
Bilanz von "Xaver" - "Wir haben mit Schlimmerem gerechnet"
Umgestürzte Bäume, Unfälle, unterbrochene Bahnlinien, gestrichene Flüge: Das Orkantief "Xaver" hat Berlin und Brandenburg am Donnerstag und Freitag kräftig durchgeschüttelt. Insgesamt ging es aber relativ glimpflich ab. Die Unwetterwarnung ist inzwischen aufgehoben.
Nach dem Orkantief "Xaver" hat sich das Wetter in der Region wieder beruhigt. Bereits zum Freitagabend hin hatte der Sturm an Kraft verloren. Der Deutsche Wetterdienst hob seine Unwetterwarnung für Berlin und Brandenburg inzwischen auf.
Die Feuerwehr war während des Unwetters im Dauereinsatz, in Brandenburg wurden innerhalb von rund 24 Stunden etwa 480 Einsätze registriert. In Berlin rückte die Feierwehr allein am Freitag 290 Mal aus. Von größeren Schäden aber blieb die Region verschont: "Wir haben mit Schlimmerem gerechnet", sagte ein Sprecher der Feuerwehr.
In Berlin wütete "Xaver" nicht als Orkan, sondern "nur" als Sturm. "Der Orkan hat sich im Norden Deutschlands ausgewirkt, wir haben nur den Randbereich genießen dürfen", sagte Meteorologe Thomas Endrolat vom Deutschen Wetterdienst dem rbb. In der Region habe die Windgeschwindigkeit um 100 km/h gelegen. In Straßenschluchten könne der Wind aber zusammengedrückt werden, "und dann geht's halt schneller", so Endrolat. Spitzenwerte von 94 km/h wurden an Wetterstationen in Dahlem und Schönefeld gemessen.
Die höchste Windgeschwindigkeit in Brandenburg wurde in der Uckermark mit 104 km/h gemessen. Aber insgesamt hat der Sturm nach Auskunft von Endrolat im gesamten Land weitgehend gleichmäßig getobt.
Sturm drückt Bus von der Straße
Den wohl schwersten witterungsbedingten Unfall gab es in der Uckermark: Dort wurde ein unbesetzter Linienbus durch eine Böe von der Straße gedrückt und fuhr gegen einen Baum. Der Fahrer blieb unverletzt, der Bus hatte einen Totalschaden.
In Berlin war die Bundesstraße 273 acht Stunden lang wegen eines blockierenden LKWs gesperrt. Dessen Fahrer hatte nach einem Windstoß die Kontrolle über den Laster verloren und war in den Straßengraben gefahren. Dabei hatte sich der LKW quer zur Fahrbahn gestellt, der Fahrer wurde nur leicht verletzt.
Behinderungen bei Zügen und Flügen
Zwischenzeitlich hatte der Sturm die Bahnverbindung zwischen Berlin und Hamburg unterbrochen: Nach einer vorübergehenden Sperrung wegen eines umgestürzten Baums wurde die Strecke am Freitagvormittag wieder freigegeben. Generell kam es im Fernverkehr der Bahn zu Verspätungen, weil die Züge wegen des Sturms langsamer fahren mussten. Die Bahn hatte die Zugbindung für Freitag aufgehoben. Zu Verspätungen kam es am Freitagmorgen auf der Regionalbahnlinie 14 zwischen Berlin-Grünau und Königs-Wusterhausen. Grund war ein Sturmschaden an der Oberleitung.
Wegen Sturmschäden am S-Bahnhof Messe Nord/ICC fuhr der Verkehr auf dem Berliner S-Bahnring unregelmäßig. In einigen Bezirken der Hauptstadt waren außerdem einzelne Ampeln ausgefallen. Die U-Bahn fuhr wegen des Sturms auf den offenen Strecken mit reduziertem Tempo. In Potsdam beschädigte ein umgestürzter Baum eine Oberleitung und sorgte auf sieben Straßenbahnlinien für Stillstand.
Der Sturm hatte auch Auswirkungen auf den Flugverkehr. Am Berliner Flughafen Tegel wurden bis zum Freitagnachmittag 46 An- und 49 Abflüge gestrichen. Weil die Maschinen wegen der starken Böen nicht enteist werden konnten, mussten manche Fluggäste bis zu drei Stunden auf ihren Abflug warten. Am Flughafen in Schönefeld starteten und landeten die Maschinen weitgehend nach Plan.
Die zahlreichen Windräder in Brandenburg waren nach Ansicht der Betreiber nicht gefährdet. "Ein Windrad steht bis 70 oder 75 m/s", sagte der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens Enertrag AG, Jörg Müller, dem rbb. Das entspricht etwa 250 bis 270 km/h. "Da steht hier kein Haus mehr."
Eltern durften Schulkinder auch zu Hause lassen
Die Schulen in der Region blieben zwar grundsätzlich geöffnet, die Schulpflicht war aber aufgehoben. Den Eltern war es freigestellt, ihre Kinder am Freitag zu Hause zu lassen. Lehrer und andere Schulmitarbeiter mussten jedoch erscheinen - nur einzelne Schulen hatten ganz geschlossen.
Viele Eltern machten von diesem Angebot Gebrauch. Vor allem im ländlichen Bereich blieben viele Schüler zu Hause, regulärer Unterricht fand oft nicht statt.


