Die U-Bahn U6 Richtung Alt-Tegel steht im U-Bahnhof Friedrichstraße (Archivfoto, Quelle: dpa)

Nach 16 Monaten Sperrung - Berliner U6 fährt wieder durchgehend

Zuerst die gute Nachricht: Seit Sonntag fährt die U6 zwischen Friedrichstraße und Französischer Straße wieder - nach 16 Monaten Sperrung. Jetzt die schlechte: Die nächste Sperrung steht bereits an. Ab kommenden Freitag geht zwischen Nordbahnhof und Anhalter Bahnhof für etwa zwei Wochen nichts mehr.

Mehr als ein Jahr lang glich die Berliner Friedrichstraße im Stadtzentrum morgens einem Pilgerweg. Wegen eines Tunnel-Neubaus mussten Tausende Berufspendler rund 500 Meter weit laufen. Denn zwischen den Stationen Friedrichstraße und Französische Straße war der Zugverkehr eingestellt. Seit Sonntag ist es mit dem Fußmarsch vorbei. Die Züge der U-Bahnlinie 6 können nach 16 Monaten Bauzeit wieder ohne Unterbrechung durchgehend fahren.

Auf eine große Premierenfeier verzichteten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) mit Rücksicht auf den Volkstrauertag. Allerdings wurden die Fahrgäste für ihre lange Geduld am Sonntag und Montagmorgen mit Schokoherzen belohnt.

Doch die Bauarbeiten gehen weiter und der nächste Pendelverkehr steht bereits an: Am 22. November sperrt die S-Bahn ihren Nordsüd-Tunnel zwischen Nordbahnhof und Anhalter Bahnhof bis zum 9. Dezember. Betroffen sind die Linien S1, S2 und S25, auf denen werktags laut Deutscher Bahn rund 80.000 Fahrgäste unterwegs sind. Pro Stunde fahren bis zu 18 Züge pro Richtung.

S-Bahn hat mit Bauarbeiten auf die U6 gewartet

Auf der Strecke sollen die rund 20 Jahre alten Schienen ausgetauscht werden. Weil es im Tunnel zu eng ist für große Baumaschinen sei die Vollsperrung notwendig, heißt es auf der Internetseite der S-Bahn. "Zum einen muss der Tunnel für den S-Bahn-Verkehr aus Sicherheitsgründen gesperrt werden, weil die Abstände zwischen den Gleisen gering sind. Zum anderen, damit die Maschinen- und Materialzufuhr jeweils über das Gleis erfolgen kann, an dem nicht gearbeitet wird", erklärt Projektleiter Ulrich Burkhardt. Die Kosten für die Sanierung im Tunnel betragen insgesamt rund 2,1 Millionen Euro.

Die Baumaßnahme sei mit den Arbeiten an der U6 abgestimmt worden, heißt es. Die S-Bahn-Berlin habe bei der BVG längere Züge bestellt, sowohl für die U6 als auch für die U8. Beide Linien fahren nun bis in die Abendstunden mit jeweils sechs Wagen.

Neuer U6-Tunnel (Bild dpa)
So sieht der neue Tunnel der U6 aus.

"Bauarbeiten im Zeitplan"

Grund für die Unterbrechung der U6 waren Bauarbeiten für den künftigen Umsteigebahnhof "Unter den Linden". Hier soll sich die Linie 6 mit der neuen U-Bahnlinie 5 kreuzen, die gegenwärtig vom Alexanderplatz zum Brandenburger Tor verlängert wird. Täglich werden bis zu 155.000 Fahrgäste erwartet. Die U5 dockt dann an die sogenannte Kanzlerlinie an, die bis zum Hauptbahnhof führt. 2019 soll alles fertig sein.

Bisher seien die Arbeiten im Zeitplan, sagte ein Sprecher der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Dass die U6 wieder durchfährt, wurde am Sonntag nicht groß gefeiert. Das verbiete sich wegen des Volkstrauertags. "Wichtig ist, dass die Leute wieder fahren können", hieß es.

Einzelhändler hätten gerne Sperrung über Weihnachten gehabt

Während die Pendler Grund zum Feiern haben, sind Einzelhändler in der Friedrichstraße weniger begeistert über das Ende der U-Bahnunterbrechung. Einige Geschäftsleute hätten gefragt, ob die Baustelle nicht über die Weihnachtszeit noch bestehen bleiben könne, berichtete der BVG-Sprecher. Schließlich führte sie täglich viele tausend potenzielle Kunden an den Läden vorbei. Einzelne Geschäfte hätten ihre Öffnungszeiten in den Morgenstunden deswegen sogar ausgeweitet.

Den neuen Tunnel und den künftigen U-Bahnhof "Unter den Linden" werden die Fahrgäste durchs U-Bahn-Fenster übrigens kaum zu sehen bekommen. Zwar gebe es schon Bahnsteige im Rohbau, die seien jedoch nur erkennbar, wenn das Tunnellicht brenne. "Man fährt nicht durch einen Geisterbahnhof", sagte der Sprecher.

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Der neue U6-Tunnel Unter den Linden Ecke Friedrichstraße (Bild: dpa)

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Die U-Bahnline 6 wird ab dem 17. November wieder ohne Unterbrechung befahren. Seit Sommer 2012 war die Strecke zwischen den Bahnhöfen Französische Straße und Friedrichstraße wegen eines Tunnel-Neubaus unterbrochen - die Fahrgäste mussten die Lücke per Pedes schließen. Nun ist der 140 Meter lange Tunnel weitgehend fertiggestellt und wurde am Dienstag erstmals der Öffentlichkeit gezeigt.