Pelikane vor dem Schloss Friedrichsfelde im Tierpark Berlin (Quelle: imago)

Verwaltung von Zoo und Tierpark - Umstrittener Umzug ins Schloss Friedrichsfelde

Wieder Ärger im Zoo und Tierpark: Noch-Chef Blaszkiewitz zieht mit Teilen der Verwaltung ins Schloss Friedrichsfelde, obwohl das Unterfangen dem Zoo großen Schaden zufügen könnte. Politiker im Berliner Abgeordnetenhaus reagieren entsetzt und fordern Blaszkiewitz' sofortige Beurlaubung.

Kurz vor seinem Abtritt sorgt der Berliner Zoo- und Tierpark-Direktor Bernhard Blaszkiewitz mit einem Umzug für Ärger. Offenbar im Hau­ruck­ver­fah­ren bezieht er mit etwa 20 Mitarbeitern neue Räume im Schloss Friedrichsfelde, Büromaterial wird in aller Eile in alte Bananenkisten verpackt. Der Umzug sei zwar schon länger in der Diskussion, von den konkreten Plänen habe man aber erst in der vergangenen Woche erfahren, sagte der Vorsitzende des Fördervereins, Thomas Ziolko, am Dienstag rbb online. Für den Verein sei der Umzug eine Katastrophe, erklärt er: "Wir befürchten hohe finanzielle Einbußen, da in dem Schloss verschiedene Veranstaltungen stattfinden, die Tierpark und Zoo zu­gu­te­kom­men."

Thomas Ziolko - Freunde Hauptstadtzoos (Quelle: dpa)
Thomas Ziolko, der Vorsitzende des Fördervereins für Zoo und Tierpark Berlin

"Das ist ein Unding"

Nach Angaben von Ziolko können dadurch jährlich rund 170.000 Euro eingenommen werden. Diese Einnahmen würden in Zukunft wegfallen, weil beispielsweise Garderobe, Lager oder Küche nicht mehr zur Verfügung stehen würden. Darum habe man eine einstweilige Verfügung gegen den Umzug beantragt. Nach Angaben eines Gerichtssprechers soll es in der kommenden Woche eine mündliche Verhandlung am Berliner Landgericht geben.

Bis dann könnte der Umzug bereits abgeschlossen sein, sagt der CDU-Abgeordnete Alexander J. Herrmann rbb online. "Nur weil Herr Blaszkiewitz seine letzten Amtstage noch im Schloss residieren will, wird hier eine völlig unwirtschaftliche Entscheidung gewesen.  Das ist ein Unding." 

Noch-Zoo-Chef Bernhard Blaszkiewitz (Quelle: dpa)
Noch-Zoo-Chef Bernhard Blaszkiewitz

Seit Jahren wird über den Umzug gestritten

Zoo-Sprecherin Claudia Bienek versucht die Wogen zu glätten: "Uns ist wichtig, dass der Tierpark weiter kulturell genutzt wird". Nur einige Räume des Schlosses seien von dem Umzug betroffen. Zudem sei kommuniziert worden, dass es zu dem Umzug kommen wird. Der Wechsel von Teilen der Verwaltung, Archiv oder Bibliothek in das Schloss stehe schon länger fest.

Tatsächlich wird seit Langem über den Umzug gestritten. Bereits vor der Wende gehörte das Schloss Friedrichsfelde zum Tierpark, anschließend wurde es von der Stiftung Stadtmuseum betrieben. 2009 wurde entschieden, dass die Tierpark-Verwaltung in das Gebäude ziehen soll. Diese Entscheidung wurde im August 2013 vom Zoo-Aufsichtsrat wieder zurückgenommen und offenbar am vergangenen Freitag erneut erteilt.

Berliner Politiker fordern Konsequenzen

So fand am 18. Oktober ein Treffen zwischen Blaszkiewitz und dem Aufsichtsrat von Zoo und Tierpark statt. Dabei ging es laut Berliner Zeitung vor allem darum, ein geregeltes Verfahren zu finden, welches einen vorzeitigen Rücktritt des noch amtierenden Zoo-Chefs ermöglichen könnte. Angeblich soll der 59-Jährige eine vorzeitige komplette Rentenzahlung beanspruchen. Blaszkiewitz erklärte am Montag, dass bei dem Treffen auch über den Umzug in das Schloss Friedrichsfelde gesprochen worden sei.

"Der Aufsichtsrat muss dem scheidenden Zoodirektor endlich Einhalt gebieten, am besten durch dessen sofortige Beurlaubung", sagte die Grünen-Abgeordnete Claudia Hämmerling. Auch Alexander J. Herrmann sagte rbb online: "Eine Weiterentwicklung von Zoo und Tierpark mit Bernhard Blaszkiewitz ist nicht möglich." Es müsse nun dringend gehandelt werden.