Glockenguss in Innsbruck (Quelle: Sabine Tzitschke/rbb)

Fertigstellung verzögert sich - Guss für Frankfurter Glocke gescheitert

Nach 69 Jahren sollte die Hauptkirche von Frankfurt (Oder) endlich vier neue Glocken bekommen – darunter die größte Brandenburgs. Eigens für den Glockenguss reiste eine Frankfurter Delegation nach Innsbruck. Doch statt Jubel gab es enttäuschte Gesichter: Die Form hielt der über 1000 Grad heißen Bronze nicht stand.

"Fest gemauert in der Erden
Steht die Form, aus Lehm gebrannt.
Heute muß die Glocke werden.
Frisch Gesellen, seid zur Hand."

So dichtete Friedrich Schiller im Jahr 1799. 215 Jahre später mussten die Mitglieder des Förderverein "St. Marien" in der Glockengießerei Glassmayr in Innsbruck feststellen: Heute wurde die Glocke, für die sie vier Jahre lang Spendengelder sammelten, nichts.  Beim Guss des über fünf Tonnen schweren Geläuts trat die glühende Bronze aus der Form aus. Der Druck war zu groß.

360.000 Euro Spendengelder für neue Glocken

Vier Jahre lang hatte der Förderverein zuvor insgesamt rund 360.000 Euro Spendengelder gesammelt, damit im Turm der Sankt-Marien-Kirche in Frankfurt (Oder) wieder mächtige Glockentöne erklingen. 150.000 Euro gab die Stadt Frankfurt (Oder) für die Turmsanierung hinzu. Bis 1945 hatten im Glockenstuhl noch die größten Glocken in ganz Brandenburg geläutet, ehe sie nach einem Bombenangriff schmolzen und zu Boden stürzten.

Der Guss der beiden kleineren Glocken verlief am Nachmittag erfolgreich. Am Montag wollen sich die Verantwortlichen der Gießerei nun an eine Neuformung machen. Der Förderverein hofft, dass der Guss im nächsten Monat klappt, damit die größte Glocke Brandenburgs wie vorgesehen noch zu Pfingsten eingeweiht werden kann. Mehrkosten entstünden dadurch nicht, hieß es.

Auch in der Lausitz misslang Glockenguss

Auch die Kirchengemeinde Neukirch in der sächsischen Lausitz musste im Dezember 2013  ähnliche Misstöne verkraften. Die Gemeinde hatte in einer Glockengießerei in Passau vier Glocken in Auftrag gegeben, deren Ausführung misslang. Die Gemeinde annullierte den Auftrag und einigte sich außergerichtlich mit der Gießerei darauf, auf 7.000 Euro zu verzichten.