
Sonderermittler seit Juni einer Bande auf der Spur - Polizei geht mit Großrazzia gegen illegale Zigarettenhändler vor
Durchsuchungen, Beschlagnahme und Festnahmen – mit einer Großaktion ist die Berliner Polizei gegen den organisierten Zigarettenschmuggel vorgegangen. Beamte stellten Tausende Schachteln Zigaretten sicher. Die Bande soll aber bereits einen Millionenschaden angerichtet haben.
Rund 200 Polizisten sind am Donnerstagmorgen mit einer Razzia gegen eine Gruppe von illegalen Zigarettenhändlern in Berlin vorgegangen. Das Ergebnis: Neun Festnahmen und Tausende Schachteln beschlagnahmter Zigaretten.
Der Zoll geht davon aus, dass es der Bande gelang, bereits sechs Millionen Zigaretten illegal zu verkaufen, wie ein Sprecher sagte. Nach Angaben der Ermittler ist es in diesem Jahr der größte Fund in der Hauptstadt.
Die Polizei durchsuchte Garagen, Geschäftsräume und Privatwohnungen an mehreren Orten in Berlin und Brandenburg. Gegen die neun Festgenommen lagen auch bereits Haftbefehle vor. Nach einem weiteren Verdächtigen werde gefahndet.
"Der Kopf der Bande ist zerschlagen", sagte eine Sprecherin der Polizei. Hauptverdächtig seien zwei Vietnamesen im Alter von 23 Jahren sowie eine 29-jährige Vietnamesin. Zu den Verdächtigen gehört auch ein 61-jähriger deutscher Taxifahrer. Das Taxi des Mannes wurde laut Polizei beschlagnahmt. Vermutet wird, dass der Mann damit die illegale Waren beförderte. Die anderen fünf Verdächtigen sind zwischen 18 und 25 Jahre alt.
Ermittlungsgruppe "Stubenhocker"
Die Ermittler entdeckten 880.000 unversteuerte Zigaretten in einer Garage im Stadtteil Neukölln sowie 720.000 Zigaretten in einem illegalen Lager in Marzahn. Einen Schwerpunkt der Aktion bildete eine Wohnung in der Edisonstraße in Oberschöneweide. Dort nahm die Polizei zwei Männer und eine Frau fest. Auch ein Spürhund kam zum Einsatz.
Polizei und Zoll waren der Gruppe seit Juni auf der Spur. Die Fahnder hatten die Ermittlungsgruppe "Stubenhocker" gebildet, weil die illegalen Händler überwiegend von zu Hause aus per Telefon agiert hatten. Die Zigaretten stammten nach ersten Angaben überwiegend aus Osteuropa und wurden illegal eingeführt.
"Das ist alles äußerst abgeschottet"
Der Zollsprecher sagte, der illegale Zigarettenmarkt in Berlin sei fest aufgeteilt. Blutige Verteilungskämpfe mit Hinrichtungen wie in den 90er Jahren gebe es nicht mehr. Damals agierten drei bis vier organisierte Banden. Wie viele es heute sind, "wissen wir nicht",
sagte der Sprecher. "Das ist alles äußerst abgeschottet."



