
Dampfer-Legende fehlen die Fahrgäste - "Hertha" würde "Hertha" kaufen
Nur wenige Passagiere, zugleich Nerv mit randalierenden Fußballfans: Noch fährt der Dampfer "Hertha" auf dem Untersee in Brandenburg, doch seine Tage dort sind womöglich gezählt. Das Fahrgastschiff, auf dem einst der Verein des Bundesligisten gegründet wurde, rentiert sich offenbar nicht wirklich. Hertha BSC ist hingegen an dem Dampfer hoch interessiert. Von Friederike Steinberg
Nach dem Einstieg des Finanzinvestor KKR bei Hertha BSC ist die Kasse des Fußballvereins prall gefüllt und die Kauflaune entsprechend hoch. Das zeigt sich auch im Fall des historischen Dampfers "Hertha". Sollte das Schiff auf den Markt kommen, könne sich der Verein den Kauf durchaus vorstellen, sagte Bernd Schiphorst, Aufsichtsratsvorsitzender von Hertha BSC, im Gespräch mit rbb online. Das Schiff sei ein "authentisches Stück Vereinsgeschichte". Sollte der jetzige Besitzer verkaufen, sei Hertha "grundsätzlich immer gesprächsbereit". Vor rund zwei Jahren stand das Schiff schon einmal zum Kauf - damals war es dem noch klammen Verein zu teuer.
Auf dem Dampfer wurde im Jahr 1892 der Verein Hertha BSC gegründet. Heute fährt das Schiff auf dem Untersee bei Kyritz (Ostprignitz-Ruppin). Einem Medienbericht vom Dienstag zufolge erwägt Besitzer Thomas Flemming einen Verkauf, sollten die Passagierzahlen weiter so niedrig bleiben wie bisher. Im rbb sagte Flemming dazu, ein Verkauf sei nicht in Planung. Aber: "Wir suchen, um eine Wirtschaftlichkeit abzubilden, ein neues Betätigungsumfeld."
"Es stimmt, dass zu wenig Fans der 'Hertha' an Bord kommen", sagte auch Steffen Hahlweg, Geschäftsführer der FGS Fahrgastschifffahrt Wusterhausen GmbH, im Gespräch mit rbb online. Auf die letzten zwei Jahre gesehen seien keine Hundert Anhänger mit dem Schiff gefahren.

"Ein schönes Schiff, aber zu groß"
Interesse von Fußballfans gebe es durchaus, räumte Hahlweg ein. Das Schiff sei aber auch sehr groß und mit nur wenigen Passagieren lohne die Fahrt teils nicht.
Der Dampfer sei ohnehin als Passagierschiff in den Gewässern vor Ort nicht wirklich praktisch, so Hahlweg. "Die 'Hertha' ist ein schönes Schiff, aber zu groß." An einem Steg beispielsweise könne es wegen seines Tiefgangs gar nicht anlegen.
Anders sehe es mit dem zweiten Schiff der FGS aus, der "Neptun". Dies sei kleiner, handlicher und gut ausgelastet, sagte Hahlweg. Auch wenn die "Hertha" ein guter Werbeträger sei - nach zwei Jahren Erfahrung könne er für sich sagen, "ein Schiff reicht".
Fußballgegner ramponieren die Einrichtung
Ärgerlich und auch teuer seien zudem die Schäden, die auf der "Hertha" immer wieder durch randalierende Gegner des Bundesligisten angerichtet würden. "Die Aushänge sind regelmäßig verschmiert, zerkratzt oder ganz weg", berichtete Hahlweg. Allein das koste die FGS im Jahr mehrere Hundert Euro. Zuletzt sei eine Tür des Schiffs abgebrochen worden. "Irgendwie nervt das schon", sagte Hahlweg. "Das Schiff kann doch nicht der Austragungsort für Fußballstreitereien sein."
Auf der "Hertha" wurde sogar bereits gegen randalierende Fußballfans demonstriert - jedoch durch Anhänger des Fußballvereins 1. FC Union Berlin: Sie "enterten" vor rund einem Jahr den Dampfer und beflaggten ihn in Rot-Weiß. Mit der friedlichen Aktion wollten sie auf Sachbeschädigungen wiederum durch "Hertha"-Fans aufmerksam machen.
Blau-weiße Bemalung lieferte Idee für die Vereinsfarben
Der Verein "Hertha BSC" erhielt bei seiner Gründung 1892 den Namen des Schiffes. Die Vereinsfarben Blau und Weiß wurden in Anlehnung an die Bemalung des Dampfers gewählt. Heute fährt die "Hertha" unter der Flagge der FSG, Besitzer des Schiffs ist die Prignitzer Leasing AG mit Sitz in Putlitz.
Mit dem jetzigen Eigentümer Flemming habe der Verein vor rund anderthalb Jahren bereits ein "sehr freundliches Gespräch geführt", sagte Schiphorst zu rbb online. Auch Flemming bestätigte im rbb die Gespräche. Damals sei der Fußballverein jedoch finanziell nicht gut beieinander gewesen. Auch habe Hertha BSC daraufhin gewiesen, dass der Verein keine Fahrgastschifffahrt betreibe und sich nicht um das Schiff kümmern könnte.
Mit neuem Geld sieht das nun vielleicht anders aus. Ein Kauf durch den Verein hänge von den Konditionen ab, sagte Schiphorst am Dienstag. Verhandlungen gebe es noch keine. Eines ist für Schiphorst jedoch jetzt schon klar: Sollte ein Deal zustande kommen, wird aus "Hertha" eine Berlinerin.
