Polizeischüler trainieren am 18.11.2013 auf einem Schießstand der Landespolizeischule in Berlin (Quelle: dpa)

Innenausschuss hört Experten - Polizei-Bewerber immer schlechter qualifiziert

Dass die Berliner Polizei Nachwuchssorgen hat, ist schon länger bekannt. Doch die Situation spitzt sich offensichtlich zu: Weil sie immer schlechter qualifiziert sind, wird von 15 Bewerbern nur noch einer genommen. Der Innenausschuss des Abgeordnetenhauses beschäftigte sich am Montag mit der Problematik.

Die Berliner Polizei macht sich ernste Sorgen um ihren Nachwuchs. Das größte Problem sei, dass die jungen Menschen immer schlechter qualifiziert seien, sagte der Leiter der Ausbildungsstelle, Harald Wunderlich, am Montag vor dem Innenausschuss des Abgeordnetenhauses.

Viele Bewerber würden schlecht Deutsch sprechen und schreiben, seien unsportlich oder nicht gesund. Andere wiederum seien so gut qualifiziert, dass sie sich doch für andere Berufe entschieden.

Von 15 Bewerbern werde nur einer tatsächlich in die Polizeiausbildung aufgenommen. Um im Jahr 2016 die geplanten Ausbildungsstellen zu besetzen, brauche die Polizei annähernd 15.000 Bewerber. Bis 2022 gehen in der Hauptstadt 6.200 Polizisten in Pension.

Berlins Polizeipräsident Klaus Kandt (Foto: dpa)
Polizeipräsident Klaus Kandt

Frauen und Migranten gesucht

In diesem Jahr wurden bei der Berliner Polizei 582 Auszubildende eingestellt, mit Image- und Werbekampagnen bemüht man sich um den Nachwuchs. Verstärkt spricht die Behörde Frauen und junge Menschen aus Einwandererfamilien an. Derzeit liegt der Anteil der Migranten in den aktuellen Ausbildungsjahrgängen bei 20 Prozent.

Polizeipräsident Klaus Kandt kritisierte, die Berliner Polizisten hätten zu niedrige Einstiegsgehälter. Er forderte mehr Geld von der Politik, um die Polizeiarbeit in der Hauptstadt attraktiver zu machen. Allein um ein neues Schulgebäude zu bauen, seien 12,3 Millionen Euro notwendig.

Neue Stellen sollen Personallöcher im Objektschutz füllen

Mit Anzeigen sucht die Berliner Polizei derzeit auch 75 Bewerber für den Objektschutz. In mehreren Printmedien seien Inserate geschaltet worden, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag. Objektschützer bewachen jüdische und diplomatische Einrichtungen oder kontrollieren Ausweise in gesicherten Einrichtungen.

Nach früheren Angaben der Gewerkschaft der Polizei (GdP) fehlten 280 Stellen im Objektschutz. Mitarbeiter haben inzwischen massenhaft Überstunden angehäuft, Polizeibeamte aus anderen Bereichen mussten zeitweise aushelfen.

Ein Polizist geht vor der Botschaft Großbritanniens in Berlin (Quelle: dpa)
Beim Objektschutz fehlt Personal.

Vergangene Woche bewilligte Polizeipräsident Klaus Kandt nun die neuen Stellen. Der Vorsitzende der GdP, Michael Purper, erklärte, er freue sich über diese Verstärkung - dennoch fehle bei Objektschutz aber unterm Strich immer noch Personal. Es sei zu hoffen, dass mit den neuen Stellen das "Flickwerk" aufhöre, Polizeibeamte für die Aufgaben der Objektschützer einzusetzen.

Die Regierungskoalition will der Polizei zusätzliche 201 Stellen bewilligen - die meisten davon im Objektschutz. Der Zentrale Objektschutz verfügt nach eigenen Angaben zur Zeit über rund 1100 Mitarbeiter, die über das gesamte Berliner Stadtgebiet verteilt in Tag- und Nachtschichten arbeiten. Das Stadtgebiet ist in drei Objektschutzbereiche (OSB) unterteilt, in denen etwa 586 Gebäude und Objekte - davon 54 stationär - geschützt werden.

"Großer Investitionsstau" bei Schießanlagen

Auch in einem anderen Bereich hapert es bei der Berliner Polizei: die Schießausbildung. Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) sagte am Montagabend im rbb, es gebe derzeit eine schwierige Situation. Bei der Polizei habe sich ein großer Investitionsstau gebildet. Dazu komme, dass einige Schießanlagen geschlossen werden mussten, weil dort gesundheitsgefährdende Stoffe gefunden wurden.

Zurzeit sind zehn von 19 Schießanlagen gesperrt. Die Polizisten müssen ihr Training mit Laser-Pistolen absolvieren. Nach Henkels Einschätzung ist die Schießausbildung der Beamten aber nicht gefährdet.

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