Vom Künstler Kiddy Citny bemaltes Mauerstück am Potsdamer Griebnitzsee: Ein weißer Farbstrich zieht sich durch gemalte Köpfe (Quelle: dpa)

Brandenburger sehen Ost-West-Unterschiede - "Mauer in den Köpfen" ist noch da

Der Fall der Berliner Mauer jährt sich in diesem Jahr bereits zum 25. Mal - doch zumindest in den Köpfen vieler Brandenburger steht sie immer noch: Einem Zeitungsbericht zufolge sieht eine klare Mehrheit noch große Unterschiede zwischen Ost und West. Unter den Anhängern zweier Parteien ist diese Ansicht besonders verbreitet.

Mehr als die Hälfte der Brandenburger sieht knapp 25 Jahre nach dem Mauerfall große Unterschiede zwischen Ost und West. Einer Umfrage im Auftrag der "Märkischen Allgemeinen" zufolge gaben 60 Prozent der Befragten an, es gebe noch immer "eine Mauer in den Köpfen".

Fast zwei Drittel der 45- bis 59-Jährigen glauben, dass die Wiedervereinigung nur auf dem Papier stattgefunden habe, schreibt das Blatt am Samstag. Bei den 18- bis 29-Jährigen nehme mehr als die Hälfte eine Kluft zwischen Ost und West wahr.

Besonders verbreitet ist die Meinung, dass die "Mauer in den Köpfen" noch besteht, unter Anhängern der Grünen (69 Prozent) und der Linkspartei (64 Prozent). Bei Sympathisanten von SPD (56 Prozent) und CDU (55 Prozent) sind die Werte deutlich niedriger.

Laut der Zeitung wurden für die repräsentative Umfrage im Dezember 2013 mehr als 1000 Brandenburger ab 18 Jahren von der Meinungsforschungsgesellschaft Forsa befragt.

Ulrike Poppe: "Das braucht Geduld."

Poppe: "Ungleiche Verhältnisse für alle spürbar"

Brandenburgs Aufarbeitungsbeauftragte Ulrike Poppe geht davon aus, dass es noch etwas Geduld braucht, bis die Wiedervereinigung auch in den Köpfen vollzogen ist. Sie rechnet damit erst in der nächsten Generation. "Es gibt noch ungleiche Lebensverhältnisse, das ist für alle spürbar", sagte Poppe der "Märkischen Allgemeinen".

Hubertus Knabe, Direktor der Gedenkstätte Berlin Hohenschönhausen, zeigte sich der "Märkischen" gegenüber überrascht vom Ergebnis der Umfrage. Vor allem in der jüngeren Generation habe seiner Beobachtung nach die "Mauer in den Köpfen" an Bedeutung verloren - und in Berlin, wo Ost und West sich viel stärker vermischt hätten als in Brandenburg, spiele die Teilung kaum noch eine Rolle.

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