
Zoo plant Stromzaun gegen Fuchsproblem - "Fuchs, du hast den Pinguin gestohlen"
Hier stehen nicht Gänse oder Kanninchen auf dem Speiseplan, sondern kleine Kängurus oder Pinguine: Wilde Füchse reißen immer häufiger Zootiere im Berliner Zoo. Zum Schutz der Tiere soll nun ein Stromzaun aufgebaut werden. Doch so einfach lässt sich der Fuchs nicht aussperren.
Sie kommen nachts, schleichen sich in den Zoo und reißen Tiere, die keine Möglichkeit zur Flucht haben: Im Berliner Zoo treiben wilde Füchse ihr Unwesen. Laut Zoo-Angaben haben Füchse in den vergangenen Wochen rund 40 Tiere gerissen, so viele wie noch nie. Darunter sollen auch kleine Kängurus, Zwerg-Antilopen und Pinguine sein.
Jetzt soll mit Hilfe von Stromzäunen aufgerüstet werden, um künftig das Wildern von Füchsen einzudämmen. Weidezaungeräte, wie sie auf Bauernhöfen und Pferdekoppeln eingesetzt werden, sollen zumindest ein wenig Abhilfe schaffen, wie Zoo-Kurator Heiner Klös am Mittwoch dem rbb sagte.

"Die leichte Beute holt man sich immer zuerst"
Das sei aber nur ein Versuch, denn Füchse seien ganz schwer auszusperren. So könnten die Tiere sehr gut springen und hätten viele andere Möglichkeiten, in ein Gehege einzudringen, indem die Tiere zum Beispiel Tunnel buddeln. So müsste der Zaun eine Höhe von drei Metern haben und 80 Zentimeter tief in die Erde reichen, sagte Klös gegenüber dem "Tagesspiegel".
Vorwürfe kann der Zoo-Biologe trotz aller Umstände dem Fuchs aber nicht machen: "Er hat ja auch Hunger. Die leichte Beute holt man sich immer zuerst," sagte er dem rbb weiter.
"Sicherheitslücke" im Zoo?
Seit mittlerweile zehn Jahren kommen die Füchse in den Zoo und "bedienen" sich. In den Medien wurde über eine Vergrößerung des Fuchsbestandes in der Nähe des Zoos spekuliert, doch das kann der Wildtierexperte der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung nicht bestätigen. Es sei unwahrscheinlich, dass sich auf dem Gelände mehrere Reviere angesiedelt hätten, so der Wildtierexperte Dirk Ehlert. Seit Jahren gebe es ein einzelnes Fuchsrevier, ein zweites liege in der Nähe.
Den Fuchsbestand schätzt er auf rund 1.600 Exemplare in der Stadt. Er habe sich in den letzten Jahren nicht vergrößert. Dass Füchse im Zoo auf die Jagd gehen, sei nichts Neues. Deshalb vermutet Ehlert eher eine "Sicherheitslücke". Beschädigte Drahtzäune oder defekte Gitter könnten eine Ursache für die verstärkten nächtlichen Beutezüge der Füchse sein.
Künftiger Zoo-Chef auf Antrittsbesuch
Das Fuchsproblem war auch ein Thema auf einem Treffen zwischen dem künftigen Zoo-Direktor Andreas Knieriem und dem Förderverein für Zoo und Tierpark am Dienstag. Hier stellte sich Knieriem den Fragen der etwa 300 anwesenden Mitglieder. Auf die Frage, was gegen die Füchse getan werden soll, zeigte Knieriem sich zunächst von seiner huorvollen Seite. Er würde auch gerne mal im Zoo leben, wenn er ein Fuchs wäre. Knieriem musste aber einräumen, dass er bereits selbst Schlupflöcher entdeckt habe. Er zeigte sich aber zuversichtlich: "Umfriedung ist ein Thema."
Bei seinem Antrittsbesuch bei den Berliner Tier-Freunden kündigte er auch einen Ziel- und Entwicklungsplan für Zoo und Tierpark an: So sollen lange Warteschlangen vor den Kassen verhindert werden, die Ausschilderungen verbessert und den Tieren mehr Platz eingeräumt werden.



