Polizeibeamte untersuchen am 11.01.2014 in Berlin den Tatort einer Schießerei. (Bild dpa)
Abendschau | 24.01.2014 | Andreas Jöhrens

Neue Ermittlungsergebnisse - In "Wettbüro-Mord" ist auch ein Polizist verstrickt

Am 13. Januar stürmen 13 Männer ein Wettbüro in Berlin-Reinickendorf und richten einen Mann regelrecht hin. Nach der Festnahme von sechs Tatverdächtigen äußert sich die Polizei erstmals zu den Ermittlungen im Rocker-Milieu – und räumt ein, dass auch ein Polizist in den Fall verwickelt ist.

Am Donnerstag stellte sich Kadir P. der Polizei. Der 29-Jährige ist Anführer des inzwischen verbotenen Rockerclubs "Hells Angels MC Berlin City". Nun gibt die Polizei bei einer Pressekonferenz bekannt: Kadir P. steht im Verdacht, den brutalen Mord am 13. Januar in einem Wettbüro in Reinickendorf in Auftrag gegeben zu haben. Auch der mutmaßliche Schütze sowie vier Mittäter sitzen inzwischen in Haft - damit sei der Fall weitgehend aufgeklärt.

Die Ermittler präsentierten Videoaufnahmen einer Überwachungskamera. Sie verdeutlichen die kalte Brutalität der Tat. 13 Männer stürmen um 23 Uhr das Wettbüro expect.com, rennen zielgerichtet in das Hinterzimmer, wo Tahir Ö. am Spielautomaten sitzt. Innerhalb von fünf Sekunden feuert der Schütze acht Schüsse auf das Opfer ab, sechs davon treffen Tahir Ö. in den Oberkörper, er ist sofort tot. Dieser "gemeinschaftliche Mord", so der Tatvorwurf, sei verdeckten Ermittlungen zufolge ein Racheakt gewesen für eine Messerstecherei, in die auch ein Polizist verwickelt ist.

Ein Totenkopf mit Flügeln ist das Symbol der Motorradgang Hells Angels (Quelle: dpa)
Mit dem Mord wollten sich Hells Angels-Mitglieder offenbar für eine Messerattacke des Opfers rächen.

Mord war offenbar ein Racheakt

Konkret soll der Polizist zusammen mit dem getöteten Tahir Ö. und einem weiteren Mann am 13. Oktober 2013 an einem Streit mit Türstehern beteiligt gewesen sein. Die drei Männer seien an der Discothek "Traffic" am Alexanderplatz abgewiesen worden, daraufhin habe Tahir Ö. ein Messer gezückt. Damit verletzte er einen anderen Gast, der beim Streit dazwischen ging. Dieser Mann, so die Ermittler, gehöre der Rockerszene an – deshalb habe Kadir P. den Mord an Tahir Ö. in Auftrag gegeben.

Für diesen Hergang gibt es offenbar Belege, auf die die Polizei nicht näher eingehen wollte. Demnach hätten die Ermittler sogar versucht, Tahir Ö. vor dem bevorstehenden Mordanschlag zu warnen, der habe sich aber zu diesem Zeitpunkt im Ausland aufgehalten.

Gegen den Polizisten, teilte die Polizei auf Nachfrage mit, laufen nun disziplinarrechtliche Ermittlungen. Die Fahndung nach den den acht anderen Männern, die beim Mord an Tahir Ö. dabei waren, dauern an.

 

Beitrag von Andreas Jöhrens

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