Berlins neuer Zoodirektor Andreas Knieriem vor dem Giraffengehege im Zoologischen Garten
Video: Abendschau | 05.11.2013 | Beitrag von Heike Bettermann

Neuer Zoodirektor in Berlin vorgestellt - "Einsperren ist etwas, was mir nicht gefällt"

Natürliche Lebensräume zu gestalten und die beiden Berliner Zoos im Team weiter zu entwickeln, das sind die wichtigsten Ziele des künftigen Direktors Andreas Knieriem. Wie der promovierte Tiermediziner bei seiner offiziellen Vorstellung am Dienstag sagte, sind ihm Tiere, Besucher und Mitarbeiter gleichermaßen wichtig.

Berlins designierter Zoo- und Tierpark-Direktor Andreas Knieriem will den Besuchern mehr Attraktionen bieten. Dazu gehörten beispielsweise regelmäßige Schaufütterungen und
Informationsveranstaltungen, kündigte Knieriem am Dienstag bei seiner offiziellen Vorstellung im Flusspferdhaus des Zoos an. Unter gewissen Umständen könne er sich auch vorstellen, wieder einen Pandabären nach Berlin zu holen.

Tiere sollen in einem natürlichen Umfeld gezeigt werden

Ein Zoo sei im Grunde immer eine Besonderheit, denn es müssten Ansprüche ganz unterschiedlicher Gruppen berücksichtigt werden, "also die Ansprüche der Tiere und die des Besuchers", sagte Knieriem dem rbb. Die entscheidende Frage sei, "wie schaffen wir Lebensräume, so dass sich die Tiere darin wohlfühlen?"

Vielfach habe man in Zoos das Gefühl, dass es sich bei den Gehegen nur um "große Toiletten" handele. Man sehe "karge Anlagen ohne Lebensraumcharakter". Dies werde oft mit Hygiene-Vorschriften gerechtfertigt; dabei habe sich in diesem Bereich in den vergangenen 50 Jahren viel verändert, sagte Knieriem. Es gebe heute so gute Medikamente, so dass es möglich sei, die Hygiene nicht zu übertreiben und die Tiere "in einem natürlichen Lebensumfeld zu zeigen".

Knieriem setzt auf Teamarbeit und flache Hierarchien

Neben den rund 25.000 Tieren und den vielen Millionen Besuchern seien ihm auch die 440 Angestellten von Zoo und Tierpark sehr wichtig. Ohne auf die Vorwürfe einzugehen, die gegenüber seinem Vorgänger Bernhard Blaszkiewitz erhoben werden, sagte Knieriem, dass es sein Motto sei, offen aufeinander zuzugehen und sich gegenseitig zuzuhören.

"Ich bin Freund flacher Hierarchien. Auch wenn ich alleiniger Chef von Zoo und Tierpark bin, gebe ich Verantwortung ab." Wichtig seien dabei Respekt und ein offener Zugang zueinander. "Wir werden im Team schon die Situation meistern und ganz schnell auch die Vision für den Zoo und auch den Tierpark entwickeln."

Vor allem der Tierpark mit seinen 160 Hektar Fläche, der größte Landschaftstiergarten Europas, biete die einmalige Chance, auch große Herden zu zeigen. Wichtig sei es aber auch, den Besuchern zu vermitteln, "dass es den Tieren gut geht".

Andreas Knieriem, Vorstand vom Tierpark Hellabrunn, sitzt am 27.05.2011 im Tierpark Hellabrunn in München (Bayern) vor der Eisbärin Giovanna.(Quelle: dpa/Foto:Petra Schramek/Tierpark Hellabrunn)
Zurzeit leitet Andreas Knieriem noch den Münchener Tierpark in Hellabrunn.

Promovierter Tierarzt und erfahrener Zoodirektor

Knieriem ist promovierter Veterinärmediziner und leitet derzeit noch den Münchener Tierpark Hellabrunn. Seine Frau ist Berlinerin; er selbst hat an der Freien Universität studiert. Eine Zeit lang arbeitete er als stellvertretender Chef im Zoo Hannover. Seinen neuen Posten in Berlin soll er spätestens im kommenden Jahr offiziell antreten - unklar ist noch der genaue Zeitpunkt. Wie der Aufsichtsratschef von Zoo und Tierpark, Frank Bruckmann, sagte, sei vorerst der Anfang des zweiten Quartals geplant.

Knieriem tritt die Nachfolge des zuletzt heftig umstrittenen Zoo- und Tierparkleiters Blaszkiewitz an. Dessen Vertrag läuft Ende Juni nächsten Jahres aus und wurde vom Aufsichtsrat nicht mehr verlängert. Blaszkiewitz war wegen eines angeblich autoritären Führungsstils in die öffentliche Kritik geraten. Außerdem wurde ihm vorgeworfen, die seit langem nötige Modernisierung des Tierparks im Osten der Stadt vernachlässigt zu haben.

Mehr zum Thema