Fahrgäste gehen in Berlin am Flughafen Tegel am offizielen Taxistand vorbei. (Quelle: dpa)

Taxifahrer vor Gericht - 400 Euro für 10 Kilometer

Von Tegel nach Moabit verlangte er bis zu 400 Euro, mindestens 22 Fahrgäste soll er systematisch betrogen haben. Jetzt muss sich ein 48-Jähriger Taxifahrer vor Gericht verantworten. Der Taxiverband hofft, dass der Prozess abschreckend wirkt. Denn am Flughafen Tegel sollen gleich mehrere Taxifahrer Wucherpreise kassieren. Von Robin Avram

Umringt von Kamerateams und eingetaucht in Blitzlichter kam der Mann am Donnerstagvormittag in den Gerichtssaal, rüde stieß sein Anwalt einen Fotografen zur Seite.

Von einem mexikanischen Fahrgast soll der Taxifahrer 400 Euro für eine Fahrt vom Flughafen Tegel nach Moabit verlangt haben. Und dafür steht er nun vor dem Amtsgericht Tiergarten und sorgt für erhebliche mediale Aufmerksamkeit. Denn dem 48-Jährigen werden 21 weitere solcher Fahrten zu Wucherpreisen vorgeworfen zwischen März 2012 und Mai 2013. Zum Prozessauftakt schwieg der Mann zu den Vorwürfen.

"Das ist kein Einzelfall, deswegen bin ich hocherfreut, dass es endlich zu einem Prozess gekommen ist", kommentiert Detlev Freutel den seines Wissens nach ersten Gerichtstermin gegen einen Taxifahrer, der Wucherpreise verlangt. Der Geschäftsführer des Taxiverbandes Berlin-Brandenburg geht davon aus, dass am Flughafen Tegel "ein harter Kern von rund zehn Taxifahrern" Fahrgäste auf die gleiche Art und Weise betrügt – zum Leidwesen der ehrlichen Fahrer, die um ihren Ruf fürchten. Erst in der vergangenen Woche habe es wieder einen Betrugsfall gegeben. Es sei auch schon zu Schlägereien zwischen Taxifahrern gekommen.

"Nicht wenige Fahrgäste zahlen anstandslos 150 Euro"

Ganz gezielt soll der angeklagte 48-Jährige seine Opfer am Flughafen Tegel ausgesucht haben. Den Ermittlungen zufolge postierte er sich im Halteverbot, abseits der regulären Taxistände, und ging aktiv auf bestimmte Fahrgäste zu - etwa auf Japaner, die aus Tokio hohe Taxipreise gewohnt sind. "Nicht wenige Fahrgäste zahlen anstandslos 150 Euro, obwohl der reguläre Preis 23 Euro beträgt", berichtet Freutel. Fahrgäste, die sich geweigert hatten, die überhöhten Preise zu bezahlen,  soll der Taxifahrer beschimpft und auch bedroht haben.

Ins Rollen kam der Prozess durch Beschwerden geschädigter Touristen bei den Taxiverbänden und bei Hotels, die sich dann an die Polizei wandten. Bereits im Jahr 2012 hatte das Landeskriminalamt wegen der hohen Anzahl von Anzeigen gegen betrügerische Taxifahrer sogar eine Sonderkommission gegründet.

Zeugen müssen aus halb Europa anreisen

Dass es erst jetzt zu einem Prozess gegen einen der Täter kommt, liegt auch am hohen Aufwand für die Beweisführung, räumt Gerichtssprecher Tobias Kaehne ein. Als Zeugen geladen sind geschädigte Fahrgäste aus Spanien, Frankreich, Finnland, Belgien, Großbritannien und der Schweiz. "Der mexikanische Fahrgast, der 400 Euro zahlen musste, wurde nicht vorgeladen, weil der Aufwand zu hoch gewesen wäre", erläutert Kaehne. Er erwartet aber, dass Zeugen aus dem europäischen Ausland für den Prozess anreisen.

Deren Reisekosten plus Entschädigungen für Verdienstausfälle müsste der angeklagte Taxifahrer zahlen - wenn er denn verurteilt werden sollte. Darauf baut Taxiverband-Chef Freutel. "Ich erwarte ein großes Ausrufezeichen für die Kollegen des Täters", sagt er, denn weiterhin würden am Flughafen Tegel Fahrgäste betrogen - trotz Plakatkampagnen und ausgeweiteten Kontrollen. Das Ordnungsamt habe zu wenig Personal, um den Betrügern das Handwerk zu legen. Insgesamt sind fünf Prozesstage angesetzt, das Urteil wird Anfang Februar erwartet.

Beitrag von Robin Avram, mit Material von Ulf Mohrling (Gerichtsreporter radioBerlin 88,8)

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