Radfahrer melden gefährliche Kreuzungen - Horror am Hermannplatz
Vier Wochen lang waren die Berliner aufgefordert, die für Radfahrer gefährlichsten Stellen in der Stadt zu benennen. Und tatsächlich gingen auf der entsprechenden Website des Senats tausende Hinweise ein. Doch es gibt auch Radler, die sich fragen, was das soll.
Der Aufruf an die Berliner, gefährliche Stellen für Radfahrer zu melden, hat offenbar gefruchtet. Gut vier Wochen nach der Freischaltung von radsicherheit.berlin.de sind auf der Website des Senats rund 4.700 Hinweise auf gefährliche Kreuzungen, zugeparkte Radwege und schlecht einsehbare Wegverläufe eingegangen.

Die Nutzer eines Internet-Portals zur Radsicherheit stufen unter anderem die Situation beim Abbiegen am Kottbuser Tor in Kreuzberg als besonders heikel ein. Weitere “Hotspots“ waren unter anderem die Westfälische Straße in Halensee, die Neuköllner Sonnenallee und die Oranienstraße in Kreuzberg.
Mit Blick auf das gesamte Stadtgebiet wird vor allem kritisiert, dass viele Radwege zugeparkt sind. Mehr als 500 Nutzer des Portals forderten dafür härtere Strafen.
Auf Platz eins steht allerdings der Hermannplatz in Neukölln. "Horror am Hermannplatz" kommentieren Nutzer die Kreuzungen. Vor allem die "selbstmörderische Radwegbenutzungspflicht" steht in der Kritik. Hier herrsche Chaos. Hier gab es berlinweit auch die meisten Unfälle (21), so Bernd Zanke vom ADFC Berlin. Er plädiert für Radspuren auf den Straßen, "das ist die sichere Lösung".
Nur noch bis zu diesem Dienstag konnten Probleme gemeldet und Verbesserungsvorschläge gemacht werden. Bis Mitte kommenden Jahres soll dann ein Sicherheitskonzept erarbeitet werden, erklärte der Staatsekretär für Verkehr, Christian Gaebler (SPD), am Dienstag im rbb. Man werde jetzt alle Anmerkungen auswerten und die gefährlichsten Stellen möglichst schnell entschärfen, versprach Gaebler.
Finanziert wurde das vierwöchige Projekt vom Bundesverkehrsministerium. Berichten zufolge haben zehntausende Menschen die Seite angeklickt.
Radler bezweifeln Sinnhaftigkeit der Aktion
In Radlerforen gibt es allerdings durchaus Kritik an der Aktion. Es gebe ja seit Jahren die Unfallkommission, in der Senat, der Fahrradclub ADFC, Bezirke und Polizei Gefahrenpunkte analysieren und Kreuzungen anschließend umbauen. In den vergangenen acht Jahren wurden so 64 Brennpunkte komplett und 32 teilweise entschärft. Auf der Warteliste stehen allerdings weitere 1.400 gefährliche Stellen.
Im vergangenen Jahr waren mehr als 7.300 Radfahrer in Unfälle verwickelt. 684 von ihnen mussten schwerverletzt ins Krankenhaus. Die folgende Übersichtskarte zeigt die statistisch gesehen gefährlichsten Kreuzungen für Radfahrer bezogen auf die Unfallstatistik.




