
Marode Straßen in Berlin und Brandenburg - Schlagloch auf Schlagloch
Alle Jahre wieder dasselbe Problem: Spätestens nach dem Winter kommen die zerstörten Straßen ans Tageslicht. Das gilt für Ortsdurchfahrten in Brandenburg, aber auch für große Verkehrsadern in Berlin. Im zu Ende gehenden Jahr sollte ein "Schlaglochprogramm" helfen, doch das hat offenbar nicht gereicht, um alle Spuren zu beseitigen.
Berlin hat weiterhin ein Problem mit seinen Straßen. Das Geld für eine umfassende Schlagloch-Sanierung habe in diesem Jahr wieder einmal nicht ausgereicht, ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa in neun von zwölf Bezirken. Die Straßen der Hauptstadt würden immer schlechter.
"Der Substanzverlust der Straßen wird auch in diesem Winter zunehmen", warnte Thomas Schuster vom Tiefbauamt Mitte. "Die bereitgestellten Mittel sind ein Tropfen auf den heißen Stein", hieß es aus dem Tiefbauamt Spandau.
Viele Jahren und viele Millionen seien nötig, sagt der ADAC
33 Millionen Euro haben die Bezirke nach Angaben der Senatsverwaltung für Finanzen 2013 erhalten, um die Straßen instand zu halten. Dazu kamen noch 37 Millionen Euro an Sondermitteln des Senats für Stadtentwicklung für ein "Schlaglochprogramm", zwölf Millionen davon waren Restbestände aus dem Vorjahr. Nach Ansicht des ADAC müssen Berlins Straßen aber grundsaniert werden. Das koste im Jahr geschätzte 100 Millionen Euro - über eine Dauer von fünf Jahren.
Bisher reiche das Geld hinten und vorne nicht, um die Straßen nachhaltig zu verbessern - darin ist sich die Mehrzahl der neun befragten Bezirke einig. Die Straßen im Bezirk seien durchweg schlecht und würden immer schlechter, heißt es aus Spandau. In Pankow schätzt der Bezirksstadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne), dass seit 2001 rund 49 Millionen Euro zusätzlich nötig gewesen wären, um alle Straßenschäden zu beseitigen.
223 Maßnahmen geplant - 133 abgeschlossen
Alle Jahre wieder verursacht der Winter auf Berlins ohnehin desolaten Straßen neue Schäden: Sobald Wasser über die Risse in der Oberfläche in tiefere Straßenschichten sickert und gefriert, entstehen Schlaglöcher. Um das künftig zu vermeiden, müssten nach Einschätzung der Tiefbauämter die Straßen umfassend saniert werden. Die meisten Bezirke konnten im Jahr 2013 jedoch nur das Nötigste ausbessern. "Der Schwerpunkt der Arbeit beschränkt sich auf die Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit", sagte Thomas Schuster vom Tiefbauamt Mitte.
Von 223 geplanten Straßenbaumaßnahmen in diesem Jahr sind nach Angaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung 133 abgeschlossen und 76 noch in Arbeit. 11 wurden auf das Folgejahr verschoben. Für den ADAC ist das zu wenig. Berlins Straßen hätten dringend eine Grundsanierung nötig. "Eine planmäßige Instandhaltung der Straßen erfolgt seit mehr als 15 Jahren nicht", kritisierte Jörg Becker vom ADAC Berlin-Brandenburg. "Die bereitgestellten Mittel reichen nur für Flickwerk."
Ein Problem auch in Brandenburg
Auch Brandenburgs Straßen geben zum Winteranfang ein durchwachsenes Bild ab. Besonders Ortsdurchfahrten in kommunaler Hand weisen erhebliche Mängel auf. Nach Angaben des Landesbetriebs Straßenwesen sind nur 33 Prozent in einem guten Zustand. Bei den Landesstraßen betreffe das immerhin die Hälfte und bei den Bundesstraßen 65 Prozent. Dem Landesbetrieb stehen nach eigenen Angaben für die Unterhaltung von Landesstraßen rund 35 Millionen Euro zur Verfügung; für Bundesfernstraßen, zu denen auch die Autobahnen gehören, sind es rund 75 Millionen Euro. Ein Großteil der märkischen Straßen sind in kommunaler Hand.
Genau darin liege das Problem, sagt die stellvertretende Geschäftsführerin des Brandenburger Städte- und Gemeindebundes, Monika Gordes. "Land und Kreise treten immer mehr Straßen an die Kommunen ab". Dies belaste viele Städte und Gemeinden. Das Geld sei ohnehin knapp und genüge nicht einmal für die Unterhaltung bestehender kommunaler Straßen. Gordes forderte mehr Mittel von Land und Bund. Auch die Idee einer Straßenmaut sei noch nicht verworfen.
schlaglochalarm.de meldet Probleme
Doch nicht jede Kommune hinkt bei der Straßenausbesserung hinterher. In Eberswalde seien etwa zwei Drittel aller Straßen nachhaltig saniert worden, berichtet Stadtsprecher Harald Händel. "Am letzten Drittel sind wir dran." In diesem Jahr seien insgesamt 23 Straßen komplett überholt worden; die übrigen müssten provisorisch "geflickt" werden. Die Stadt investiert laut Händel jährlich einen sechsstelligen Betrag in ihr Straßennetz. Am Geld liege es nicht, es sei immer eine Frage gewissenhafter Planung und der Abwägung von Prioritäten.
Im Vorjahr ereigneten sich nach Information des Landesamtes für Statistik in Brandenburg 41 Unfälle, die auf den Fahrbahnzustand - also Spurrillen, Splitt oder Schlaglöcher - zurückzuführen waren. "Eine geringe Zahl angesichts von 80.000 Verkehrsunfällen im Jahr", konstatiert der Verkehrsexperte Ingolf Niesler vom Polizeipräsidium Potsdam. Dennoch könne der mangelhafte Zustand die Gefahr für Verkehrsteilnehmer durchaus erhöhen.
Acht Baustellen als repartiert gemeldet
Damit Schlaglöcher erst gar keine Schäden anrichten, gibt es immer mehr Informationsdienste im Internet oder für das Smartphone. Einer davon wurde von dem Berliner Unternehmer Stefan Strauß 2011 ins Leben gerufen. Unter schlaglochalarm.de können Verkehrsteilnehmer Mängel melden und auch Patenschaften für die Behebung übernehmen. "Speziell in Brandenburg gab es seitdem 33 Hinweise", sagt Strauß. Acht hätten Benutzer und einen die zuständige Behörde als repariert gemeldet.



