der weitaus größte Teil ehrenamtlich tätig ist.

Mit Leuten, die die Feuerwehr absichtlich falsch alarmieren, wird laut Holzschuher strafrechtlich nicht zimperlich umgegangen. "Auch nicht jeder Kanarienvogel auf dem Baum ist eine Sache für die Feuerwehr", ergänzte Pranz.

Jugendarbeit soll besonders gefördert werden

Die sinkenden Zahlen bei den Freiwilligen Feuerwehren sind ein großes Problem für Brandenburg: Während sie im letzten Jahr 2.000 Helfer verloren haben, sind es seit 2002 sogar 7.000. Zwar lasse sich dieser Trend nicht stoppen, dennoch müsse mit verstärkter Jugendarbeit reagiert werden, sagte Holzschuher. "Hier werde ich einen Förderschwerpunkt setzen." Jedoch stünden ihm hierfür lediglich Lottogelder zur Verfügung.

Bei den Jugendfeuerwehren gäbe es nämlich einen leichten Aufwärtstrend. Mit 11.900 Mitglieder stieg die Zahl im vergangenen Jahr leicht um 243 Kinder und Jugendliche. In deren Projekte seien knapp 140.000 Euro geflossen - vor allem Zeltlager, Bekleidung und Lehrmaterialien.

Trotzdessen sei die Einsatzbereitschaft flächendeckend gewährleistet, betonte der Innenminister. Innerhalb von 15 Minuten könne in der Regel "der erste Angriff" beispielsweise bei Wohnungsbränden im Land gefahren werden, ergänzte der Referatsleiter.
 
Ein Argument für die Feuerwehr haben die Verantwortlichen auch noch in petto: Sie bietet Spitzensportlern die Möglichkeit, sich an der Landesfeuerwehrschule zu Brandmeistern weiterzubilden, so dass sie nach ihrer aktiven Sportlerkarriere eine berufliche Perspektive haben. Momentan nutzen 14 Aktive dieses Angebot. Und einen Olympiasieger 2012 haben sie auch in ihren Reihen: Der Kanute Kurt Kurschela holte bei den Olympischen Spielen im Zweier-Kanadier Gold für Deutschland.

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