Polizisten und Kriminaltechniker vor dem Haus, in dem der Steuerberater erschossen wurde (Bild: dpa)
Video: Abendschau | 22.10.2013 | Beitrag von Robert Frenz

Festgenommener 16-Jähriger schweigt - Sohn des erschossenen Steuerberaters in Untersuchungshaft

Über zwei Monate nach den tödlichen Schüssen auf einen Berliner Steuerberater ist der jüngere Sohn des Opfers verhaftet worden. Es gebe neue Indizien und Zeugenaussagen, so die Staatsanwaltschaft. Der 16-Jährige schweigt bislang zu den Mord-Vorwürfen. Er und sein älterer Bruder waren kurz nach der Tat schon einmal festgenommen, aus Mangel an Beweisen aber wieder freigelassen worden.

Etwa zweieinhalb Monate nach den tödlichen Schüssen auf einen Berliner Steuerberater hat die Polizei am Dienstag den 16-jährigen Sohn des Opfers verhaftet. Der Jugendliche stehe unter dringendem Tatverdacht, es gebe neue Indizien und Zeugenaussagen, sagte Martin Steltner, Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, dem rbb.

Der 16-Jähre sitzt nun in Untersuchungshaft. In den Vernehmungen habe er sich nicht zu den Mord-Vorwürfen geäußert, sagte Steltner am Mittwoch.

Staatsanwaltschaft spricht von neuer Beweislage

Ein Mobiles Einsatzkommando hatte den Jugendlichen am Nachmittag verhaftet, während dieser gerade das Wohnhaus der Familie verließ. Gegen ihn liegt ein Haftbefehl wegen Mordes vor. Weitere Einzelheiten wollten die Behörden nicht mitteilen.

Gegen die Witwe und den zweiten gemeinsamen Sohn werde dennoch ermittelt, so Steltner weiter. Der Taterdacht gegen den 16-jährigen Sohn sei jedoch sehr konkret. "Das ist filigrane Arbeit gewesen", erklärte Steltner dem rbb. Die Ermittlungsergebnisse hätten sich zu einer neuen Beweislage verdichtet. Ob DNA-Material dafür entscheidend sei, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft nicht. Die Tatwaffe bleibt nach wie vor verschwunden.

Steuerberater vor seinen Angestellten erschossen

Der 49-Jährige Steuerberater war am 12. August diesen Jahres in seiner Kanzlei in Berlin-Charlottenburg erschossen worden. Trotz Wiederbelebungsversuchen erlag er wenig später im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Die drei Kanzleiangestellten, die sich ebenfalls in den Räumlichkeiten aufhielten, blieben unverletzt.

Kurz nach der Tat waren die beiden 16 und 18 Jahre alten Söhne des Mannes festgenommen worden, aus Mangel an Beweisen mussten sie aber wieder freigelassen werden. Die drei Angestellten waren sich nicht einig, ob es sich um einen oder zwei Täter handelte.

Nachbarn berichten von Familienstreitigkeiten

Anfang Oktober konzentrierten sich die Ermittlungen auf die Ehefrau des Steuerberaters. Sie wurde bei der Polizei erkennungsdienstlich behandelt, wie es damals hieß. Das heißt, dass Fotos von ihr gemacht und ihre Fingerabdrücke abgenommen wurden. Außerdem wurden von einem ihrer beiden Söhne eine DNA-Probe genommen.

Von Anfang an war über einen familiären Hintergrund der Tat spekuliert worden. Nachbarn hatten von Streitigkeiten in der Familie berichtet. Der Steuerberater soll bereits vor einiger Zeit zuhause ausgezogen sein und vorübergehend in einer Gartenlaube gewohnt haben.

Eine Nachbarin sagte dem rbb, dass sie den Sohn desöfteren von einem Balkon in die Bäume habe schießen sehen. Ob es sich dabei um eine echte Waffe oder eine Spielzeugpistole handelte, konnte sie nicht sagen.

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