Ein Regionalzug auf Gleisen (Quelle: dpa)

War es Selbstüberschätzung oder wurde er gedrängt? - 13-Jähriger nach Stromschlag an Oberleitung gestorben

Tragödie in Rathenow: Ein 13-Jähriger wollte wohl seine Freunde beeindrucken und kletterte dafür auf einen Kesselwagen. Dabei ist er einer 15.000-Volt-Starkstromleitung zu nah gekommen, mit schwersten Verbrennungen kam er in ein Krankenhaus und lag im Koma. Am Dienstag ist er seinen Verletzungen erlegen. Die Polizei klärt nun, ob der Junge zu dieser Mutprobe gedrängt wurde.

Der am Samstag bei einem Stromschlag im Bahnhof Rathenow (Havelland) schwer verletzte 13-Jährige ist gestorben. Das teilte das Unfallkrankenhaus Marzahn am Dienstag dem rbb mit.

Das Unfallopfer war auf dem Bahnhofsgelände in Rathenow an eine 15.000 Volt-Oberleitung geraten. Mit schwersten Verletzungen und Verbrennungen wurde der Junge in das Berliner Unfallkrankenhaus geflogen und in ein künstliches Koma versetzt.

Zur Mutprobe gedrängt?

Die Polizei untersucht mittlerweile Vorwürfe gegen einen Freund des Kindes. "Nach einer Aussage aus dem Umfeld des Jungen könnte er von einem Jugendlichen zu einer Mutprobe gedrängt worden sein", sagte ein Sprecher der Bundespolizei am Dienstag in Berlin.

Zuvor waren die Beamten davon ausgegangen, dass der Junge zwei Freunde beeindrucken wollte. Sollten sich die neuen Hinweise verdichten, könne es zu einer Ermittlung gegen den betreffenden 14-Jährigen kommen.

Der dritte Junge, der bei dem Unglück dabei war, konnte indes noch nicht befragt werden. Ermittlungen gegen die Bahn schloss der Polizeisprecher aus.

Archivbild: Rote Signalampeln am Regionalbahnhof Nauen, im Hintergrund sind Oberleitungen zu sehen (Quelle: dpa)
Der Starkstrom auf den Oberleitungen der Bahn ist lebensgefährlich.

Oberleitungen sind lebensgefährlich

Bei einem ähnlichen Fall Ende Juni in Lübbenau war ein 14-Jähriger ums Leben gekommen. Ein Stromschlag mit der Stärke von 15.000 Volt kann bereits bei einer Annäherung von unter 1,50 Metern zum Fahrdraht ausgelöst werden. Das Klettern an Fahrleitungsmasten, Gebäudeteilen und Fahrzeugen nahe den Strommasten ist deswegen lebensgefährlich.

Auch ohne Berührung der stromführenden Leitung kann es nach Aussagen von Bahnexperten zu einem Lichtbogen kommen, bei dem Elektronen in der Luft den Stromkreis zwischen Leitung und Mensch schließen.

Nach früheren Angaben der Bahn gab es von 2011 bis Anfang 2013 bundesweit rund 20 Unfälle beim Klettern auf Waggons und Strommasten - jeder dritte Fall endete demnach tödlich.

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