
Kältehilfe startet - Verelendung von Obdachlosen in Berlin nimmt zu
Bis zu 1.000 Menschen leben in Berlin auf der Straße. Da reichen die durchschnittlich 433 Not-Schlafplätze der Kältehilfe längst nicht aus. Und auch die gesundheitliche Versorgung der Obdachlosen ist schwierig - ihre Verelendung nehme zu, heißt es von den Sozialverbänden.
Die Verelendung von Obdachlosen in Berlin nimmt nach Einschätzung von Sozialverbänden zu. Der Gesundheitszustand von Menschen auf der Straße habe sich im Vergleich zu den Vorjahren deutlich verschlechtert, sagte Hans-Joachim Fuchs vom Deutschen Roten Kreuz am Donnerstag in Berlin.
Viele Obdachlose kämen aus Osteuropa, hätten aber auch als EU-Bürger bisher keinen Anspruch auf Krankenversorgung, so Fuchs weiter. Das mache Behandlungen außerhalb von Obdachlosen-Praxen oft schwierig.
Kältehilfe bietet wieder Notunterkünfte
Am Freitag startet wieder die Berliner Kältehilfe. Obdachlose finden in den kommenden Monaten in 16 Notübernachtungen und 13 Nachtcafés Schutz. Die von Kirchengemeinden, Diakonie, Caritas und dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) organisierte Kältehilfe bietet täglich durchschnittlich rund 430 Schlafplätze an. An Spitzentagen werden dem Caritasverband zufolge bis zu 471 Plätze angeboten, die Nachtcafés haben allerdings nicht an allen Tagen geöffnet.
"Wir brauchen noch mehr Schlafplätze", sagte der Pressesprecher des Caritasverbandes, Thomas Gleißner, dem rbb. Sozialsenator Mario Czaja hatte erst im September eine Aufstockung für die Kältehilfe auf 500 Plätze angekündigt. Es sei jedoch schwierig, im Zentrum geeignete Wohnungen zu finden, erklärte Gleißner. Nur dort würden sie auch angenommen. Zudem müssen die Hilfsverbände den Umbau der Unterkünfte zum Teil selbst finanzieren.
Ab Freitag sind auch zwei Kältebusse der Berliner Stadtmission und ein Wärmebus des Deutschen Roten Kreuzes in der Stadt unterwegs. Sie sollen Hilfsbedürftige zu Notübernachtungen bringen. Einmal in der Woche fährt in einem Kältebus auch ein Arzt und ein Psychologe mit, um die Menschen vor Ort zu versorgen.
Über das täglich zwischen 19 und 23 Uhr besetzte Kältehilfetelefon (030/81 05 60 425) können Bürger hilflose Personen melden.
Fast 70.000 Übernachtungen im vergangenen Winter
In der vergangenen Wintersaison verzeichneten die Träger der Notunterkünfte insgesamt etwa 69.500 Übernachtungen. Viele Einrichtungen waren überbelegt. In Berlin gibt es Schätzungen zufolge bis zu 12.000 Wohnungslose. Davon leben vermutlich zwischen 600 bis 1.000 Personen auf der Straße. Genauer lasse sich die Zahl nicht eingrenzen, so Gleißner. Die Caritas mahne seit Jahren die Einführung einer Wohnungsnotfallstatistik an. Das lehnt die Bundesregierung bislang mit Verweis auf den erheblichen finanziellen und bürokratischen Aufwand ab.
Die Berliner Kältehilfe ist eine 1989 von Berliner Kirchengemeinden, Wohlfahrtsverbänden und der zuständigen Senatssozialverwaltung ins Leben gerufene Initiative. Ziel ist es, Obdachlosen in der kalten Jahreszeit zwischen Anfang November und Ende März einen Unterschlupf und damit Schutz vor der Kälte anzubieten.
Hauptträger sind neben den Kirchengemeinden die Berliner Stadtmission, die Gebewo Soziale Dienste Berlin gGmbH und das Deutsche Rote Kreuz. Hinzu kommen Verbände, Vereine und Initiativen. Zudem engagieren sich viele ehrenamtliche Helfer für die Kältehilfe. Die Projekte werden aus Zuwendungen des Landes Berlin und der Bezirksämter, von der Liga der Wohlfahrtsverbände und aus Spenden finanziert.




