Bundesanstalt für Materialforschung warnt - Die gefährlichen Böller aus dem Internet
Sie sind besonders laut - und besonders gefährlich. Illegale Böller haben eine so große Sprengkraft, dass sie eine Hand vollständig zerfetzen können. Die Bundesanstalt für Materialforschung warnt in diesem Jahr besonders vor dem Böllerkauf im Internet. Doch die Handchirurgen in Berlin und Brandenburg machen sich wenig Illusionen.
Ein lauter Knall – und die Hand ist ab. Alle Jahre wieder zeigt die Bundesanstalt für Materialforschung (BAM) mit einem Böllertest auf ihrem Übungsgelände in Berlin-Steglitz eindrucksvoll, welche verheerende Folgen Feuerwerkskörper haben können. Ein illegaler Böller zerstört die künstliche Handattrappe fast vollständig, während ein in Deutschland zugelassener Böller weit weniger Schäden anrichtet.
Angeboten werden die teilweise mit Industrie-Sprengstoff hergestellten Böller beispielsweise auf Großmärkten in Slubice, der polnischen Grenzstadt bei Frankfurt (Oder) - zunehmend aber auch im Internet. Deshalb warnt BAM-Pyrotechnik-Experte Christian Lohrer auch davor, Knaller online zu bestellen. "Erst bei der Lieferung oder auf Nachfrage können die Käufer erfahren, ob die Knaller zertifiziert und in Deutschland erlaubt sind".
Für den Verkauf im Internet gelten die gleichen Vorschriften wie für den Ladenverkauf. Feuerwerkskörper dürfen nur drei Tage lang im Geschäft verkauft werden, auch Internetbestellungen dürfen nicht vorher geliefert werden. "Wenn auf einem Produkt mit einem Totenkopf geworben wird oder es keine Bedienungsanleitung auf Deutsch gibt, dann Finger weg!", so Lohrer.

Gliedmaßen nicht auf Eis legen, sondern sauber verpacken
Es sind keine neuen Warnungen, die die BAM ausspricht, doch manche Menschen sind offenbar unbelehrbar. Deshalb stellt sich das Ärzteteam der handchirugischen Klinik am Potsdamer Ernst von Bergmann-Klinikum schon darauf ein, um Silvester herum wieder viel zu tun zu haben.
Für den Fall der Fälle hat der leitende Oberarzt Cord Corterier nützliche Tipps parat: Wer Ersthilfe für jemanden leistet, der sich mit Böllern Finger oder gar die ganze Hand absprengt "dem empfehlen wir, die Gliedmaßen auf keinen Fall auf Eis zu legen, weil dies zu thermischen Schädigungen führt. Die Gliedmaßen sollten nach Möglichkeit so sauber wie möglich verpackt und mit ins Krankenhaus gebracht werden."
25 schwere Handverletzungen allein am Unfallkrankenhaus Marzahn
Auch am Unfallkrankenhaus Marzahn in Berlin muss Chefarzt Andreas Eisenschenk zum Jahreswechsel regelmäßig dutzende Patienten mit schweren Handverletzungen behandeln. Allein im vergangenen Jahr versorgte er mit seinem Team 25 schwere und 100 leichte Fälle durch Silvesterknaller.
Doch nicht alle abgetrennten Finger könne er wieder annähen, sagte Eisenschenk. "Oft müssen wir amputieren." Die Gefahr, die von den Explosionen ausgehe, werde immer wieder unterschätzt. Viele Feiernde hätten sich auch schon im Genitalbereich verletzt, erzählt Eisenschenk: "Sie hatten die Feuerwerkskörper in die Hosentasche gesteckt, während in der Nähe ein anderer Böller explodierte."


