Wartende Taxis am Flughafen Schönefeld (DPA)

Kostenpflichtige Schulung - Freundlichkeits-Seminar für Berliner Taxifahrer

Herz mit Schnauze - dafür sind die Berliner bekannt. Doch zumindest die "Schnauze" soll den Taxifahrern der Stadt offenbar abgewöhnt werden. Verband, Innung und Taxizentrale bieten ihren Fahrern eine neue, kostenpflichtige Schulung an: den "VIP Qualitiy Taxi Service". Damit soll auch gegen die schwarzen Schafe im Gewerbe vorgegangen werden.

Taxifahrer in Berlin haben es nicht leicht: Der Konkurrenzdruck ist hoch, auch durch private Chauffeur-Dienste oder Car-Sharing-Anbieter, und die Bezahlung ist schlecht. Dennoch sollen sie den Fahrgästen höflich begegnen - auch den schlecht gelaunten. Damit das auch klappt, bieten Verband, Innung und Taxizentrale ihrern Fahrer eine neue Schulung an.

In dem kostenpflichtigen Seminar werden die Fahrer in Verkehrsrecht, gesetzlichen Grundlagen, Fahrstil und eben auch im Umgang mit dem Fahrgast unterrichtet. So sollen sie etwa den Kunden die Tür aufhalten oder sich zum Begrüßen zum Fahrgast umdrehen, wenn dieser hinten einsteigt.

Wer die zweitägige Veranstaltung erfolgreich absolivert, darf am "VIP Quality Taxi Service" teilnehmen, und erhält dann mehr Aufträge von der Zentrale. Doch ein Bestehen der Prüfung ist nicht selbstverständlich - etwa ein Fünftel der Kursteilnehmer seit Anfang Januar sei durchgefallen, heißt es vom Taxiverband.

Nützliche Schulung oder "Pippifax"?

Noch kann nicht jeder Kunde ein VIP-Taxi buchen - bislang gibt es zu wenige geschulte Fahrer. 40 Euro kostet das Seminar, dazu kommt der Verdienstausfall an den zwei Tagen. Die ersten Fahrer haben die Schulung bereits absolviert. Sowohl Schulungsleiter als auch die Teilnehmer hätten ein positives Fazit gezogen, heißt es auf der Internetseite des Unternehmerforums Taxi Berlin.

Die Nachfrage von Seiten der Fahrer und Unternehmen sei hoch, die Kurse bis Juni belegt. "Die Fahrer zeigen sehr großes Interesse daran, im Berliner Taxi etwas zu verändern und sich so von den schwarzen Schafen des Gewerbes abzuheben", wird Schulungsleiter Detlev Freutel zitiert. Insgesamt gibt es in Berlin rund 18.000 Taxifahrer.

Einigen erscheint das VIP-Seminar jedoch überflüssig: "Das mache ich sowieso schon seit 34 Jahren", sagt ein Taxifahrer im rbb. "Das ist doch das allerschärfste, für so ein 'Pippifax' 40 Euro zu nehmen, nur um denen beizubringen, dass man aussteigt und die Tür aufmacht. Das ist in Berlin nicht üblich, dass der Taxifahrer aussteigt - bei älteren Leuten ja, da sind wir ja auch gerne behilflich."

Berlin erhöht Taxitarife

Freuen können sich alle Berliner Taxifahrer demnächst über mehr Geld. Der Berliner Senat hat im Januar eine Erhöhung der Tarife beschlossen. Der Taxameter startet künftig bei einem Grundpreis von 3,40 Euro und nicht mehr wie bisher bei 3,20 Euro. Die Kilometerpreise für Fahrten unter sieben Kilometern steigen von 1,65 Euro auf 1,79 Euro, für Fahrten ab sieben Kilometern bleibt der Preis dagegen gleich: 1,28 Euro kostet der gefahrenene Kilometer. Unverändert bei vier Euro liegt der Preis für die Kurzstrecke.

Die neuen Tarife gelten voraussichtlich ab dem 20. Februar. Ganz sicher ist das nicht, weil das Datum der Umstellung davon abhängt, wann die Tarifänderung im Gesetz- und Verordnungsblatt für Berlin veröffentlicht wird.

Zuletzt waren die Taxifahrpreise im Juli 2009 um gut 5 Prozent angehoben worden. Mit der jetzigen Erhöhung werde den Kostensteigerungen des Taxigewerbes Rechnung getragen, hieß es von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

 

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