Aus für ein Stück Berliner Geschichte - Hotel Bogota muss schließen
Das Hotel Bogota in der Berliner Schlüterstraße ist eines, das man so in der ganzen Stadt nicht noch einmal findet. Hier spiegelt sich wie in einem Museum die Einrichtung verschiedener Jahrzehnte wider, es gibt Swing-Abende und Foto-Ausstellungen. Doch nun kann der Betreiber die Miete nicht mehr zahlen, das Bogota muss bis Mitte Dezember ausziehen. Von Sabrina Wendling
Einst war es das Atelier der jüdischen Modefotografin Yva, die den Starfotografen Helmut Newton ausbildete. Die Nationalsozialisten ermordeten Yva und rissen sich das Haus als Reichskulturkammer unter den Nagel. Später besetzten die Briten die Schlüterstraße 45. Und schließlich eröffnete einer, der vor den Nazis ins kolumbianische Bogota geflüchtet war, eine Pension mit dem noch heute bestehenden Namen. Die Familie Rissmann machte in den Siebziger Jahren ein Hotel daraus.
Und nun der Schnitt. 280.000 Euro Mietschulden. Davon muss Hotelier Joachim Rissmann zwar nur 100.000 Euro an den Hausbesitzer zurückzahlen, was ihn zumindest vor einer Privatinsolvenz bewahrt. Mit einer Auktion des Hotel-Inventars will Joachim Rissmann das Geld zusammentreiben. "Wenn ich bei plus minus Null rauskomme, bin ich schon sehr froh. Dann hat man einfach noch die Möglichkeit, etwas zu machen - man ist nicht vorbelastet."
Was Joachim Rissmann nach der Abwicklung des Bogota tun will, weiß er noch nicht. Er hängt an dem Haus, mit dem nicht nur ein Stück deutscher und Berliner Geschichte verbunden ist, sondern auch seine eigene. "Fast 80 Prozent meines Lebens habe ich hier im Haus verbracht," sagt Rissmann. Er war 13, als er hierher kam. Dem Abschied schaut er mit gemischten Gefühlen entgegen: "Das wird sicher auch noch schwer."
"Ein zweites Bogota kann es nicht geben"
Joachim Rissmann ist im Hotelbetrieb groß geworden. Und möchte keinesfalls ausschließen, dass er in Zukunft doch noch einmal ein neues Hotel eröffnet. Ein zweites Bogota könne es aber nicht geben. "Das Bogota konnte es ja eigentlich auch nur geben, weil es hier 1964 gegründet worden ist", sagt er. Ein anderes Hotel in der Art aufzuziehen, könne er sich schon vorstellen. "Aber es muss natürlich ähnlich gut gelegen sein, Geschichte haben - und es muss einfach bezahlbar sein."

Neben der Sorge um sein persönliches Schicksal bewegt Joachim Rissmann, was dem Bogota in der Schlüterstraße nachfolgen wird. Von Büros und Läden war oft die Rede. Der Hotelier fürchtet, das Haus und seine noch greifbare Geschichte könnten dann nicht mehr für alle zugänglich sein. Diese Sorgen teilen die Gäste und Unterstützer des Hauses, von denen mehr als 6.000 eine Petition zum Erhalt des Bogota unterzeichnet haben. Wie Rissmann hoffen viele von ihnen, dass es doch noch eine Lösung gibt und das Bogota allem Geschehenen zum Trotz eine Zukunft hat. Joachim Rissmann sagt, er hätte noch ein wenig Hoffnung: "Je nachdem wie das Haus renoviert wird, wird ein Funken Hoffnung bleiben, ob man nicht doch einen Teil als Etagen-Pension wieder eröffnet. Dieser Funken wird immer bleiben. Vielleicht geschieht ja auch noch ein Wunder."

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