Die Fassade der alten Eisfabrik in Berlin-Mitte (Quelle: User Nicor, Wikimedia Commons, cc-by-sa-3.0 (Eisfabrik Berlin))

Jugendliche wollten Party feiern - Kein Obdachlosen-Überfall in Eisfabrik

Mehrere Jugendliche wollten am Montagabend eine kleine Party auf dem Dach der ehemaligen Eisfabrik in Berlin-Mitte feiern - bis sie von einer Gruppe attackiert und verletzt worden. Laut Polizei waren die Angreifer jedoch keine Obdachlosen, die in der Eisfabrik ihr Quartier aufgeschlagen hätten, wie es anfangs hieß.

In einer ehemaligen Eisfabrik in Berlin-Mitte sind sieben Jugendliche am Montagabend angegriffen und verletzt worden. Eine Gruppe von 20 jungen Leuten feierte in dem vermeintlich leerstehenden Gebäude in der Köpenicker Straße eine Party, als sie von mehreren Personen attackiert wurden.

Nach Angaben einer Polizeisprecherin drängten vier Angreifer die jungen Leute auf das Dach des Gebäudes und schlugen dort auf sie ein. Ein Mann attackierte die Partygäste mit einer Metallstange, seine Komplizen schlugen auf die Gruppe ein. Drei junge Frauen und vier junge Männer wurden an Kopf, Oberkörper und Beinen verletzt, bevor es ihnen gelang, aus dem Gebäude zu fliehen und die Polizei zu alarmieren.

Am Dienstag hieß es, die Angreifer seien vermutlich Obdachlose gewesen, die ihre Schlafplätze in dem Gebäude haben und sich durch den Partylärm gestört fühlten. Dem widerspricht die Polizei: Die Beamten nahmen die Personalien von drei Angreifern auf, einer Frau und zwei Männern. Alle drei mutmaßlichen Täter stammten aus Südosteuropa, sind aber mit festem Wohnsitz in Berlin gemeldet. "Bewohner" der Eisfabrik sind sie nicht. Gegen sie wurde Strafanzeige wegen gefährlicher Körperverletzung gestellt.

"Menschenunwürdige Zustände" in der Eisfabrik

Die vermeintlich leerstehende Eisfabrik – einst Norddeutsche Eiswerke AG und später VEB Kühlhaus – liegt in der Köpenicker Straße in Berlin-Mitte und verfällt seit Jahren. Doch schon lange sollen vor allem Wanderarbeiter und Roma aus Osteuropa das Gebäude nutzen. Anfang September haben zwei Sozialarbeiter nach Auskunft des Vereins "Südosteuropa Kultur" in Kreuzberg die Eisfabrik besichtigt und "menschenunwürdige Zustände" vorgefunden. So gäbe es vor Ort zum Beispiel keine Wasserversorgung.

Heute gehört das Gebäude der Telamon GmbH, die aber nicht in Besitz des umliegenden Grundstücks ist. 1995 ging die ehemalige Eisfabrik in den Besitz der Treuhandliegenschaftsgesellschaft (TLG) über, die sie 2006 eigentlich zugunsten neuer Wohnungen mit Wasserblick abreißen lassen wollte. Allerdings erhielt sie nur für einen Teil des Ensembles eine Abrissgenehmigung. Der Rest der Fabrik sei zu erhalten, entschied der Denkmalschutz damals. Die Planungen liegen seitdem brach.