Erfolgreiche Bombensprengung - Oranienburg kommt nach Bombe Nr. 176 mit blauem Auge davon
Risse in Hauswänden, kaputte Dachluken und meterhohe Erdwälle: Diese Spuren hat am Mittwoch die Sprengung einer 250-Kilo-Weltkriegsbombe in Oranienburg hinterlassen. Befürchtet wurde viel schlimmeres. Ein Oranienburger zeigte sich deshalb nach der Sprengung besonders erleichtert.
Wieviel Kraft eine 250-Weltkriegsbombe hat, konnte in Oranienburg (Oberhavel) besichtigt werden. Am Mittwoch wurde der Blindgänger erfolgreich gesprengt. Kurz nach 13 Uhr gab es einen lauten Knall. Eine etwa 80 Meter hohe Staubwolke stieg auf. Stroh, das zur Abfederung der Explosion verwendet worden ist, flog bis auf das Dach des dreigeschossigen Mehrfamilienhauses. Gegen 15 Uhr konnten die Menschen wieder in ihre Wohnungen und Büros zurückkehren.
"Wir haben die Bombe vollständig vernichtet", sagte Sprengmeister Horst Reinhardt, der technische Leiter des Kampfmittel-Beseitigungdienstes, dem rbb. In der Umgebung seien bis auf einige leichte Risse und kaputte Fenster in zwei Gebäuden keine Schäden entstanden. Nach ersten Untersuchungen habe es keine größeren Schäden an Gebäuden gegeben. Die Aktion galt als besonders schwierig, weil der Blindgänger unweit eines mehrgeschossigen Wohnhauses lag.
Die Stadt hatte außerdem damit gerechnet, dass die Fernwärmetrasse der Stadtwerke beschädigt werden könnte. Sie versorgt den Lindenring und die Innenstadt mit Fernwärme.

"Ich bin erleichtert"
Hans-Joachim Laesicke (SPD), Bürgermeister von Oranienburg, zeigte sich nach der Sprengung besonders erleichtert. Seine schlimmste Vorstellung bewahrheitete sich nicht, dass die Wohnhäuser in unmittelbarer Nähe der Bombe teilweise zerstört werden oder Menschen ihre Wohungen verlieren, sagte Laesicke dem rbb. "Auf alle Fälle sind alle Wohnungen vorhanden, Menschen stehen nicht vor den Trümmern ihrer Existenz. Dies ist schon mal eine Riesenerleichterung von vielen Anwohnern."
Auch Horst Reinhardt zeigte sich erleichtert. "Es hätte nicht viel gefehlt, eigentlich hätte ein kleiner Huster ausgereicht, und das 250-Kilo-Ding wäre von selbst in die Luft gegangen", sagte der Sprengmeister.
Innenstadt menschenleer
Die Innenstadt glich am Mittwoch einer Geisterstadt: Bis acht Uhr mussten etwa 12.000 Menschen in dem 1.000 Meter großen Sperrkreis ihre Wohnungen verlassen oder konnten ihre Arbeitsplätze nicht erreichen. Betroffen waren auch die Stadt- und Kreisverwaltung, das Rathaus und die Polizei. Auch der Bahnhof war betroffen und damit der Regionalbahn- und S-Bahn-Verkehr.
Mit der Räumung zeigte sich Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke (SPD) zufrieden. "Gegen neun Uhr wirkte die Innenstadt schon fast menschenleer." Die Oranienburger hätten nach der Entschärfung oder Sprengung von 175 Weltkriegsbomben seit dem Jahr 1990 bereits Routine.
Am Ende verzögerte sich die Sprengung aber noch einmal, weil viele Bewohner in Krankentransporten aus dem Sperrkreis gebracht werden mussten.
Fast das gesamte öffentliche Leben der knapp 42.000 Einwohner zählenden Stadt lag in dem Sperrkreis: Neben den Wohnhäusern sind hier das Schloss Oranienburg samt Park, die Tourist-Information, die Stadtverwaltung, das Landratsamt sowie das Spaß- und Erlebnisbad "Turm". Alles blieb am Mittwoch dicht.
Der Blindgänger wurde am Montag in der Straße Am Lindenring zwischen zwei Wohnblöcken entdeckt und befand sich in 4,50 Meter Tiefe. Der Zustand des Langzeitzünders sei zu schlecht gewesen, um den Sprengkörper zu entschärfen, erklärten Sprengexperten.
Erste Evakuierungen bereits am Montag
Direkt nach dem Fund hatten bereits am Montag 43 Bewohner ihre Wohnungen verlassen müssen. Am Dienstag wurde der unmittelbare Gefahrenbereich auf einen Radius von etwa 100 Metern erweitert, so dass rund 230 Menschen aus ihren Wohnungen mussten. Die meisten Betroffenen seien privat bei Angehörigen oder Bekannten untergekommen, so die Sprecherin. Zudem bot die örtliche Wohnungsgesellschaft Ausweichquartiere.
Erhebliche Behinderungen im Bahn- und Autoverkehr
Da der Bahnhof Oranienburg mitten im Sperrkreis lag, konnte er nicht angefahren werden. So fielen nach Angaben der Deutschen Bahn RE-Züge der Linie 5 zwischen Rostock/Stralsund und Lutherstadt Wittenberg sowie zwischen Nassenheide und Berlin-Gesundbrunnen aus. Zwischen Berlin-Lichtenberg und Löwenberg ersetzten Busse die Regionalbahn 12 (Berlin-Lichtenberg - Templin Stadt).
Zwischen Birkenwerder und Oranienburg fiel die Regionalbahn 20 (Hennigsdorf/Potsdam - Oranienburg) aus. Die Züge von InterConnex wurden umgeleitet und hielten nicht in Warnemünde beziehungsweise nur eingeschränkt in Neustrelitz und Waren (Müritz), wie das Unternehmen mitteilte. Autofahrern wurde empfohlen, das Oranienburger Stadtzentrum zu umfahren.
Erst vor knapp zwei Wochen wurde im Oranienburger Ortsteil Lehnitz eine 500-Kilo-Bombe gesprengt. Dabei wurde ein Haus komplett zerstört. Der Blindgänger lag umgeben von Einfamilienhäusern und einigen Gartenhäusern.
Blindgänger in Hohen Neuendorf entdeckt
Unweit von Oranienburg steht derweil die nächste Sprengung ins Haus: Während der Sprengungsaktion wurde am Mittwoch in Hohen Neuendorf (Oberhavel) ein weiterer Blindgänger entdeckt. Auch diese Fünf-Zentner-Bombe in den Havelwiesen müsse gesprengt werden, teilte die dortige Stadtverwaltung mit. Dafür müsse am Freitagmorgen ein Wohngebiet am Stadtrand geräumt werden. Dabei handele es sich vorwiegend um Einfamilienhäuser. Etwa 1.200 Bewohner in Hohen Neuendorf und weitere 800 Menschen im benachbarten Birkenwerder müssen dann ihre Häuser verlassen. Der Bahnverkehr ist nicht betroffen. Der Oder-Havel-Kanal wird allerdings gesperrt.
Der Blindgänger liege in der Nähe einer Kleingartenanlage, sagte Wolfgang Narewski, Fachdienstleiter für Ordnung und Sicherheit. "Da könnten an einigen Bungalows Schäden entstehen." Am Fundort wurden bereits 64 Kubikmeter Strohballen angefahren, um die Druckwelle abzufangen.






