
50 Prozent für die Wildnis - Unteres Odertal jetzt vollständig in öffentlicher Hand
Die Wildnis kann kommen: Der Nationalpark Unteres Odertal hat alle Privatbesitzer im Gebiet entschädigt und besitzt nun mehr als 10.000 Hektar Land. Viele Jahre hat dieser Prozess gedauert. Jetzt soll alles so werden wie früher.
In Brandenburgs einzigem Nationalpark Unteres Odertal gibt es keine privaten Landbesitzer mehr. Die rund 10.400 Hektar Fläche befinden sich komplett in öffentlicher Hand beziehungsweise gehören einem Verein, der im Sinne des Nationalparks tätig ist, wie Parkleiter Dirk Treichel sagte.
"Die privaten Landbesitzer wurden entschädigt oder erhielten Austauschflächen." Die Eigentums- und Nutzungskonflikte im Nationalpark seien damit gelöst. Künftig könne sich auf mehr als 50 Prozent der Fläche Wildnis ausbreiten. Seit mehr als zehn Jahren war darum gerungen worden, private Landbesitzer im Nationalpark mit Austauschgebieten außerhalb der Kernzonen zu versorgen. Der Streit hat eine lange Geschichte - auch vor Gericht.
Mitte 2014 soll ein neues Besucherhaus in Criewen eröffnet werden, wie der Nationalparkleiter ankündigte. Moderne Ausstellungselemente ermöglichten Besuchern beispielsweise eine virtuelle Reise durch den Nationalpark im Nordosten Brandenburgs.
Das Gebiet ist nicht nur Brandenburgs einziger Nationalpark, sondern auch Deutschlands einziger Flussauen-Nationalpark.
Landwirtschaft nur unter Auflagen möglich
Gleich nach der Grenzöffnung begannen 1990 deutsche und polnische Naturschützer zwischen Hohensaaten und Stettin (Szczecin) ein grenzüberschreitendes Naturschutzprojekt. Seit 1995 ist der deutsche Teil als Nationalpark ausgewiesen - einer von deutschlandweit 14 Nationalparks.
Deutschlands einziger Flussauen-Nationalpark ist Brutgebiet für zahlreiche Vogelarten. Weißstorch, Eisvogel und Uferschnepfen sind hier zu beobachten. Zudem bieten die Wiesen an der Oder Zugvögeln wie dem Singschwan ein Rastgebiet. Auch zahlreiche vom Aussterben bedrohte Pflanzenarten sind in dem rund 10.500 Hektar großen Areal zu finden.
Nationalparks haben laut Bundesnaturschutzgesetz zum Ziel, in einem überwiegenden Teil ihres Gebiets den möglichst ungestörten Ablauf der Naturvorgänge zu gewährleisten. Der natürliche Ablauf des Ökosystems steht auch im Unteren Odertal an erster Stelle. Etwa die Hälfte der Fläche soll langfristig Wildnisgebiet werden, bislang sind es lediglich rund 1.350 Hektar.
Auf der restlichen Fläche soll weiterhin extensive Landwirtschaft unter Auflagen möglich sein. So wird etwa die Zahl der Nutztiere begrenzt oder bei der Bewirtschaftung der Nutzflächen auf die Brutzeiten der Vögel Rücksicht genommen. Zudem müssen Rückzugsgebiete für die Tiere bestehen bleiben.



