Blumen, Kerzen, Stofftiere und Briefe sind in einem Waldstück im Berliner Stadtteil Hellersdorf zu sehen (Quelle: dpa)

Gericht spricht von "fatalem Fehler" - Mutter von verhungertem Neugeborenen zu Haftstrafe verurteilt

Ein totes Neugeborenes wurde im März in Berlin-Hellersdorf in einer Plastiktüte gefunden. Nur zwei Tage nach seiner Geburt war der Säugling verhungert. Nun ist das Urteil gegen die Mutter ergangen: Sie muss wegen Körperverletzung mit Todesfolge für zweieinhalb Jahre ins Gefängnis.

Nach dem Hungertod eines Neugeborenen im März dieses Jahres ist die Mutter in Berlin zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt wurden. Das Landgericht bewertete die Tat als Körperverletzung mit Todesfolge.

Die 20-Jährige und ihr Freund waren heillos überfordert und hofften, das Kind überlebe, hieß es am Freitag. Das Gericht zeigte sich überzeugt, dass das Paar den Tod des Kindes "auf keinen Fall gebilligt hat". Es sei versäumt worden, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. "Ein fataler Fehler von zwei minderbegabten Menschen".

Die Berlinerin hatte das lebensfähige Baby in der gemeinsamen Wohnung in Hellersdorf zur Welt gebracht. Das Paar gab dem Frühchen gekochtes Wasser und versuchte es mit Babymilch. Der Junge starb nach zwei Tagen. Nach seinem Tod hatten beide laut Verteidigung mit dem Jungen gekuschelt. Sie legten ihn in eine Gefriertruhe und kauften Babykleidung für die Beerdigung in einem Erdloch nicht weit entfernt von der Wohnung. Das Paar wollte sich mit dem Tod nicht abfinden, hatte die Verteidigung argumentiert.

Der 21-jährige Freund der Mutter wurde wegen fahrlässiger Tötung zu einem Jahr Haft mit Bewährung verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte jeweils sieben Jahre Haft wegen Totschlags beantragt.

Mutter lebte in schwierigen sozialen Verhältnissen

Eine Hundebesitzerin hatte den toten kleinen Jungen im März in einer Plastiktüte in einer Grünanlage am Rande einer Plattenbau-Siedlung gefunden.

Aus Ermittlerkreisen hatte es geheißen, dass die Mutter in "sehr schwierigen sozialen Verhältnissen" gelebt habe. Die junge Frau soll bereits mehrere Kinder haben, die allerdings nicht bei ihr lebten. Sie selbst ist in Heimen aufgewachsen. Zudem soll die 20-Jährige nicht krankenversichert gewesen sein und während der Schwangerschaft auch nicht zum Arzt gegangen sein.