Ein Polizeibeamter am Güterbahnhof an der Greifswalder Straße
Abendschau | 27.12.2013 | Rainer Unruh

Tragödie an der Greifswalder Straße - 15-Jähriger stirbt nach Stromschlag auf Güterbahnhof

Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr ist ein Jugendlicher in Berlin auf einem Güterbahnhof an der Greifswalder Straße verunglückt. Nach ersten Erkenntnissen war an 15-Jähriger am zweiten Weihnachtsfeiertag mit Freunden auf das Areal vorgedrungen und beim Klettern an eine Hochspannungsleitung geraten. Er war offenbar Mitglied der Sprayer-Szene.

Ein 15-Jähriger ist in Berlin am zweiten Weihnachtstag auf dem Güterbahnhof an der Greifswalder Straße durch einen 15.000-Volt-Stromschlag aus der Oberleitung getötet worden. Der Jugendliche soll auf dem Gelände in Prenzlauer Berg auf einen Kesselwagen geklettert sein, wie die Polizei am Freitag mitteilte.

Ein 19-jähriger Begleiter des Verunglückten schilderte der Polizei, er habe plötzlich einen Knall gehört und einen Lichtblitz gesehen. Danach sei der 15-Jährige vom Waggon gefallen. Zeugen in der Nähe des Unglücksorts hatten zunächst ein Feuer am Kesselwagen vermutet und die Feuerwehr alarmiert, so die Polizei. Als die Rettungskräfte eintrafen, sei der Jugendliche bereits tot gewesen.

Es gebe keine Anhaltspunkte für ein Fremdverschulden. Warum der 15-Jährige auf dem Gelände war, sei noch unklar. Ältere Begleiter sollen ihn noch gewarnt haben. Möglicherweise war der Junge Mitglied der Sprayer-Szene, dazu finden sich im Internet einige Hinweise. So ist auf seinem Facebook-Profil ein aktuelles Foto zu sehen, dass mehrere Leute beim Besprühen eines Zugwaggons zeigt. Auf einem anderen Profil, das zu seinem Gedenken angelegt wurde, findet sich ein Foto, das ein Graffiti des 15-Jährigen zeigen soll.

Das Gelände gehört der Deuna Zement GmbH, sie wollte sich nicht zu dem Vorfall äußern. Der Betrieb ist für die Absicherung verantwortlich. Die Polizei macht keine Schuldzuweisungen. "Es ist unvorstellbar, so ein Gelände abzusperren. Das sind riesige Bahnanlagen. Jeder Schienenweg müsste abgesperrt sein. Man muss sich im Klaren sein, dass ein Spielen auf so einem Gelände gefährlich ist." Bisher ist nicht klar, ob es sich um eine Mutprobe handelt. Der Fall wurde der Staatsanwaltschaft übergeben, eine Obduktion angeordnet.

Lebensgefahr in der Nähe von Oberleitungen

Erst im Mai war ein Neunjähriger an fast der gleichen Stelle verunglückt. Auch er bekam einen Stromschlag, konnte aber gerettet werden. Im November war in Brandenburg ein 13-Jähriger gestorben, der auf einem Kesselwagen in Rathenow (Havelland) einen schweren Stromschlag erlitten hatte.

Immer wieder warnen Polizei und Bahn vor den Gefahren an den Oberleitungen. Das Klettern auch nur in der Nähe der stromführenden Trassen, also an Fahrleitungsmasten, Gebäudeteilen und Fahrzeugen sei lebensgefährlich. Auch ohne Berührung kann es dabei zu einem so genannten Lichtbogen kommen, bei dem Elektronen in der Luft den Stromkreis zwischen Leitung und Mensch schließen.

Nach Angaben der Bahn gab es in den vergangenen drei Jahren bundesweit mehr als 20 solcher Unfälle, wobei jeder dritte Fall tödlich ende.

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