Passanten hasten im Schneeregen über eine Straße am Alexanderplatz (Quelle: dpa)

Unwetterwarnung bis Freitagvormittag - Orkantief "Xaver" über Berlin und Brandenburg

Das Orkantief "Xaver" hat in Berlin und Brandenburg am Donnerstag weniger Schäden verursacht als befürchtet. Die Unwetterwarnung für die Region gilt aber weiter; der Höhepunkt des Unwetters wird gen Morgen erwartet. Die Feuerwehr rät, während des Sturms nach Möglichkeit zu Hause zu bleiben. Die Schulen sollen am Freitag jedoch grundsätzlich öffnen, Eltern können aber selbst entscheiden, ob sie ihre Kinder zu Hause behalten.

Das Sturmtief "Xaver" ist in Berlin und Brandenburg am Donnerstag schwächer ausgefallen als erwartet. Das teilte der Deutsche Wetterdienst am Abend mit. Orkanartige Böen blieben zunächst aus. Allerdings sollte der Wind während der Nacht zum Freitag weiter zunehmen. Die Unwetterwarnung für Berlin und Brandenburg wurde bis zum Freitagvormittag 10.00 Uhr verlängert.

Am Morgen muss in der ganzen Region - auch in Südbrandenburg - mit orkanartigen Böen gerechnet werden, wie der Deutsche Wetterdienst dem rbb sagte. Das Tief sei sehr ausgeprägt und ziehe sehr langsam, erklärte Wetterdienst-Leiter Thomas Endrolat. "Das heißt, wir bleiben ganz lange im Sturmbereich. Es wird erst am Sonnabend wirklich ruhiger werden."

Die Meldung spiegelt den Nachrichtenstand bei Redaktionsschluss um 01.00 Uhr wider. Aktuelle Informationen aus der Nacht finden Sie im rbbtext.

"Aufgrund der orkanartigen Böen können Äste abbrechen und lose Dachziegel herunter kommen," warnt der Meteorologe Tobias Mahnkopf vom Wetterdienst MeteoGroup. "Der Sturm wird voraussichtlich keine Orkanstärke erreichen, aber wir rechnen mit orkanartigen Böen". Die können Geschwindigkeiten bis zu 115 km/h erreichen.

Besondere Gefahr herrscht laut Mahnkopf in freien Lagen im Norden Brandenburgs herrschen - durch herumfliegende Gegenstände und umstürzende Bäume. Aber auch in Berlin bestehe die Gefahr sich kanalisierender Winde zwischen den Häusern. Wahrscheinlich werde die Unwetterwarnung bis Freitagabend verlängert.

Gefahr auch durch Glätte

Außerdem ist in der Nacht zum Freitag mit Glätte durch Schneematsch zu rechnen. Denn "Xaver" bringt schwere Niederschläge mit, die durch die kalte Polarluft zu Schnee werden können. Für eine dichte weiße Schneedecke wird es allerdings nicht reichen: "Wir rechnen höchstens mit geringen Neuschneeauflagen", so Mahnkopf.

Erste Feuerwehreinsätze in der Region

Die Feuerwehren und Rettungskräfte in der Region haben wegen des Sturmtiefs ihr Personal verstärkt. Bis Mitternacht mussten die Einsatzkräfte rund 200 Mal ausrücken - meist wegen umgeknickter Bäume, heruntergerissenen Ästen oder loser Bauteile. An mehreren Gebäuden deckte der Sturm Dächer ab. In Berlin-Lankwitz fiel ein Baum auf ein Haus, Menschen wurden aber nicht verletzt.

Die Berliner Feuerwehr hat etwa 550 Kräfte im Einsatz, weitere 1.300 stehen bereit. Man werde sich vor allem auf Notfälle konzentrieren, hatte der Berliner Feuerwehrsprecher Jens-Peter Wilke im rbb angekündigt. "Wir setzen Prioritäten. Wir müssen natürlich auch Reserven zurückhalten für echte Notfälle, wo tatsächlich Menschenleben bedroht sind", so Wilke.

Auch in Brandenburg haben Feuerwehr und Rettungskräfte die Nachtschichten auf gestockt. Und auch die Freiwilligen Feuerwehren sind in erhöhter Bereitschaft.

Die Leitstellen der Feuerwehren registrierten bis Mitternacht rund 100 wetterbedingte Einsätze. Menschen wurden aber nicht verletzt - auch größere Schäden an Gebäuden wurden bislang nicht bekannt. Im Süden Brandenburgs fiel an einigen Orten der Strom aus, weil Baume auf die Leitungen gestürzt waren. Insgesamt waren umgeknickte Bäume und abgerissene Äste dann auch der Hauptgrund für die Einsätze.

Die zahlreichen Windräder im Land sind nach Ansicht der Betreiber nicht gefährdet. "Ein Windrad steht bis 70 oder 75 m/s", sagte der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens Enertrag AG, Jörg Müller, dem rbb. Das entspricht etwa 250 bis 270 km/h. "Da steht hier kein Haus mehr."

Feuerwehren raten zu Vorsicht

Feuerwehrsprecher Jens-Peter Wilke rief die Berliner und Brandenburger dazu auf, während des Orkans das Haus nicht zu verlassen. Die Gefahr, von herumfliegenden Baum- oder Bauteilen getroffen zu werden, sei zu groß, mahnte er. Gefahr drohe insbesondere von unsanierten Häusern, da sich hier leicht Dachziegel lösen könnten.

Wer sein Haus verlasse, solle darauf achten, die Fenster zu schließen und lose Gegenstände von den Balkonen zu entfernen. Sie könnten sonst umherfliegen und Menschen verletzen.

An Baufirmen hatte die Feuerwehr appelliert, ihre mit Planen abgespannten Baugerüste zu kontrollieren. Die Abdeckungen können wie ein Segel wirken und das Gerüst aus der Verankerung reißen.

Bislang nur wenig Behinderungen im Schienenverkehr

Nach Auskunft der Deutschen Bahn können derzeit die Züge der Regionalbahnlinie 1 nicht fahren. Grund sei ein umgestürzter Baum auf den Bahngleisen zwischen Genthin und Wusterwitz. Ansonsten kommt es zu einzelnen Verspätungen und Verzögerungen. Bis zum Abend sei die Region aber von größeren Vorfällen verschont geblieben. Das kann sich ändern, wenn etwa Bäume auf die Gleise fallen oder starke Schneefälle die Weichen beeinträchtigen, wie Bahn-Pressesprecher Achim Stauß dem rbb sagte.

Die Fernverkehrstrecke zwischen Berlin und Hamburg war vorübergehend eingeschränkt. Wegen eines Oberleitungsschaden zwischen Wittenberge und Gentin war die Strecke am Nachmittag für etwa eine Stunde nur eingleisig befahrbar. Zudem musste die Deutsche Bahn für rund anderhalb Stunden Fernzüge und Regionalbahnen umleiten, weil zwischen Berlin-Jungfernheide und Moabit ein Dachstuhl einzustürzen und ins Gleisbett zu kippen drohte, wie ein Sprecher sagte.
Die Bahn kommt ihren Kunden entgegen, indem sie etwa die Zugbindung auf dem gesamten Streckennetz für Donnerstag und Freitag aufhebt.

Die Berliner U-Bahn reagiert ebenfalls auf Orkantief "Xaver". Dort, wo die Züge an der Oberfläche fahren, wurde das Tempolimit vorsorglich von 60 auf 40 km/h reduziert, wie der Verkehrsverbund VBB mitteilte.

An den Flughäfen Tegel und Schönefeld kann es witterungsberdingt zu Streichungen oder Verspätungen kommen. Mit gravierenden Auswirkungen auf den Luftverkehr rechnet die Flughafengesellschaft aber nicht. Die Sturmböen um Tegel und Schönefeld 80 km/h nicht überschreiten, wie Pressesprecher Lars Wagner erklärte. "Bei diesen Windgeschwindigkeiten können die Piloten sicher starten und landen."

Eltern dürfen Schulkinder auch zu Hause lassen

Die Senatsbildungsverwaltung Berlins reagierte auf die Unwetterwarnung und stellte es allen Eltern frei, ihre Kinder früher von der Schule abzuholen. Am Freitag sollen die Schulen grundsätzlich offen bleiben, sagte Sprecher Ilja Koschembar dem rbb. Lehrer und andere Schulmitarbeiter seien grundsätzlich verpflichtet, zum Dienst zu erscheinen. Eltern könnten im Zweifel jedoch entscheiden, ihre Kinder wegen des Sturms zu Hause zu behalten.

Auch in Brandenburg bleiben die Schulen am Freitag grundsätzlich geöffnet. Die Schulämter der Landkreise könnten im Einzelfall jedoch wetterbedingt auf Unterrichtsaufall entscheiden,s so Bildungsministeriums-Sprecher Stephan Breiding. Eine Notbetreuung vor Ort sei für die Kinder auf jeden Fall gesichert. Die Eltern können auch hier selbst entscheiden, ob die Kinder morgen in die Schule gehen sollen. "Im Zweifelsfall geht Sicherheit vor Unterricht. Kinder und Jugendliche, die nicht in die Schule kommen, gelten grundsätzlich als entschuldigt."

Weihnachtsmärkte machen dicht

Wegen des Sturmtiefs wurden zahlreiche Veranstaltungen in Berlin und Brandenburg vorsorglich abgesagt. So haben in der Hauptstadt mehrere Weihnachtsmärkte dicht gemacht. „Wann am Freitag geöffnet wird, entscheiden wir je nach Wetterlage sagte Michael Roden, Sprecher des Schaustellerverbandes Berlin.

In Brandenburg wurde etwa die Eröffnung des Wittstocker Weihnachtsmarktes und des „Weihnachtsgans-Auguste-Markt" in Oranienburg verschoben. In Teltow wurde das für Freitag geplante Nikolausfest auf dem Marktplatz abgesagt.

"Land unter" in Norddeutschland

Zuletzt hat Berlin im März 2008 "orkanartige Böen" der Windstärke 11 erlebt. In Brandenburg fiel der damalige Sturm mit Windstärke 10 etwas schwächer aus. Im Vergleich zu Orkantief "Christian", der Ende Oktober über Norddeutschland hinwegfegte, bringt "Xaver" eine wesentlich größeres Sturmfeld mit, das damit auch Brandenburg betrifft.

Besonders schwer trifft es aber auch dieses Mal den Norden Deutschlands: Orkanböen bis zu 148 km/h wurden an der Nordseeküste gemessen. Am Freitag drohen schwere Sturmfluten. Die Halligen meldeten bereits am Donnerstagmittag "Land unter".

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