Pillen-Bande vor Gericht (Quelle:dpa)
Brandenburg aktuell | 28.01.2014 | Nina Bednarz

Laut Anklage 21 Millionen Euro mit Imitaten verdient - "Pillen-Bande" steht in Potsdam vor Gericht

Sie sollen Tausenden Kunden im Internet gefälschte Potenz- und Schlankheitsmittel verkauft haben: Seit Dienstag wird acht Männern und Frauen in Potsdam der Prozess gemacht. Mit dem Handel der Imitate nahmen die Beschuldigten laut Anklage mehr als 21 Millionen Euro ein - ein Großteil des Geldes ist verschwunden. Von Lisa Steger

Besucher des Potsdamer Landgerichts müssen sich am Dienstag, durchsuchen lassen. Es sind Einlasskontrollen wie bei einem Prozess gegen Rockerbanden. Unbekannte sollen Staatsanwälte bedroht haben und die legen nun Wert darauf, mit ihren Namen nicht in den Medien zu erscheinen. Die Akten umfassen bereits 15.000 Seiten, allein die Anklageschrift ist über 400 Seiten stark. "Eine Gruppe krimineller Abenteurer, die sich hemmungslos bereichert hat", heißt es bei der Verlesung der Anklageschrift. In drei Jahren haben die sieben Männer und eine Frau laut Staatsanwaltschaft mit Potenz- und Diätpillen einen Gewinn von mehr als 21 Millionen Euro gemacht haben – in einem weltumspannenden Netz von Tarnfirmen und Strohmännern. Gerichtssprecher Frank Tiemann nennt die Vorwürfe im Einzelnen: "Im Vordergrund stehen Betrugsdelikte, aber auch Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz". Dazu kommen Verstöße gegen das Markenrecht und Steuerhinterziehung.

Wirkungslos, aber abstrakt gefährlich

Über Bulgarien und Tschechien sollen die acht Angeklagten gefälschte Potenz- und Schlankheitsmittel eingeschleust haben. Die meisten Tabletten kamen aus China, hergestellt in illegalen Arzneiküchen. Die Pillen wurden nicht kontrolliert, und die Hersteller hatten keine medizinische oder pharmazeutische Ausbildung, so Frank Tiemann.

Die Arzneimittel, die die Angeklagten vertrieben haben, sollen zwar überwiegend keine Wirkstoffe enthalten haben. Wenn aber doch welche gefunden wurden, waren die in Deutschland nicht zugelassen. Damit riskierte die mutmaßliche Betrügerbande die Gesundheit ihrer Kunden, sagt Apothekerin Inken Zander. "Bei Bluthochdrucks-Patienten, beziehungsweise Diabetikern muss man wirklich vorsichtig sein, dass die keine lebensbedrohlichen Erkrankungen oder bis hin zum Tod erleiden."

Vertrieben wurden die Pillen über das Internet. Drei der Angeklagten sollen Seiten mit Namen wie "Pillendienst" oder "Männerapotheke" aufgebaut und Spam-Mails verschickt haben. Eine dieser Internetseiten erreichte rund 240.000 Käufer.

Richter Dielitz zum Auftakt des Pillen-Banden-Prozesses (Quelle:dpa)
Der Vorsitzende Richter Andreas Dielitz.

Abrechnung über Nummernkonten im Ausland

Ein 52-Jähriger aus Treuenbrietzen soll über ein selbstentwickeltes Bezahlsystem das Geld der Kunden auf Nummerkonten beispielsweise auf Zypern geleitet haben - offiziell betrieb er einen Teehandel. Die Gewinne  waren hundertmal so hoch wie beim Heroin-Handel, so der Staatsanwalt am Dienstag wörtlich. Für den bandenmäßigen Betrug kommen üblicherweise Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren in Betracht. Bei diesem Prozess zeichnet sich allerdings ein milderes Urteil ab, denn das Gericht bot den Angeklagten einen Deal an: Umfassende Geständnisse gegen Strafrabatt.

Auch die Staatsanwälte zeigten sich zum Auftakt des Verfahrens dafür offen. Ihr Vorschlag lautet: Haftstrafen für die drei mutmaßlichen Haupttäter, Bewährungsstrafen für die fünf anderen Angeklagten. Sichergestellt aus dem Gewinn wurden bislang nur 2,4 Millionen Euro, die restlichen 18,6 Millionen bleiben verschwunden. Ende März soll das Urteil fallen. Das Verfahren zieht schon Kreise:  Weitere elf Menschen sind bereits angeklagt und müssen nun ebenfalls mit einem Strafprozess rechnen.

Beitrag von Lisa Steger

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