ARCHIV - Singschwäne, zu erkennen an ihren gelben Schnäbeln, sind am 12.02.2010 im überschwemmten Poldergebiet des Nationalparks Unteres Odertal (Quelle: dpa)

Singschwantage im Unteren Odertal - "Das ist wie Mallorca hier für die Singschwäne"

Der Frost schreckt sie nicht, für die Singschwäne ist es warm im Unteren Odertal, ihrem Winterquartier. Und viele Besucher der Gegend schwärmen von ihren Stimmen. Von Freitag bis Sonntag gibt es wieder die traditionellen Singschwantage in der Uckermark. Dann führen Ranger zu den Plätzen, an denen sich die Vögel versammeln und ausgiebige Konzerte geben.

Sie kommen aus Skandinavien und dem Baltikum und überwintern hier im warmen Deutschland. "Das ist wie Mallorca hier für die Singschwäne", erklärt Ranger André Pataki. Dass es nun, nach dem bisher milden Winter, doch noch knackig kalt geworden ist, störe die Schwäne überhaupt nicht. Nur die Gänse rücken jetzt ab - in Richtung Westen und Golfstrom.

Info

Die Singschwantage vom 24.-26.1.

- Die Touren starten am Nationalparkhaus in Criewen.

- Angebracht sind winddichte warme Kleidung und ein Fernglas (letzteres kann man sich auch vor Ort ausleihen).

- Verpflegung: Vor Ort im Nationalparkzentrum und bei regionalen Anbietern.

- Übernachtung: In Criewen und Umgebung gibt es mehrere kleine Pensionen.

- Bahnreisende fahren am besten mit dem RE3 nach Schwedt und von dort mit dem Linienbus der UVG nach Criewen.

Schwanenversammlung in der Flussaue

Am Freitag beginnen die mittlerweile achten Singschwantage im Nationalpark nahe Schwedt an der Oder. Für die Besucher bringt der Wintereinbruch vor allem Vorteile mit sich: Noch vergangene Woche waren die Vögel in kleinen Gruppen über den ganzen Nationalpark verteilt. Nun sind sie leichter aufzuspüren, denn sie sammeln sich in großen Gruppen an den offenen Wasserstellen auf den Überflutungswiesen der Flussaue. Hunderte Singschwäne suchen an einer Wasserlache nach Wasserpflanzen. An den bereits zugefrorenen Flächen ragen Gräser oder umgestürzte Baumstämme aus dem Eis und verwandeln die Wiesen in eine postkartenreife Winterlandschaft.

Ranger André Pataki im Nationalpark Unteres Odertal (Foto:rbb/Katja Geulen)
Ranger André Pataki zeigt, wo sich die Singschwäne sammeln.

Wo es etwas zu fischen gibt, tummeln sich auch andere Vögel. Mit geübten Auge erkennt Ranger Pataki sofort mehrere Silberreiher und Stockenten, einzelne seltene Zwergtaucher und Raubwürger. Auf einem kahlen Baum lauert außerdem ein Seeadler. Mit einem Feldstecher ist das alles noch besser zu beobachten.

Die Singschwäne zeigen ihre ganze Schönheit: langer gerader Hals, gelber Schnabel und eine anmutige Körperhaltung beim Singen. Es klingt wie ein melancholisches Glockenläuten, wenn alle gemeinsam die Schnäbel öffnen. "Die Rufe können eine Begrüßung sein, wenn neue Schwäne hinzukommen. Sie dienen aber auch dazu, den Partner wiederzufinden. Die Schwäne buhlen jedes Jahr um den gleichen Partner, sie sind ihr Leben lang monogam", erklärt der Ranger.

Seit tausenden Jahren verehrt

Vielleicht weil es so romantisch ist und die Rufe so beeindruckend, werden die Schwäne seit tausenden Jahren verehrt. Von den Kelten als Tier der Reinheit und des Lichts, die Germanen vermuteten verwandelte Jungfrauen in der Schwanengestalt, und für die Griechen hatte der Schwan hellseherische Fähigkeiten. So schwant uns – zumindest sprachlich – noch heute Unheil, weil die Tiere angeblich ihren eigenen Tod vorhersehen können.

Im unteren Odertal geht es aber zunächst darum, den Winter gemeinsam zu verbringen, bevor die Vögel dann im Frühjahr an ihre Brutplätze im Norden zurückkehren. Besonders aktiv sind die Vögel morgens nach Tagesanbruch und abends, wenn sie sich zur "Singschwansinfonie" wieder zusammenfinden. Aber auch im Laufe des Tages sind die Tiere zu finden, entweder direkt in der Flussaue, oder auf den benachbarten Feldern.

Beitrag von Katja Geulen

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