Das Berliner Landgericht in der Littenstraße im Bezirk Mitte (Bild dpa)

Prozessbeginn nach Messerstecherei wegen arabischer Großfamilie - Wer gegen den Clan aussagt, lebt gefährlich

18 Mal hatten die Angreifer in einem Berliner Wettbüro auf den Mann eingestochen. Nun stehen drei der vier Tatverdächtigen des Überfalls vom März 2013 vor Gericht. Laut Staatsanwaltschaft wollten sie sich rächen, weil das Opfer zuvor gegen eine arabische Großfamilie ausgesagt hatte.

Vor dem Berliner Landgericht müssen sich seit Montag drei Männer wegen eines Messerangriffs verantworten. Die Angeklagten schwiegen zum Prozessauftakt. Sie sollen zusammen mit einem weiteren, unbekannten Täter im März 2013 einen Mann in einem Wettbürocafé im Stadtteil Charlottenburg schwer verletzt haben.

Laut Staatsanwaltschaft wollten sich die Angreifer an dem 40-Jährigen rächen, weil er vor Gericht gegen ein Mitglied einer arabischen Großfamilie ausgesagt hatte. Demnach stachen die Angeklagten achtzehn Male auf den Libanesen ein, um sein linkes Bein dauerhaft bewegungsunfähig zu machen. Sie sollen in das Café kurz nach Mitternacht eingedrungen sein und sich sogleich auf den Libanesen gestürzt haben, der in einem Hinterzimmer Karten spielte.

Danach waren die Täter in einem Auto geflüchtet, das auch von Mitgliedern einer mittlerweile verbotenen Rockergruppe genutzt wurde. Das führte die Ermittler unter anderem auf die Spur der Tatverdächtigen. Die Verdächtigen waren im Juli 2013 festgenommen worden.

10.000 Euro Schweigegeld

Der damals 31 Jahre alte Haupt-Verdächtige verfügt nach damaligen Angaben der Oberstaatsanwaltschaft über Beziehungen zu einer in Berlin polizeibekannten arabischen Großfamilie. Außerdem waren laut Justiz Ermittlungen aufgenommen worden, ob ein Mitglied der Großfamilie Auftraggeber des Messer-Angriffs war.

Ein Clan-Mitglied hatte das Opfer nach Angaben der Ermittler bereits 2010 auf offener Straße in Charlottenburg schwer mit einem Messer im Gesicht verletzt. Im darauf folgenden Prozess, in dem es auch um Drogengeschäfte ging, hatte das Opfer das Clan-Mitglied belastet. Um seine Aussage zu verhindern, seien dem Opfer nach Angaben der Ermittler 10.000 Euro angeboten worden. Dieses Angebot lehnte der Mann ab. Außerdem sei er massiv eingeschüchtert worden. Er wurde unter anderem in einen Kofferraum eingesperrt.

Verstärkter Kampf gegen kriminelle Großfamilien

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) hatte im August vergangenen Jahres angekündigt, im Kampf gegen kriminelle Großfamilien alle Register ziehen zu wollen: "Gemeinsam mit der Justiz, Gewerbeaufsicht, Ausländerbehörde und Steuerfahndung werden wir dieses Problem bei der Wurzel packen", sagte Henkel.

Nach Angaben Henkels haben sich in Deutschland mafiöse Teilstrukturen gebildet, in denen die Mitglieder krimineller Clans agieren. Es gehe um Macht, Drogen, Schutzgelderpressung, Geschäfte im Rotlichtmilieu – "um alles, was Geld bringt". Es werde versucht, Wirtschaftsimperien aufzubauen und auf legale Bereiche auszudehnen.

Laut Berliner Staatsanwaltschaft lehnen Teile dieser arabischstämmigen Großfamilien den Rechtsstaat ab und leben nach eigenen Regeln. Probleme werden demnach mit Friedensrichtern an deutschen Gesetzen vorbei geregelt. Immer wieder stehen gewaltbereite Männer auch vor Gericht.

In Berlin leben nach Angaben von Ermittlern sechs arabischstämmige Großfamilien mit weit mehr als 1000 Mitgliedern zum Teil bereits in dritter Generation.

Mit Informationen von Ulf Morling